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Sängerin Mara Minjoli und Trio Indigo im zweiten Konzert des Willicher Jazzfrühlings

Willicher Jazzfrühling : Neue Interpretation überzeugt nicht sehr

Das zweite Konzert beim Willicher Jazzfrühling bestritten die Bochumer Sängerin Mara Minjoli und das Trio Indigo mit einem Programm, das dem großartigen schwarzen und blinden Musiker Ray Charles gewidmet war.

Zum zweiten Konzert des Willicher Jazzfrühlings kamen mit rund 140 verkauften Tickets sogar noch mehr Besucher in die Motte des Schlosses Neersen als zum Start mit dem Krefelder Horst Hansen Trio, aber anders als die Woche zuvor sprang bei diesem Konzert der Funke nicht über.

Das verwundert und lässt einen etwas ratlos zurück. Denn Sängerin Mara Minjoli und die Musiker von Trio Indigo sind allesamt hervorragende Musiker. Und ihr Programm „Remember Ray Charles“ erinnert an einen der ganz großen Musiker des Rhythm ’n’ Blues, an den „Godfather of Blues“. Mara Minjoli kennt sich aus. Die heute 32-Jährige, in Bochum geboren, hat an der Folkwangschule und in Amsterdam bei Lydia van Dam studiert und ihre internationale Formation „Metromarta“ gegründet. Etwas vollmundig heißt es über ihre Band: „Oldschool und Moderne lassen Amsterdam, Luxemburg und das Ruhrgebiet wie New York, Montreux oder Detroit klingen. Oder eher andersrum?!“ Der Ray Charles-Abend mit ihr und dem Trio Indigo klingt jedenfalls nicht nach dem schwarzen Süden der Staaten, aber auch nicht nach dem Malocher-Ruhrgebiet. Vielleicht ist das gewollt und sogar nur folgerichtig, in der Ray-Nachfolge nicht in die Klischeefalle zu tappen, sondern seine eigene Note einzubringen. Das ist eine schwierige Gratwanderung, beim Neersener Abend blieb das Programm akademisch trocken. Man darf auch nicht vergessen, dass Ray Charles ein blendender Entertainer war. Da bleibt Mara Minjoli sehr zurückhaltend, kündigt gerade noch die Titel an, aber erzählt nicht und tritt auch brav zur Seite, wenn die Bandkollegen ihre Soli spielen. Für einen Abend mit der Musik von Ray Charles ist das dann doch arg bescheiden. Mit ihrer sehr angenehmen Stimme hätte sich Mara Minjoli durchaus etwas mehr aus dem Fenster lehnen können. Ihr gekonnter Scat-Gesang kam viel zu spärlich zum Einsatz. Hier hätte sie ihre neue Interpretation der Ray-Klassiker viel stärker herauskehren können – wobei man zugeben muss, dass es bei einem Song wie „Georgia“ nicht funktioniert hätte.

Willicher Jazzfrühling - Mara Minjoli und das Trio Indigo
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Das Murren soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man dieses Konzert genießen konnte. Besonders der Klavierpart bot dem Essener Pianisten Martin Scholz die Möglichkeit, dem Ray-Charles-Kosmos ein neues jazzigen Gewand zu schneidern. Scholz ist deutschlandweit in verschiedenen Formationen unterwegs, von „Das Böse Ding“ bis zu „The Rhythm’N’Blues Train“. Sehr schön passend zum Piano tritt der lyrisch spielende Kontrabassist Michael Kehraus dazu. Ganz bemerkenswert ist der Schlagzeuger André Spajic. Auf seiner Homepage bezeichnet sich der Mönchengladbacher als einen „Jazzdrummer mit Leib und Seele“. Dazu kommt sicherlich noch eine Portion Schalk im Nacken. Sein Spiel ist gleichzeitig vital und einfühlsam. Das Trio ist viel weiter aufgestellt, als der Name Indigo (blau/blue) vermuten lässt.