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Schiefbahn: Konfirmanden reinigen Stolpersteine gegen das Vergessen

Aktion in Willich-Schiefbahn : Konfirmanden reinigen Stolpersteine gegen das Vergessen

Bisher übernahmen meist Schüler des St.-Bernhard-Gymnasiums diese Aufgabe. Erstmals wurde jetzt die Aktion in einer Konfirmationsgruppe angestoßen.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Mit diesen Worten im Gedächtnis engagierten sich die Konfirmanden der evangelischen Emmaus-Kirchengemeinde am Dienstag im Schiefbahner Ortskern. Gemeinsam mit Pfarrer Joachim Schuler, Jugendreferent Björn Kalmus und Bernd-Dieter Röhrscheid von den Heimat- und Geschichtsfreunden Willich besuchten sie vier Stellen, um dort Stolpersteine zu reinigen.

Das Projekt rund um die Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig 1992 ins Leben gerufen. Er fing an, mit Namen und Daten versehene Messingtafeln auf Betonblöcken im Pflaster einzulassen, meist vor dem letzten frei gewählten Wohnort des jeweils Betroffenen. Diese dienen als Gedenktafeln, um an die Schicksale der Menschen zu erinnern, die während der NS-Zeit verfolgt, deportiert, misshandelt und ermordet wurden.

Mit ihren 33 insgesamt Stolpersteinen demonstriert die Stadt Willich ihr außerordentlichen Engagement für das Gedenken. Diese Steine bedürfen natürlich auch der Pflege. Bisher übernahmen in unregelmäßigen Abständen meist Schüler des St.-Bernhard-Gymnasiums diese Aufgabe. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr die Idee einer solchen Aktion im Rahmen der Konfirmationsgruppe angesprochen.

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So machten sich die Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren trotz Frühsommer-Hitze daran, einige dieser Gedenktafeln wieder zum Glänzen zu bringen. Währenddessen verlasen sie die Biografien der Betroffenen aus dem Willicher Stadtarchiv und hinterließen zum Schluss Blumen an den Steinen.

„Wir reinigen die Stolpersteine gegen das Vergessen“, erklärte Röhrscheid. Pfarrer Schuler verglich das Engagement mit Grabpflege. Man wolle die Menschen und ihre Schicksale in Erinnerung behalten, statt sie einfach der Zeit zu überlassen. Er befürwortet die regelmäßige Fortführung einer solchen Reinigungsaktion, um den Jugendlichen eben jene Schicksale näherzubringen und sie für das Thema zu sensibilisieren.

Die Jugendlichen selbst zeigten sich dem Thema gegenüber sehr offen. „Es ist großartig, etwas bewirken zu können. Und es ist so einfach“, sagten die 14-Jährigen Charlotte und Caroline. Auf die Frage, ob für sie das Thema heutzutage überhaupt noch Relevanz hat, antwortete die Gruppe mit Kopfnicken. Es gebe ja selbst heute noch Diskriminierung aufgrund von Glaubensrichtungen. Darum sei Aufarbeitung wichtig.

Durch Aktionen wie diese will die Willicher Kirche auch in Zukunft das Gedenken dieser außergewöhnlichen Menschen aufrecht erhalten, damit sie auch weiterhin in Erinnerung bleiben.