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Stadt Willich: Seelsorger suchen Parkplatz

Stadt Willich : Seelsorger suchen Parkplatz

Wenn es nach dem Anrather Diakon Klaus Molzberger geht, sollen Seelsorger für seelsorgliche Einsätze einen Sonderparkausweis der Stadt bekommen. Die winkt ab. Das sehe die Straßenverkehrsordnung nicht vor.

Sie fahren nicht mit Blaulicht und Martinshorn, aber wenn sie unterwegs sind zu einem Menschen, der ihre Hilfe braucht, ist manchmal Eile geboten. Da kann selbst die Suche nach einem Parkplatz zu einer Ewigkeit werden und wertvolle Zeit kosten. Der Anrather Diakon Klaus Molzberger hat einen Bürgerantrag an die Stadt Willich geschrieben: Die aktiven Seelsorger in der Stadt Willich sollen einen Sonderparkausweis bekommen.

Der Planungsausschuss der Stadt hat sich jüngst mit diesem Antrag beschäftigt. Das Gremium beschloss, Bürgermeister Josef Heyes möge sich der Sache annehmen und den Antrag weiter bearbeiten.

Die Hoffnung von Diakon Molzberger, dass er und die anderen Seelsorger künftig mit einem Sonderparkausweis hinter der Windschutzscheibe ihres Autos unterwegs sein werden, wenn sie im Notfall im Seelsorgeeinsatz sind, wird sich nicht erfüllen. Heyes sagt, die Straßenverkehrsordnung sehe für die Personengruppe der Seelsorge solche Sonderparkausweise nicht vor. Willichs Technische Beigeordnete Martina Stall erläutert, Sonderparkausweise hätten in Willich lediglich Handwerksbetriebe für ihre Werkstattwagen. Dies werde auch in anderen Kommunen so praktiziert. Mit diesen Ausweisen könnten Handwerker, wenn sie Kunden besuchen, beispielsweise im eingeschränkten Halteverbot parken. Allerdings dürften sie niemanden behindern. Klaus Molzberger schildert, warum er dennoch Sonderausweise für Seelsorger für erforderlich hält. "Wir tun etwas für die Menschen", sagt er. In einem Schreiben an Bürgermeister Heyes hatte Molzberger alle katholischen und evangeklischen Seelsorger in Willich aufgelistet. Doch auch muslimische und jüdische Seelsorger sollten ihn bekommen, meint Molzberger.

Schlechte Ampelphasen

Für die katholischen Seelsorger gelte: In einem Notfall müssten sie in der Gemeinschaft der Gemeinden unterwegs sein. Schlechte Ampelphasen führten oft dazu, dass sie Zeit verlören. In solchen Situationen müssten sie dann noch nach einem Parkplatz suchen. "Wir könnten uns auch einen Zettel ins Auto legen, dass ein Seelsorger im Notfall im Einsatz ist, aber im Zweifel bekommen wir ein Knöllchen", fürchtet Molzberger.

Das sieht Martina Stall anders: Sollte ein Seelsorger in einem Notfall ein Knöllchen für falsches Parken bekommen, werde "kein Ordnungsamt der Welt – auch nicht das Ordnungsamt der Stadt Willich – das Knöllchen eintreiben", wenn der Notfall nachgewiesen werden könne, so Stall, und das geparkte Fahrzeug niemanden behindere.

Bürgermeister Heyes ist dafür, dass sich die Seelsorger für den Ernstfall einen Zettel ins Auto legen, auf dem sie auf den Seelsorgeeinsatz hinweisen. Würden sie dennoch ein Protokoll bekommen, würde dies selbstverständlich zurückgerufen, sagt Heyes.

(RP)