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Stadt Willich: Sechs Jahre Haft für Pfarrer Georg K.

Stadt Willich : Sechs Jahre Haft für Pfarrer Georg K.

Der Geistliche, der aus Willich stammt, wurde gestern verurteilt. Er hat sein damals elfjähriges Patenkind teilweise schwer sexuell missbraucht und auch an dem achtjährigen Bruder des Jungen sexuelle Handlungen vorgenommen.

Richter Herbert Luczak trug die Urteilsbegründung ruhig vor, seine Abscheu vor den Taten machten seine Worte dennoch deutlich: "Jedem, der seine fünf Sinne einigermaßen beisammen hat, kann nicht verborgen bleiben, dass solche Taten Kindern einen Schaden zufügen, der nicht ansatzweise kalkulierbar ist." Die Ausführungen des Pfarrers Georg K., er habe niemandem Schaden zufügen wollen, ließ Luczak also nicht gelten. "Sie haben aus eigensüchtigen Motiven heraus gehandelt, um Ihren sexuellen Neigungen nachgehen zu können. Was das mit den Kindern anstellt, haben Sie völlig ausgeblendet."

Die Zweite Große Strafkammer am Krefelder Landgericht verurteilte den aus Willich stammenden 56-Jährigen gestern zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in acht Fällen, sexuellen Missbrauchs von Kindern in 13 Fällen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in vier Fällen. Staatsanwältin Sabine Grüter hatte fünf Jahre und sechs Monate gefordert, die Verteidigung hatte zum Strafmaß keinen Antrag gestellt.

Bei den Opfern handelt es sich um das Patenkind des Pfarrers, das zu Beginn der Taten im Jahr 2001 elf Jahre alt war, und dessen damals achtjährigen Bruder. Über Jahre hinweg missbrauchte der Pfarrer vor allem sein Patenkind immer wieder. Auch Alkohol war im Spiel: "Der Angeklagte hat dabei zugesehen, wie das damals 13-jährige Opfer von anderen Messdienern abgefüllt wurde und nach Hause getragen werden musste. Das hat er ausgenutzt", sagte Staatsanwältin Grüter in ihrem Plädoyer. Auch Marihuana hat der Pfarrer mit seinem Patenkind gemeinsam geraucht, doch dieses hatte der Junge selbst besorgt, wie er in der Vernehmung zugegeben hatte. Ein Umstand, der neben vielen weiteren Aspekten für die Glaubwürdigkeit der Aussagen sprach.

Bemerkenswerterweise wollte der heute 24-Jährige den Pfarrer zunächst gar nicht anzeigen, führte dessen Anwalt Martin Hoffmann aus. Er habe sich dazu erst veranlasst gesehen, als auch andere bedroht wurden und sich das Verhalten des Pfarrers fortzusetzen drohte. Auch jetzt seien bei den Opfern "mehr Mitleid als Wut zu spüren", so Hoffmann. In seiner Zeugenaussage, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatte, hatte der junge Mann den Geistlichen sogar als "eigentlich prima Patenonkel und guten Menschen" bezeichnet, so Staatsanwältin Sabine Grüter.

Gewalt habe K. zwar nicht angewendet und auch keine Drohungen ausgesprochen, seine Strategie sei aber eine andere gewesen, führte Richter Luczak aus: "Er wollte sich die jungen Menschen als sexuelle Partner heranziehen. Die Jungen verehrten ihn ja geradezu. Und er half mit großzügigen Geschenken und Unternehmungen nach. Er wollte, dass die Jungen Gefallen an den sexuellen Handlungen finden." Luczak betonte, dass weder Homosexualität noch die Kirche am Pranger stünden. Es gehe allein um K.s persönliche Schuld. Der Verteidiger Dr. Wilhelm Helms hatte ausgeführt, dass der Fall in der Öffentlichkeit nur deshalb so hochgekocht sei, "weil es ins Bild passte, dass die Kirche solche Täter schützte".

Dass sich der Angeklagte eher in der Rolle des Opfers als der des Täters sehe, hatte ihm Staatsanwältin Grüter vorgeworfen. Verteidiger Helms war allerdings für den Angeklagten in der Wirkung auf das zahlreich erschienene Publikum auch kein Glücksgriff, driftete der Anwalt doch unnötigerweise ins Schwafeln ab: "Menschen mit dem Lebenslauf meines Mandanten sind zuerst Ministerpräsident und dann Bundeskanzler geworden." Oder: "Die Prämierung eines Geständnisses führt nach Guantanamo." Bei solchen Aussagen musste selbst eines der Opfer lachen.

Pfarrer K. hatte sich in der Beweisaufnahme nicht zu den Vorwürfen geäußert, nutzte gestern jedoch die Gelegenheit. Er las zunächst seine Selbstanzeige aus dem Jahr 2011 vor, in der er sich im Prinzip schuldig bekannt und um Verzeihung gebeten hatte. "Nicht jeder der Vorwürfe stimmt mit meiner Erinnerung überein, aber eine Auseinandersetzung darüber wollte ich allen Beteiligten ersparen. Es tut mir aufrichtig leid", ergänzte er nun und schloss mit der neuerlichen Bitte um Verzeihung und dem Dank an alle, "die nicht jeden Glauben an mich verloren haben".

Gegen das Urteil kann binnen einer Woche Revision eingelegt werden.

(RP)