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Stadtwerke Willich senken Strom- und Gaspreise

Verbraucher in Willich : Stadtwerke senken Strom- und Gaspreise

Wegen insolvent gegangener Energieanbieter bekamen die Stadtwerke Willich zuletzt viele Neukunden. Neue Preissenkungen treten ab dem 15. Januar in Kraft.

Aufgrund der extremen Preisentwicklungen an den Beschaffungsmärkten für Strom und Gas haben größere Energiehändler, wie Stromio und Gas.de, ihre Lieferungen zum Jahresende eingestellt. Die Stadtwerke Willich mussten so für Hunderte Kunden einspringen, die nach der Vertragsauflösung auf die gesetzlich vorgeschriebene Grundversorgung mit Strom und Gas angewiesen waren.

Zum Hintergrund: Zuerst hatte der Gasversorger Gas.de seinen Kunden die Gaslieferungen zum 2. Dezember 2021 gekündigt. Am 21. Dezember stellte dann Stromio, ein Energieunternehmen aus Kaarst und Schwesterunternehmen der Gas.de, seine Stromlieferungen ein. Auf seiner Internetseite begründet Stromio die Kündigungen mit der unvorhersehbaren Preisexplosion an den europäischen Handelsplätzen.

Da die Beschaffungspreise an den Märkten teilweise um ein Vielfaches gestiegen waren und zusätzliche Mengen beschafft werden mussten, war zwischenzeitlich eine wirtschaftliche Energielieferung zu den bisherigen Konditionen für diese neu hinzugekommenen Kunden nicht möglich, heißt es von den Stadtwerken. Aktuell scheine sich die Marktlage etwas zu entspannen, weshalb man die Preise für die Grund- und Ersatzversorgung absenken werde. Den von den Lieferstopps ihrer Lieferanten betroffenen Kunden würden zudem „wirtschaftlich interessante Sonderverträge mit Laufzeiten von 24 Monaten“ angeboten, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung.

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Lag beim Strom für Neukunden der Verbrauchspreis für die Grund- und Ersatzversorgung ab 21. Dezember aufgrund der Beschaffungsmärkte bei 80,22 Cent je Kilowattstunde, senken die Stadtwerke die Grund- und Ersatzversorgung nun auf 55,93 Cent je Kilowattstunde ab. Beim Gas lag der Verbrauchspreis zuletzt bei 25,44 Cent je Kilowattstunde und wird auf 16,46 Cent je Kilowattstunde abgesenkt.

Die Preissenkungen treten ab dem 15. Januar in Kraft. Dabei erhalten alle von den aktuellen Lieferstopps betroffenen Kunden von den Stadtwerken noch in diesem Monat Post und haben dann die Möglichkeit, weitere preislich günstigere Tarifangebote mit einer Vertragsdauer von 24 Monaten abzuschließen.

Geschäftsführer Tafil Pufja erklärt: „Die Einkaufssituation hat sich an den Märkten zwar leicht entspannt, wir bewegen uns aber weiterhin auf einem hohen Preisniveau. Wir sind froh, dass wir jetzt die von den Lieferstopps betroffenen Kunden mit der Weitergabe der reduzierten Preise in der Grundversorgung entlasten können.“ In der Regel sichern sich die Stadtwerke vorausschauend Strom- und Gaskontingente, um den Energiebedarf ihrer Kunden zu decken. Für die unerwartete Anzahl von Neukunden, weil Lieferanten Verpflichtungen nicht nachgekommen sind, mussten die Stadtwerke Willich unterdessen zu den extrem hohen Preisen kurzfristig zusätzlich Energie beschaffen, schreibt das Unternehmen.

Aneta Knebel, Leiterin für Vertrieb und Kundenservice, sagt über die Hintergründe der hohen Preise: „Neben den hohen Beschaffungskosten verteuern auch Steuern und staatliche Abgaben die Energiepreise. Steuern und staatliche Abgaben haben am Strompreis einen Anteil von fast 70 Prozent, beim Gaspreis von rund 56 Prozent.“ Da bleibe wenig Spielraum für Beschaffung und Vertrieb, behauptet Knebel.

Die neuen Preise und Tarife werden auf der Internetseite der Stadtwerke veröffentlicht. Unter stadtwerke-willich.de können dann die aktuellen Vertragsangebote eingesehen und der Wechsel unter stadtwerke-willich.de/kundenportal in einen anderen Tarif vorgenommen werden. Dieser Weg empfiehlt sich, da es aufgrund des erhöhten Telefonaufkommens trotz verstärkter Personalressourcen zu Wartezeiten im telefonischen Kundenservice kommen kann.

Die Unternehmenspolitik der Stadtwerke sei darauf ausgerichtet, „eine wichtige Rolle in der Daseinsvorsorge einzunehmen und sich auch für die Region zu engagieren“, schreiben die Stadtwerke. Hierunter fielen auch Investitionen in die örtliche Infrastruktur.

(RP)