Standortanalyse: Willich kriegt die Note 2,33

Analyse der Industrie- und Handelskammer : Standortanalyse: Willich kriegt die Note 2,33

Wo steht Willich? Mit dieser Frage beschäftigte sich die IHK Mittlerer Niederrhein. Das Ergebnis: Der Standort ist gesund, aber die Kommunalverwaltung sollte seine Vorteile pflegen.

Es hört sich wie ein Wirtschaftswunder an: hohe Kaufkraft, steigende Beschäftigungszahlen, niedrige Arbeitslosigkeit und eine positive Standortbewertung. Das sind laut der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein die wesentlichen Ergebnisse einer Analyse des Wirtschaftsstandorts Willich, die auf einer Unternehmensumfrage sowie Daten einer amtlichen Statistik zum Wirtschaftsstandort basieren.

Die Daten zeigen, dass Willich ein Standort für distributive Dienste ist. In den für diesen Sektor typischen Bereichen Handel, Verkehr und Lagerung arbeiten 38 Prozent der Beschäftigten. Willich liegt damit sowohl über dem Durchschnitt des Kreises Viersen, der bei 25 Prozent liegt, als auch über dem NRW-Schnitt. Dieser bewegt sich bei 20 Prozent. Einen leicht unterdurchschnittlichen Anteil erreicht Willich mit 26 Prozent in der produzierenden Wirtschaft. Der Kreis liegt bei 29 Prozent und NRW bei 27 Prozent.

Tief in den Keller geht es bei den Dienstleistungsbranchen, die nicht dem distributiven Bereich zuzuordnen sind. Der Beschäftigungsanteil beträgt gerade einmal 33 Prozent, während er in NRW 53 Prozent beträgt. Im interkommunalen Standortvergleich brachte die IHK-Analyse das Ergebnis, dass Willich im Vergleich mit Kommunen ähnlicher Größe als ein gesunder Standort bezeichnet werden kann. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, und in den vergangenen fünf Jahren wurden überdurchschnittlich viele neue Arbeitsplätze geschaffen. „Die überdurchschnittlich hohe Steuerkraft und die hohe Kaufkraft zeigen, dass Willich sowohl ein attraktiver Wirtschafts- als auch ein liebenswerter Wohnstandort ist“, sagte Dana Sülberg, Referentin für Wirtschaftspolitik bei der IHK Mittlerer Niederrhein, bei der Vorstellung der Ergebnisse im Neersener Schloss. Knapp 50 Gäste aus Verwaltung, Einzelhandel und Gewerbe hatten sich zu diesem Termin eingefunden.

Allerdings fällt in Willich eins ins Auge, und das ist die niedrige Einzelhandelszentralität. Eine mögliche Begründung wird in der Lage zwischen den Städten Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf gesehen. Der örtliche Einzelhandel muss mit der Konkurrenz der Großstädte kämpfen. Willich punktet aber mit seiner guten Verkehrsanbindung zur Autobahn und der Nähe zum Düsseldorfer Flughafen. Ein Standortvorteil, der viele Unternehmen anzieht.

Schlecht steht es hingegen um den öffentlichen Nahverkehr und die Schienenanbindung. In Sachen Informations- und Kommunikationsinfrastruktur sieht die Studie Aufholbedarf. Laut Umfrage bei den Unternehmen ist auch Handlungsbedarf bei den kommunalen Kosten angesagt. Verglichen mit der Standortanalyse von 2013 ist die Unzufriedenheit größer. Willich liegt zwar im NRW-Vergleich in einem „wettbewerbsfähigen Niveau“, wie es IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz beschrieb, aber vergleichbare Standorte außerhalb von NRW hätten niedrigere Gewerbesteuerhebesätze. „Willichs Stärke ist die Wirtschaftsfreundlichkeit der Kommunalverwaltung“, sagte Steinmetz. Insbesondere der Service der Wirtschaftsförderung wurde von den Unternehmen gelobt. Die Ergebnisse im Zeitvergleich aber zeigten, dass dieser Standortvorteil wieder besser gepflegt werden müsse, sagte Steinmetz. Behördliche Reaktionszeiten und die reibungslose Kooperation öffentlicher Ämter wurden in der Studie 2013 deutlich besser bewertet. Das Gesamtergebnis für Willich schloss mit der Note 2,33 ab.

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