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Schützenfest fällt aus: Umsatzverlust für das Willicher Uniformhaus

Willich : Uniformen bleiben in den Regalen hängen

Für das Willicher Uniformhaus bedeutet die Absage der Schützenfeste einen immensen Umsatzverlust. Nun setzt das Unternehmen seine Hoffnungen auf den Karneval. Auch der Blumenhandel ist betroffen, zum Beispiel Blumen Grütters in Anrath.

3000 Uniformen hängen ordentlich aufgereiht im Willicher Uniformhaus. Hinzu kommen unzählige Hüte, Federbüsche, Degen, Epauletten und jede Menge weiteres Zubehör. All diese Gegenstände werden in diesem Jahr wohl in den Regalen und Schubladen bleiben, denn Schützenfeste werden in der Region wegen der Corona-Krise nicht stattfinden. Erst kürzlich hatten die Willicher Schützenvereine und Bruderschaften gemeinschaftlich erklärt, dass alle Feste 2020 abgesagt werden. Nicht nur für die Vereine selbst ist das dramatisch, auch viele Unternehmen leiden darunter, da entsprechende Einnahmen wegbrechen. Veranstaltungstechniker, Sicherheitsdienste, Schausteller, Bäckereien, Gastronomen – die Liste der Betroffenen ist lang.

Im Willicher Uniformhaus – unweit des Marktplatzes, auf dem beim ASV-Schützenfest im Sommer üblicherweise die gut besuchten Paraden abgehalten werden – wäre eigentlich jetzt Hochbetrieb, wenn Corona nicht wäre. „Seit dem 20. April haben wir unser Geschäft wieder geöffnet, aber es tut sich nichts, auch nicht per Telefon oder E-Mail“, sagt Inhaber Jörg Becker, der das Unternehmen 2012 von seiner Vorgängerin übernahm. Allerdings habe man nun Zeit für Reparaturen und Dinge, zu denen man sonst nicht komme. Im Dezember und Januar seien bereits viele Kunden da gewesen, um Uniformen zum Ausleihen anzuprobieren, aber seit der Corona-Krise herrscht Flaute. Sonst tummeln sich schon mal 30 bis 40 Kunden auf einmal in den Räumen, um Kostüme zum Ausleihen auszuwählen. „Dann geht es manchmal richtig hektisch zu“, sagt Becker. Von 35 Euro für eine Jacke bis mehr als 100 Euro für eine komplette Ausstattung kostet das Ausleihen die Schützen. Umsätze, die in diesem Jahr verloren sind.

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Auch die Maßanfertigungen von Uniformen, Hochzeitsanzügen oder ausgefallenen Sakkos, die zwei Drittel des Umsatzes ausmachen, seien eingebrochen, sagt Rainer Jakobs, der kaufmännische Leiter des Uniformhauses. Die vier Schneiderinnen befinden sich seit dem 1. April in Kurzabeit. Die erfahrenen und langjährigen Fachkrafte wolle man auf jeden Fall halten, sagen Becker und Jakobs und sind zuversichtlich, dass sie im Mai wieder mehr Aufträge bekommen – der Karneval lässt grüßen. „Wenn das Geschäft nicht wieder anläuft, könnten wir bis Ende des Jahres finanziell überleben“, sagt Jakobs. Die Soforthilfe des Bundes sei zwar schnell und unproblematisch ausbezahlt worden, helfe aber auch nur einen knappen Monat lang. KfW-Kredite müssen zurückgezahlt werden, helfen also auch nicht langfristig. Daher hofft Jakobs auf Geld vom Bund, das nicht zurückgezahlt werden muss.

Nun schauen Becker und Jakobs aufs Karnevalsgeschäft und sind zuverichtlich, dass wenigstens das Winterbrauchtum in irgendeiner Form stattfinden kann. „Eine jahrhundertealte Tradition wirft man schließlich nicht einfach über Bord“, sagt Becker, betont aber auch, dass Corona auch im Schützen- und Karnevalswesen dauerhafte Veränderungen mit sich bringen werde: „Wir müssen uns auf neue Zeiten einstellen.“

Einen ersten Schritt gehen die beiden, indem sie künftig auch Mund-Nasen-Schutze anbieten. Ihre Idee: „Viele wollen ein Accessoire, das zur Kleidung passt“, sagt Becker. Daher wollen sie auch Masken aus besonderen Stoffen, beispielsweise im Schottenkaro, oder mit Stickereien anbieten. „Ich kann mir vorstellen, dass es eine entsprechende Nachfrage gibt“, sagt Becker. Zumal er wahrnimmt, dass seine Stammkunden ein Interesse am Fortbestand seinses Unternehmens haben – schließlich gibt es in dieser Branche so gut wie keine Mitbewerber in der Region. Das Traditionsunternehmen Hintzen in Korschenbroich, mit dem das Willicher Uniformhaus gut zusammenarbeitet, hat bereits wegen der Corona-Krise einen Insolvenzantrag gestellt. „Wir haben ein freundschaftliches Verhältnis zu unseren Kunden. Daher verlangen wir auch keine Stornogebühren für bereits bestellte, aber nicht benötigte Verleih-Uniformen. Das wäre unseriös, die Leute können ja auch nichts dafür“, sagt Becker.