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Stadt Willich: Schwindelfrei zur Kirchturmgalerie

Stadt Willich : Schwindelfrei zur Kirchturmgalerie

"Das müsste das Gefängnis sein?", fragte Jule (9) ihren Vater. Michael Neef hatte sie und ihre Freundin Julia (10) gestern mit auf den Anrather Kirchturm genommen. Schnell machten die Beiden auch ihre Schulen aus. Am "Tag des Denkmals" öffnete der Kirchbauverein die Pfarrkirche St. Johannes.

"Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sind unabdingbar" – diese Warnhinweise am Eingang des über 70 Meter hohen Kirchturms der 1898 erbauten Pfarrkirche waren sehr nützlich. Es ging zwar nicht bis nach ganz oben, sondern nur bis zur etwa 50 Meter hohen Galerie. Dennoch mussten die Besucher beim Anstieg vor allem auf den steilen Holztreppen zum Schluss aufpassen, den Halt nicht zu verlieren. 95 Stein- und 129 Holzstufen führten nach oben. Vorbei an der alten Orgelbühne, der Uhren-Stube und unter dem großen Glockengestühl hinweg, in dem die Dreifaltigkeits-, Johannes-, Maria- und Heribert-Glocke auf ihren Einsatz zur vollen Stunde warten.

Vortragekreuz restauriert

Die Sicht war trotz des Nieselregens gestern Nachmittag sehr gut, reichte über 50 Kilometer weit. Zu sehen waren unter anderem der Düsseldorfer Fernsehturm oder die Dülkener Windrose. "Eng, aber schön", sagte nach der Besichtigung Maria Joebges, die ihren 22- jährigen Sohn Philipp zur Turmbesteigung überredet hatte.

Wieder festen Boden unter den Füßen lernten die Besucher auch den 47 Jahre alten Uhrmachermeister und Goldschmied Heinrich Stevens kennen. Er hatte in 70-stündiger Arbeit das historische Vortragekreuz der Anrather St. Sebastianus Bruderschaft aus dem Jahr 1835 restauriert. Dieses Kreuz, das vor den Nazis versteckt worden war, wurde früher bei Prozessionen oder besonderen kirchlichen Ereignissen immer vorneweg getragen. Stevens stellte den alten Zustand wieder her und leistete so seinen feinen Beitrag zur tausendjährigen Anrather Ortsgeschichte. Pastor Markus Poltermann nahm das Kreuz mit großer Anerkennung am gestrigen Nachmittag entgegen.

Kirchbauverein sammelt Geld

Ulrich Bons führte Interessierte durch den Kirchenraum. Ausgestellt waren unter anderem einige historische restaurierte Kelche. Am frühen Abend konnte man dann noch ein seltenes Konzert in der Pfarrkirche erleben: die Anrather Musiker Andreas Stevens (Gitarre) und Johannes Quack (Orgel) nahmen durch ihr Spiel die Zuhörer auf eine kleinen Tournee der Fantasie und Entdeckung mit.

Natürlich nutzte dabei der Kirchenbauverein die Gelegenheit sich vorzustellen. So gaben unter anderem Annette Hegger und Sarah van Heemskerk entsprechende Artikel aus: Jubiläumssenf, Stoffbeutel, T-Shirts und Base-Caps mit dem Logo des Vereins, das die Silhouette von fünf Anrather Wahrzeichen zeigt: beide Kirchen, Rathaus, Kapelle und das alte Krankenhaus. Der Erlös des Verkaufs, der auch über die Internet-Seite www.kirchbauverein-anrath.de läuft, kommt der Instandsetzung der Pfarrkirche zugute.

(RP)