„Shakespeare at the Opera“ bei Schlossfestspielen im Schloss Neersen

Festspiele im Schloss Neersen : „Shakespeare at the Opera“: Von Regenfällen in den Ratssaal getrieben

Das schlechte Wetter sorgte für einen spontanen Umzug. Der Stimmung und der Darbietung tat es keinen Abbruch.

Beim Blick in den Himmel über Schloss Neersen sahen Maria Boika und Andrés Sulbarán allenfalls graue Wolken. Im Duett zum schlagfertigen Rededuell der angeblich überzeugten Junggesellen Béatrice und Benedict aber taten die Opernsänger, als bemerkten sie die Wetterkapriolen nicht. Ihr Auftritt auf der Festspielbühne beim Schloss Neersen strahlte jugendliche Frische mit einem feinen Schuss Koketterie aus. Doch ungeachtet der schönen Stimmen verhielt sich der Himmel bedeckt. Bald schon mochten Künstler und Besucher beim Defilee der Arien zum „Shakespeare at the Opera“ den Pianisten Ville Enckelmann beneiden. Denn der fand nach dem ersten Guss von oben samt E-Piano im schützenden Eingangsbereich des Schlosses ein trockenes Plätzchen.

Noch eine Viertelstunde vor Beginn der musikalischen Tour durch den Kosmos der Shakespeare-Opern zeigte sich Intendant Jan Bodinus zuversichtlich, das neue Projekt werde vom stimmungsvollen Flair einer Freilichtveranstaltung gekrönt. Denn erstmals wurde die erfolgreiche Kooperation mit der Deutschen Oper am Rhein ausgebaut. Fünf Wochen vor der beliebten Operngala gastierten acht junge Sänger des aktuellen Opernstudios an der Deutschen Oper am Rhein. Das Opernstudio fördert hochtalentierte junge Künstler aus aller Welt. Zurzeit sind mit Maria Carla Pino Cury und Daria Muromskaia (Sopran), Maria Boiko und Karina Repova (Mezzosopran), Andrés Sulbarán (Tenor), Jorge Espino (Bariton) sowie Andrei Nicoara und Sargis Bazhbeuk-Melikyan (Bass) sieben Nationen vertreten. Erst auf der Freilichtbühne und dann im Ratssaal begeisterten die Acht mit schönen Stimmen, kunstvoller Gestaltung und darstellerischem Talent.

Nachdem ein kräftiger Schauer auch noch den Wein zum hinreißend servierten Trinklied „Le vin de Syracuse“ verwässert hatte, flüchteten Interpreten und Festspielbesucher in den Ratssaal. Die erwartungsfrohe Stimmung blieb ungebrochen und wurde belohnt mit farbig servierten Arien und Szenen aus Opern von Berlioz, Gounod, Verdi, Nicolai und Cole Porters Musical „Kiss me, Kate“, komponiert über Shakespeare-Texten.

Die szenisch eingebundenen Einlagen des Schauspielers Moritz Führmann stellten den unmittelbaren Bezug zur Sprache des Dichters aus dem elisabethanischen Zeitalter her und waren wunderbar gewürzt mit Humor, Ironie und aktuellen Anklängen. Die jungen Interpreten begeisterten mit ausdrucksvoll und einfühlsam servierter Kunst. Einfühlsam berührten Repova und Muromskaia in ihrer Interpretation des Duetts von Ursele und Heró. Eindrucksvoll meisterte Cury die Herausforderungen der „Wahnsinnsarie“ der Ophelia. Kraftvoll gestaltete Espino die Arie „É sogno? O realta“, mit einfühlsamem Schmelz wechselte er ins Musicalfach. Nach dem heiteren Finale mit allen Ensemblemitgliedern dankte das  Publikum mit begeistertem Beifall.

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