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Schloss Neersen ist ein Kulturort: Einmal im Jahr gibt es dort den Jazz-Frühling

Serie „Hier wird Kultur gemacht“ : Jazz-Frühling im Schloss

Schloss Neersen ist nicht nur Sitz der Willicher Stadtverwaltung, sondern auch ein wahrer Kultur-Ort. Eine der zahlreichen Veranstaltungen dort ist der Jazz-Frühling.

Diesem Tag fiebern Jazzfans von nah und fern bereits entgegen: Am 22. Februar eröffnet das „Horst Hansen Trio“ den Willicher Jazz-Frühling. Es ist die achte Auflage der Musikreihe, die einen überregional guten Ruf genießt. Austragungsort ist das Neersener Schloss, ein Kulturort von Rang. Die Virmond’sche Festung dient mehreren Willicher Musikreihen als Konzertstätte, beherbergt wechselnde Kunstausstellungen und die Neersener Schlossfestspiele – ein echter Kulturort eben. Dass von dort Willichs Bürgermeister Josef Heyes „regiert“, sei hierbei nur am Rande erwähnt. Die Macher des Jazz-Frühlings sprachen mit unserer Redaktion über Lieblingsmusiken, Zukunftspläne und ihr Erfolgsrezept.

Rückblende: Im Herbst 1999 gastierte der Baritonsaxophonist und „Walking Shoes“-Frontmann Edi Grötzinger in Willich. Die Resonanz: riesig. So entstand der Jazz-Herbst, mit Grötzinger als künstlerischem Leiter. Er brachte die Serie (2001 bis 2010) mit qualitätsvollen Konzerten zur Blüte – bis zu seinem Tod. 2011 pausierte die Serie, 2012 ging’s weiter – im Frühling statt im Herbst. „So standen wir nicht länger in Konkurrenz zu anderen Jazz-Veranstaltungen im Herbst“, sagt Bernd Hitschler, Willichs Geschäftsbereichsleiter Kultur. Er zeichnet für den Jazz-Frühling zusammen mit Jutta Saum (Organisation, Künstlerbetreuung) verantwortlich.

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„Wir kaufen kein Überraschungspaket“, fasst Hitschler das Künstlerbooking zusammen. „Getestet, gehört, entschieden“ laute die Devise. Dafür besucht der passionierte Musikliebhaber (Jazz, Elektro, House) auch in seiner Freizeit Konzerte, netzwerkt zudem im Arbeitskreis Jazz vom Kultursekretariat Gütersloh. Die Bremer Fachmesse „Jazz­ahead“ bringt ihm Kontakte zu 15 bis 20 Bands, Ende April ist es wieder so weit. Dort werden mündliche Absprachen für den Jazz-Frühling 2020 getroffen, die Vorlaufzeit beträgt bis zu anderthalb Jahre. Fachliche Beratung erfährt das Willicher Team vom Jazzdrummer André Spajic.

     Bernd Hitschler und Jutta Saum sind im Kultur-Team der Stadt Willich für den Jazz-Frühling verantwortlich.
Bernd Hitschler und Jutta Saum sind im Kultur-Team der Stadt Willich für den Jazz-Frühling verantwortlich. Foto: Norbert Prümen

Der Jazz-Frühling 2019 wartet mit Neuem auf: Eine neue Tonanlage wurde für besseren, wieder zeitgemäßen Sound installiert, bestuhlt wird zur längsseitig aufgebauten Bühne. Unter dem Titel „Young Faces“ bestreiten die Macher zudem den Weg in Richtung musikalischer Zukunft: Jüngeren Formationen wird ein Forum gegeben, so dass das interessierte Fachpublikum den Puls der Zeit hört. „Wir verfolgen damit die Idee des Förderns“, sagt Hitschler. Den Auftakt der „Young Faces“ bestreitet das Krefelder „Horst Hansen Trio“.

Der Publikumsgeschmack ist wohlbekannt und wird selbstverständlich bedient: Vocal Jazz kommt wie auch melodischer Modern Jazz gut an – Free Jazz eher nicht. In diesem Jahr singt Mara Minjoli vom Trio Indigo begleitet (1. März), zudem gastiert Trompeter Itamar Borochov samt Quartett am 23. März. Den Höhepunkt und Abschluss bildet der Piano-Virtuose Omer Klein mit seinem Trio am 12. April.

Kultur kostet – da tut Zuschuss Not. Der kommt von der Hasler Kinold Rechtsanwälte GbR. „Wir verdienen in der Region Geld und wollen auf diesem Weg etwas zurückgeben“, sagt Rechtsanwalt und Kultursponsor Bernhard Kinold. Der Ex-Werberingchef Willich pflegt engen Kontakt zur Stadt und ist „mit fester Überzeugung gegen Kultur für die Elite“. Damit das Konzertticket bezahlbar bleibt, sponsern er und sein Kompagnon Peter Hasler seit 2011 Willichs Jazz- und Klassikreihe. Beide sind Fans vom Jazz-Frühling und fiebern dessen Auftakt am 22. Februar entgegen.