Stadt Willich: Schöne Melodien und große Gefühle

Stadt Willich: Schöne Melodien und große Gefühle

Zum elften Mal sorgten Musiker der Deutschen Oper am Rhein mit der Opern- und Operettengala für ein klangvolles Finale der Schlossfestspiele Neersen. Beide Vorstellungen am Wochenende waren ausverkauft.

Von der Taube bis zur Nachtigall war die Vogelwelt in Ton und Text zur diesjährigen Opern- und Operettengala im Ratssaal von Schloss Neersen stark vertreten. Auf dem Programm standen "bunt gefiederte Melodien", zu denen sich wie selbstverständlich die Kurzfassung von Carl Zellers "Vogelhändler" gesellte.

Zum elften Mal gaben Musiker von der Deutschen Oper am Rhein den Schlossfestspielen ein klangvolles Finale. Es war ein Abend mit schönen Melodien, großen Gefühlen und amüsanten Momenten - von Geesche Bauer, Helena Günther, Sarah Ferede, Cornel Frey, Stefan Heidemann, Thomas Piffka und Günes Gürle mit wunderbaren Stimmen gesungen. Die Begrüßung ließ allerdings innehalten: Denn Bariton Stefan Heidemann erinnerte an den verstorbenen Kollegen, den Bass-Bariton Oleg Bryjak, der beim Germanwings-Flugzeugabsturz in den französischen Alpen ums Leben kam und in Neersen gewohnt hatte. Dessen Familie saß im Publikum des ausverkauften Saals.

Zum Auftakt mit Smetanas Arie "Seht am Strauch die Knospen springen" formierten sich die beteiligten Sängerinnen und Sänger zum Ensemble, ehe sie solistisch, im Duo und Terzett zu Werken von Puccini, Donizetti, Mozart, Rossini, Offenbach und Bizet begeisterten. Dr. Elisabeth Kuhs moderierte das Programm fachkundig, mit launisch ironischen Untertönen. Zur Kurz-Version des "Vogelhändler" trat sie im Dirndl als Wirtin auf, um mit amüsanten Bonmots den Handlungsbogen zu ergänzen.

Stefan Heidemann punktete auch dieses Mal mit enormer Präsenz, kraftvoller Stimme und lebendiger Darstellung. Feurig gab er den Escamillo aus "Carmen", amüsant und doch fein nuanciert den Papageno, hinreißend witzig den Professor Süffle aus dem "Vogelhändler". Damit nicht genug war der Opernsänger auch bei der Herrichtung für die Szenerie zum zweiten Teil im Einsatz. Zu den bekannten Gesichtern zählte ebenso die Sopranistin Geesche Bauer, die - wie auch Helena Günther - zum Terzett aus "Cosi fan tutte" mit sphärischen Klängen betörte und in wechselnden Auftritten ebenso mit kraftvoll aufschwingender Stimme überzeugte. Verlockung pur lag in Sarah Feredes Mezzosopran, der ein herrliches Glühen ausstrahlt und mit leuchtenden Koloraturen betörte. Ferede war die Idealbesetzung für die verführerische Carmen wie auch mit blitzenden Augen und feinem Timbre für die junge kapriziöse Dame aus Rossinis "Barbier von Sevilla". Günes Gürle verband seinen wohlklingenden, vollen Bass mit Charme und Grandezza. Mit warmem Schmelz in der Stimme und lodernden Steigerungen gestaltete Thomas Piffka verführerisch den Part des José, komödiantisches Talent bewies er in der Rolle des Grafen Stanislaus. Cornel Frey verband seine Sangeskunst mit schelmischen Zutaten.

Für alle Facetten und Nuancen boten Pianist Thomas Möller und Violinist Martin Schäfer die passende Begleitung. Die Introduktion aus Ambroise Thomas´ "Mignon" aber war ausschließlich ihrem lebendigen Spiel vorbehalten. Für alle gab es am Ende überaus herzlichen Beifall.

(anw)