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Willich: Spitzenkraft SPD, Pleite CDU

Willich : Spitzenkraft SPD, Pleite CDU

Einen politischen Umbruch historischen Ausmaßes hat die Landtagswahl für den Kreis Viersen gebracht. Mit Not retten sich die CDU-Direktkandidaten Optendrenk und Berger, aber in sieben Kommunen liegt die SPD vor der CDU.

Kreis viersen Lang gediente Wahlbeobachter und ausgebuffte Politiker trauen gestern Abend ihren Augen nicht, als die ersten Ergebnisse der Landtagswahl für die Wahlkreise Viersen I und II bekannt werden. Die CDU verliert bei den Zweitstimmen teils im zweistelligen Bereich. Die SPD wird in Brüggen, Grefrath, Kempen, Niederkrüchten, Tönisvorst, Viersen und Willich zur stärksten Partei – in manchen Fällen mit gutem Abstand vor der geschlagenen CDU. Sie kann sich nur noch in Nettetal (Heimatort ihres Direktkandidaten Dr. Marcus Optendrenk) und in Schwalmtal (hier lebt CDU-Direktbewerber Dr. Stefan Berger) als stärkste Kraft halten, wenn auch nur knapp. So schwach war die CDU im niederrheinischen Land, einst mit absoluten Mehrheiten verwöhnt, noch nie.

Die FDP gewinnt zweistellig

Personen und Persönlichkeiten haben das Blatt in dieser spektakulären Wahl gewendet: Die FDP hat es dank ihres Spitzenmanns Christian Lindner auf sagenhafte zweistellige Ergebnisse im Kreis Viersen gebracht, wo sie doch schon fast tot gesagt war. Dagegen haben die Grünen trotz ihrer leichten Gewinne ihre ganz hohen Erwartungen nicht erfüllen können. Die Piraten haben es im zweiten Ablauf mit gut acht Prozent im Kreis geschafft – das wundert diesmal niemanden. Die Nagelprobe folgt in fünf Jahren: Mal sehen, wie es dann bei der Landtagswahl mit der bunten Partei nach ihrer praktischen Parlamentsarbeit steht. Die Linke, vor zwei Jahren noch mit rund sechs Prozent dabei, spielt auch im Kreis mit 1,88 Prozent keine Rolle mehr.

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Die Wahlbeteiligung bleibt schwach. Sie dümpelt bei 60,8 Prozent, nur 1,2 Punkte mehr als bei dem Tief von 59,6 vor zwei Jahren.

Der abgestraften CDU nutzt wenig, dass im Vergleich die Verluste bei der (Personen-)Erststimme um knapp drei Punkte geringer ausfällt als bei der (Parteien-)Zweitstimme. Einerseits dürfte ihr beispielloses Wahldebakel weitgehend auf die Landes-CDU und besonders ihren ungeliebten, unpopulären Spitzenmann Dr. Norbert Röttgen zurückgehen, aber natürlich haben auch die CDU-Direktbewerber ihre Schrammen abbekommen. Andererseits kann sich die SPD über eine beliebte, die Menschen offensichtlich ansprechende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft freuen: Sie hat den SPD-Ortsvereinen ordentlich Schwung und Begeisterung mitgeben können. So liegt der frühere Landtagsabgeordnete Uwe Leuchtenberg in seinem Heimatort Tönisvorst klar vor seinem CDU-Konkurrenten Optendrenk, ebenso in der Gemeinde Grefrath und sogar in der Stadt Kempen. Zu diesen einmaligen Erfolgen der SPD trägt bei, dass kein erkennbarer Wille in der Bevölkerung zu spüren war, einen Machtwechsel in Düsseldorf herbeizuführen, wohl aber der Wunsch, klare Machtverhältnisse zu schaffen. Das ist mit SPD und Grünen gelungen, aber die CDU ist dabei hinten runter gefallen.

Und wie! Ein paar Zahlen: Im gesamten Kreis Viersen rutscht die CDU bei den Zweitstimmen um 9,9 (!) Prozentpunkte auf 30,9 Prozent. Die SPD gewinnt um 6,3 auf 34,1 Prozent, die Grünen verlieren um 1,2 Punkte auf 10,1, die FDP steigert sich sensationell um 1,8 auf 11,1 Prozent, die Piraten holen 7,96 Prozent, vor zwei Jahren 1,2. Bei den Erststimmen für die Kandidaten holt Stefan Berger (CDU) im Wahlkreis Viersen I (Schwalmtal, Viersen, Willich) 40,1 Prozent (minus 6,5) gegen 32,5 (plus 1,2) für den Viersener SPD-Neuling Ozan Atakani. Im Wahlkreis Viersen II (alle anderen sechs Orte im Kreis Viersen) gewinnt der CDU-Kreisvorsitzende und erstmals kandidierende Marcus Optendrenk 38,6 Prozent (minus 6,6 Punkte) gegenüber dem sich stark schlagenden Uwe Leuchtenberg (SPD) mit 36,6 Prozent (plus 4,1). Frage des Tages

(RP)