Schwalbennester in Willich abgefallen

In einem verlassenen Bauernhof : Das Aus für die zweite Brut: Schwalbennester sind abgefallen

Wo sonst fröhliches Schwalben-Gezwitscher zu hören war, ist es still geworden. Allerdings liegt dies nicht daran, dass die Jungvögel ausgeflogen sind, sondern vielmehr an der Tatsache, dass die beiden Schwalbennester, die an den Fellerhöfen 1-3 unterm Dach klebten, nicht mehr da sind.

Ob die Schwalbennester dabei mutwillig zerstört wurden oder sie sich aus einem anderen Grund lösten, ist nicht mehr festzustellen. Tatsache ist, sie sind weg, und nur eine kleine Schwalbe überlebte.

„Das noch nicht flugfähige Vögelchen wird derzeit von den Elterntieren am Boden weiter gefüttert. Wir hoffen, dass es überlebt“, sagt Dirk Hörne, der in unmittelbarer Nähe auf einem Bauernhof lebt, wo Jahr für Jahr Schwalben brüten, weil ihnen dort optimale Bedingungen angeboten werden. „In diesem Jahr kam es zu einer zweiten Brut, was uns alle sehr gefreut hat, da es nicht üblich ist. Rauch- und Mehlschwalben gehören zu den gefährdeten Vogelarten. Sie stehen auf der Roten Liste von NRW. Daher ist es sehr traurig, dass es jetzt zu dem Verlust gekommen ist“, sagt Monika Sandrock vom Naturschutzbund (Nabu) Willich.

In den vergangenen 25 Jahren nahm die Zahl der Schwalben in der Region um mehr als 50 Prozent ab. Es ist schwer für die Vögel, geeignete Plätze für den Nestbau zu finden. Mehlschwalben brüten geschützt an Gebäuden unter Dachgiebeln, an Garagen oder Stallungen in mindestens 2,50 Meter Höhe. Rauchschwalben mögen zugluftfreie, möglichst halbdunkle Räume wie in Ställen oder Scheunen. Sie bauen ab einer Höhe von zwei Metern.

Moderne Gebäudekonstruktionen und geschlossene Stallungen lassen indes keinen Nestbau zu. Zudem fehlt es an Nistmaterial. Schwalben benötigten zum Nestbau Lehmpfützen. Schwalben kann aber gut geholfen werden – mit Kunstnestern, Lehmpfützen und Kotbrettchen. Kunstnester können gekauft oder selbst angefertigt werden, und eine Lehmpfütze kann ein jeder in seinem Garten anlegen.

Die Kotbrettchen sind wichtig, da viele Menschen die Verkotung der Nestumgebung stört und sie deswegen keine Schwalben an ihrem Haus haben möchten. Ein rund 60 Zentimeter unter den Nestern angebrachtes Kotbrettchen schafft Abhilfe. Treten die Schwalben im Herbst ihren Flug in den Süden an, kann das Brett demontiert und gereinigt werden. Schwalbenkot ist dabei ein sehr guter Blumendünger.

Schwalben stehen in Deutschland unter Naturschutz. Das heißt, dass die Nester nicht beschädigt oder zerstört werden dürfen, auch wenn sich die Vögel im Winterquartier befinden. Schwalben sind standorttreu und kehren gerne zu ihren Altnestern zurück. Die Zerstörung eines Nests ist eine Ordnungswidrigkeit, die entsprechend geahndet wird. Wie Schwalbenhilfen gebaut und Lehmpfützen angelegt werden, erfährt man auf den Internetseiten vom Nabu NRW.

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