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Schlossfestspiele Neersen mit Dschungelbuch

Schlossfestspiele sind eröffnet : Schloss in einen Dschungel verwandelt

Viel Beifall gab es gestern Nachmittag auf der Freilichtbühne vor dem Schloss Neersen. Mit der Premiere des grandiosen Kinderstücks „Das Dschungelbuch“ starteten die Schlossfestspiele in ihre 35. Spielzeit.

Rund 40 Minuten müssen die Zuschauer warten, bis er zum ersten Mal die Bühne betritt: Balu, von Mowgli liebevolle „Papa Bär“ genannt. Sven Post, seit vielen Jahren Ensemblemitglied bei den Neersener Schlossfestspielen, ist die Rolle des gemütlichen Bären auf den Leib geschneidert. Mit seinem Erscheinen kommt – trotz des stolzen, runden Bauchs - eine Leichtigkeit auf die Bühne, und es ist klar: Von jetzt an wird alles gut.

Einige Abenteuer hat Mowgli, den die nur 1,56 Meter große Anne Bedenbender wunderbar trotzig, mitunter bockig, gut gelaunt und schwungvoll spielt, bis dahin schon im „Dschungelbuch“, mit dem die Neersener Schlossfestspiele gestern die neue Spielzeit eröffnet haben, bestehen müssen. Gleich zu Anfang macht der schwarze Panther Bagheera dem Menschenkind nämlich klar, dass der Dschungel gefährlich sei und Mowgli in die Menschensiedlung gehöre. Als dann noch Wölfin Raschka, die Mowgli gesäugt hat, erscheint und mitteilt, dass der Tiger Shir Kahn, der die Menschen hasst, zurück im Dschungel sei, ist klar: Mowgli ist in Gefahr.

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Tatsächlich taucht bald darauf mit der Schlange Kaa die erste Bedrohung auf. Kaas Kostüm ist übrigens ein echter Hingucker. Überhaupt kann die Arbeit von Ausstatterin und Bühnenbildnerin Silke von Patay und ihrem Team nicht hoch genug gelobt werden. Mit viel Liebe und noch mehr Humor haben sie die Kostüme der Tiere geschneidert und die Schlosskulisse in einen grünen Urwald verwandelt.

Aber zurück zum Stück: Kaa lullt Mowgli ein und will ihn gerade verspeisen, als Bagheera aufwacht und seinen kleinen Freund rettet. Szenen wie diese gibt es noch mehrere, aber den Regisseuren Sven Post und Matthias Freihof gelingt es immer wieder, die Spannung und Bedrohung mit viel Witz aufzulösen. Dazu tragen besonders die Hyänen bei, die nicht zufällig Stan und Ollie heißen. Die beiden, dargestellt von Kerstin Bruhn (Stan) und Sebastian Teichner (Ollie), sind die heimlichen Helden der Zuschauer. Mit ihrem ansteckenden Gekicher, ihrer Albernheit und der Trotteligkeit spielen sie sich sofort in die Herzen des Publikums.

Natürlich sind aber auch Elefanten-Oberst Hathi, den das Neersener Urgestein R.A. Güther verkörpert, seine Frau Gertrött (Kerstin Bruhn) und Junior (Sebastian Teichner) Zuschauerlieblinge. Einige Darsteller im Ensemble haben im Dschungelbuch gleich mehrere Rollen übernommen. So ist R.A. Güther auch als Affenkönig Lui zu sehen, und Sebastian Teichner spielt neben der Hyäne und dem Elefantennachwuchs Junior noch einen Affen aus King Luis Bande.

Die meisten Rollen aber hat Kerstin Bruhn, und sie ist in allen außergewöhnlich gut. Das Lispeln der Schlange Kaa gelingt ihr ebenso ausgezeichnet, wie das Heulen der Wolfsmutter, die ihren Ziehsohn gehen lassen muss. Auch als Elefantenfrau zeigt sie Bühnenpräsenz. Besonders gut aber füllt sie die Rollen eines Affen und der Hyäne aus, zumal sie dort ihre tänzerischen und akrobatischen Fähigkeiten zeigen kann. Überhaupt ist es auffällig, wie gut Bruhns Körper sich in die jeweilige Rolle einfindet und sich den tierischen Bewegungsabläufen anpasst.

Neben vielen witzigen Dialogen (Mowgli: „Klar, Baggi“, Bagheera: „Nenn mich nicht Baggi. Ich bin kein Kinderwagen.“) zeichnet sich die Neersener Fassung des Dschungelbuchs auch durch besondere Musik aus. Weil Disney die Filmlieder nicht freigibt, hat der Hamburger Komponist Stefan Hiller neue Stücke für die Freilichtbühne geschrieben. Entstanden ist ein richtig guter Soundtrack. Haben einige Zuschauer es zu Beginn noch bedauert, dass sie „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ nicht hören werden, sind sie nach der Vorstellung mit Hillers „Chill mal, mach mal locker“ mehr als versöhnt.