Stadt Willich: Stadt und Anlieger wehren sich

Stadt Willich : Stadt und Anlieger wehren sich

Die Ausweisung von Überflutungsgebieten entlang der Niers im Bereich der Wohnbebauung soll verhindert werden. Zudem wird ein Arbeitskreis "Wassermanagement" gebildet. Die Unzufriedenheit mit dem Niersverband wächst.

Die Stadt Willich und die Anwohner am Grenzweg arbeiten zusammen, um die Ausweisung von Überflutungsgebieten entlang der Niers im Bereich der Wohnbebauung zu verhindern. Das ergab die Diskussion zweier Tagesordnungspunkte im Umweltausschuss.

Dabei geht es um die Flächen auf der Willicher Seite der Niers, die im Rahmen des Europäischen Hochwasserrisikomanagements von der Bezirksregierung Düsseldorf kartographisch als "Überschwemmungsflächen" für ein Jahrhunderthochwasser (HQ 100) ausgewiesen werden sollen. Für die jetzigen Eigentümer hätte das weitreichende Folgen, weil sie sich an bauliche Restriktionen und Schutzmaßnahmen halten müssten. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Grundstücke deswegen an Wert verlieren werden.

Derzeit läuft das formale Planungsverfahren der Bezirksregierung, und die Anwohner wehren sich in Einzeleinwendungen. Die Mitglieder des Umweltausschusses genehmigten in der Sitzung am Dienstagabend unter anderem die Formulierungen für die Einwendung der Stadt. Darin kritisiert diese, dass die Festsetzung der Gebiete "erhebliche topographische Defizite" enthält. Der dazugehörige Erläuterungsbericht weise ebenfalls erhebliche Defizite auf, so die Stadt. Sie hat das über eine Plausibilitätsprüfung des Gutachterbüros Dr. Dittrich & Partner Hydro-Consult GmbH feststellen lassen. Das Gutachten kritisiert den Bericht als "insgesamt sehr kurz abgefasst und nicht geeignet, um die Feststellung der Überschwemmungsgebiete umfassend nachzuvollziehen".

Der Gutachter stellt fest, dass ein im Bau befindliches Wasserauffangbecken in Mönchengladbach-Geneicken zwar mit Wirkung in den Berechnungen für ein HQ 50, also ein Hochwasser, das statistisch gesehen alle 50 Jahre auftritt, auftaucht, diese Wirkung in den HQ-100-Berechnungen überhaupt nicht auftaucht.

Weiterer Kritikpunkt der Stadt: Der Tag der Überfliegung im Februar 2014 wird nicht genannt, daher lässt sich nicht feststellen, ob die Wasserhöhe tatsächlich beispielhaft ist. Auch der Einfluss der Verkrautung des Niersbodens werde nicht berücksichtigt.

Letztlich genehmigten die Ausschussmitglieder zu diesem Punkt die von der Stadt vorgelegte Beschlussempfehlung: Die Einwendung soll fristgerecht an die Bezirksregierung weitergeleitet werden. Außerdem soll ein Angebot für ein hydrogeologisches Gutachten eingeholt werden, das fünf Unterpunkte hat. Ein Punkt des Gutachtens soll - weil das Thema schwierig und langwierig ist - auch die Frage sein, wie eine Ausweisung der Überflutungsgebiete gegebenenfalls rückgängig gemacht werden könnte, wenn die Stadt Fehler im Verfahren nachweisen könne.

Ergänzend beschloss der Ausschuss die Einrichtung eines Arbeitskreises Wassermanagement, weil Willich grundsätzlich ein Wasser-Problem hat. An diesem Arbeitskreis sollen themen- und gebietsbezogen die Wasserverbände, Stadt und Kreis Viersen sowie betroffene Bürger teilnehmen. Aus den Redebeiträgen der Politiker wurde dabei deutlich, dass sie eine zunehmend kritische Haltung gegenüber den Verbänden, etwa dem Niersverband, einnehmen: Guido Görtz (CDU) meinte, die Verbände seien Dienstleister für die Bürger, das würde vergessen. Außerdem nahmen Politik und Verwaltung ein Angebot der Bezirksregierung an, eine weitere Info-Veranstaltung für das Thema Hochwasserrisikomanagement durchzuführen.

Im folgenden Tagesordnungspunkt wurde eine Anregung der Interessengemeinschaft Grenzweg zum gleichen Thema behandelt. Deren Argumente sollen in die Gutachtenerstellung einfließen. Außerdem nahm die Verwaltung Kopien von Unterlagen entgegen, die die Historie des Hochwasserschutzes schon seit etwa 1930 beleuchten. Diese Unterlagen liegen angeblich dem Niersverband nicht vor.

(djm)
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