Schlossfestspiele Neersen: Nächste Premiere "Der Nustergatte"

Schlossfestspiele Neersen : Lustiges Stück mit tieferem Sinn

Heinz Erhardt ist auch 40 Jahre nach seinem Tod unvergessen. In dem Abendstück „Der Mustergatte“ lassen die Schlossfestspiele Neersen den großartigen deutschen Komödianten noch einmal auferstehen.

Stefan Keim kann sich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass sein ergrautes Haupt demnächst schwarz gefärbt werden sollen. Aber Regisseur Jan Bodinus ist Perfektionist und will, dass der Schauspieler dem Komödianten Heinz Erhardt möglichst ähnlich sieht, und der hatte nun mal schwarze und nicht graue Haare. Stefan Keim spielt als Heinz Erhardt in „Der Muttergatte“ die Hauptrolle. Mit der Premiere am 22. Juni wird das Abendprogramm der diesjährigen Schlossfestspiele eröffnet.

Nicht nur über die Haarfarbe und die typische Brille mit dem dicken, dunklen Rand nähert sich Keim dem Komödianten an. Auch viele Zitate, Gedanken und Gedichte von Heinz Erhardt fließen in die Dialoge des Stücks ein. „Wir sind der Familie sehr dankbar, dass wir die Zitate verwenden dürfen“, sagt Jan Bodinus, Intendant der Schlossfestspiele und Regisseur des Stücks. Stefan Keim ist als Heinz Erhardt in Neersen kein Unbekannter. Der Hörfunkjournalist hat mit seinen Heinz-Erhardt-Abenden bereits mehrfach für gute Unterhaltung gesorgt.

Nun gibt es also ein ganzes Stück mit diesem Heinz Erhardt, der in „Der Mustergatte“ Willi Winzigmann heißt und für den sich die Welt der frühen 1970er Jahre viel zu schnell dreht. Statt nach vorne zu schauen, wie seine Frau Wilma (gespielt von Reinhild Köhncke), hält er lieber an der „guten alten Zeit“ fest. Und die gute alte Zeit, das sind bei ihm die 1950er Jahre, als die Mode noch zurückhaltend war, der Mann das Sagen hatte und das Wirtschaftswunder nach dem Krieg wieder Wohlstand versprach.

Willi ist ehrlich, pünktlich und ordentlich und geht Wilma damit ziemlich auf die Nerven. Sie möchte etwas erleben, liebt die farbenfrohe Mode der 70er Jahre, genießt die neue Rolle der Frau, die ihr Freiheiten gibt und ist auch der freien Liebe gegenüber aufgeschlossen. Als Wilma mit ihrem jungen Verehrer Freddy (dargestellt von Raphael Souza Sá) loszieht, beschließen Willi und die zurückhaltende Nachbarin Blanche (gespielt von Michaela Schaffrath), auch mal aus ihren Rollen auszubrechen.

„Ich freue mich jeden Morgen darauf, zur Arbeit zu kommen“, sagt Schauspielerin Schaffrath. „Wir lachen auch nach vier Wochen Probe noch immer über uns und über das Stück.“ Die Zuschauer könnten sich auf einen langen, lustigen Abend einstellen, verrät die Darstellerin. Auch Regisseur Bodinus ist sicher, dass „Der Mustergatte“ ein unterhaltsamer Start in die Abendstücke der Schlossfestspiele ist. Wenn der biedere Mustergatte zu ‚Sexmaschine‘ und ‚Saturday night fever‘ tanze, könne niemand ernst bleiben, ist Bodinus sicher.

Stefan Keim fühlt sich, obwohl Mittelpunkt der Häme, sehr wohl im Ensemble. „Ich finde es faszinierend, was für unterschiedliche Menschen mit ganz anderem Erfahrungshorizont hier zusammen kommen“, sagt der 51-Jährige. Gemeinsam sei allen aber das Humor-Gen, das bei den Proben stets für Heiterkeit sorge und sich bei den Aufführungen bestimmt auch auf die Zuschauer übertrage.

Für Jan Bodinus ist „Der Mustergatte“ ein lustiges Stück mit tieferem Sinn. „Bei allem Spaß wird auch etwas transportiert“, sagt der Regisseur. Der „Clash der Kulturen“ und das Gefühl, die Welt verändere sich zu rasant, betreffe auch heute, im digitalen Zeitalter, wieder viele Menschen. Wie heute, so verändere sich auch um den Mustergatten herum alles. Das zeige sich unter anderem in der Kulisse, sagt Bühnenbildner Christian Baumgärtel: „Wir sehen eine Wohnung im typischen Stil der 50er Jahre, in die sich aber schon erste Accessoires der 70er Jahre eingeschlichen haben.“ Für Nuschin Rabet, die gemeinsam mit drei Schneiderinnen erstmals für die Kostüme bei den Schlossfestspielen zuständig ist, ist das Stück eine tolle Herausforderung, denn die Kostümbildnerin liebt es bunt und kann sich richtig ausleben.

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