Seltener Geburtstag Mit 100 Jahren noch einmal nach New York

Neersen · Sibylle Bönn aus Neersen ist ein Phänomen: Zum 100. Geburtstag erfreut sie sich noch immer bester Gesundheit, nimmt keine Tabletten und treibt Sport. Das Geheimnis ihrer ewigen Jugend? Eine spezielle Zutat.

Am Dienstag wurde bereits im kleinen Kreise angestoßen, am Wochenende folgt dann die große Feier.

Am Dienstag wurde bereits im kleinen Kreise angestoßen, am Wochenende folgt dann die große Feier.

Foto: Norbert Prümen

„Ich war noch niemals in New York“, sang einst Udo Jürgens. Sibylle Bönn wird am 17. Mai zum zehnten Mal in ihre Lieblingsstadt New York fliegen – und möchte mit 100 Jahren endlich einmal auf die Türme des neue World Trade Centers steigen. Die Reise mit Hotel und großem Kulturprogramm hat ihr Tochter Angela (73) am Dienstag zum großen runden Geburtstag geschenkt. Die Vorfreude der betagten Dame ist groß. Sie genießt das Leben noch in vollen Zügen, war nie ernsthaft krank.

Bönn ist eine Ausnahmeerscheinung: Das Autofahren gab die gebürtige Rheydterin erst vor vier Jahren auf. Rosi Jansen (76), eine Freundin aus Kerken, erinnert sich: „Sie hat mich bis vor einigen Jahren immer mit dem Auto vom Flughafen abgeholt.“ Als Geschenk brachte sie zum 100. eine Ein-Liter-Flasche Maggi mit und einen Brief von Maggi als Dankeschön dafür, dass sie seit Jahrzehnten diese Würze verwendet und als Geheimnis ihrer ewigen Jugend begreift.

Der vorzeitige Ruhestand war nie ein Thema für Bönn. Sie arbeitete bis zu ihrem 75. Lebensjahr als Buchhalterin. Ihr Mann war Organist in Krefeld. Er verstarb im Jahre 1990 und erst als Witwe konnte die 100-Jährige nach Belieben reisen. Die Musik war immer ihre Leidenschaft und alle Bilder in ihrer Wohnung am Rothweg hat sie selbst gemalt. Sie hat viele faszinierende Dinge erlebt. In seiner Garderobe hatte sie einst die Bekanntschaft mit dem spanischen Opernsänger Placido Domingo gemacht. Sie erinnerte sich gestern: „Es ist der beste Tenor – und er sah auch gut aus.“

Die Altersjubilarin hatte drei Kinder, eine Tochter und zwei Söhne. Einer der Söhne ist bereits tot, der andere lebt in Kanada, er lehrt dort als Professor Komposition. Sie lebt am Grenzweg und ist immer für ihre Mutter da: Tochter Angela arbeitete als Lehrerin an der Hubertus-Grundschule in Schiefbahn. In Krefeld lebt Enkelin Maxi – die 29-Jährige interessiert sich für Politik und gehört dem Stadtrat an. Neben dem Geburtstagskuchen mit einer Zuckerguss-100 drauf gab es von der Seniorin gebackene Plätzchen.

Abends hatte sie der Judo-Club Schiefbahn in ein Café eingeladen. Die Seniorin, die keine einzige Tablette einnimmt, dafür aber gerne mal ein Glas Wein trinkt, nimmt gerne am Gymnastikkurs des Judo-Clubs teil. Angefangen hatte alles im Schlosspark. Jetzt geht es in die Astrid-Lindgren-Schule; die Seniorin wird von anderen Teilnehmern abgeholt. Ihre Vermieterin Claudia Lehmann hat immer ein Auge auf ihre umtriebige Mieterin. Am Samstag wird der seltene runde Geburtstag im Ramshof gefeiert.

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