Stadt Willich: Runder Tisch im Schloss zur Regio-Bahn

Stadt Willich: Runder Tisch im Schloss zur Regio-Bahn

Mit einer Stimme sprechen wollen künftig Vertreter aus Bundestag und Landtag, dem Kreis Viersen und der Städte Mönchengladbach und Willich, wenn es darum geht, die Regio-Bahn über Willich nach Viersen zu verlängern.

Die Verlängerung der Regio-Bahn von Kaarst über Willich und Mönchengladbach nach Viersen wird nur eine Chance haben, wenn sich alle beteiligten bemühen, mit einer Stimme zu sprechen und gegenüber Entscheidungsträgern und Geldgebern bei Bund und Land entsprechend auftreten. Das ist das Ergebnis eines Runden Tisches zur Regio-Bahn, zu der Willichs Bürgermeister Josef Heyes ins Schloss Neersen eingeladen hatte.

Neben dem Geschäftsführer der Regio-Bahn, Joachim Korn, und dem Landrat des Kreises Viersen, Peter Ottmann, waren auch die Technischen Beigeordneten der Städte Willich und Viersen, Martina Stall und Gerd Zenses, die CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Berger und Dr. Marcus Optendrenk und die Bundestagsabgeordneten Udo Schiefner (SPD) und Uwe Schummer (CDU) sowie die Vertreter von Mönchengladbach und des Kreises Viersen in der Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), Friedhelm Stevens und Guido Görtz, gekommen.

Heyes sagte nach dem Gespräch, es sei deutlich geworden, dass die Verlängerung der Schienenverbindung der S 28 auf der bereits bestehenden und als Bahntrasse gewidmeten Strecke zwischen Kaarst und Viersen nur eine Chance habe, wenn das Land sich an den Kosten beteilige. Wenn die Regio-Bahn in östliche Richtung vom Kreis Mettmann Richtung Wuppertal verlängert werde, wolle man im Sinne der Gleichbehandlung nun auch eine Verlängerung der Bahn nach Viersen anstreben.

Joachim Korn, Geschäftsführer der Regio-Bahn, sagte, die Voraussetzungen, dass eine Verlängerung der Bahn erfolgreich und von den Kunden gut angenommen werde, seien gut. Eine Machbarkeitsstudie und eine Kosten-Nutzen-Analyse seien "hervorragend ausgefallen", so dass die geschätzten rund 70 Millionen Euro für die Kosten von Schienenbau, Haltepunkten, Bahnübergängen gut angelegtes Geld seien. Wichtig sei auch, an den Haltepunkten genügend große Flächen für Parkplätze zur Verfügung zu stellen, denn alle Erfahrung zeige, dass der öffentliche Personennahverkehr nur dort gut angenommen werde, wo der individualverkehr gut angebunden sei.

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Auch der Busverkehr müsse auf die Regio-Bahn abgestimmt werden, so dass die Wartezeiten kurz seien. Die Regio-Bahn sei ein Erfolgsmodell, so Korn. Das zeigten die Zahlen. 1999 habe sie mit 500 Fahrgästen begonnen, mittlerweile nutzten sie 23 500 Fahrgäste am Tag. "Die Züge sind voll", so Korn. Auch die Stadt Mönchengladbach, auf deren Gebiet etwa ein Kilometer der insgesamt 15 Kilometer langen Bahnstrecke verlaufen würde, hätte einen Vorteil. Es gebe eine Entlastung vom Individualverkehr, weil derjenige, der aus dem Osten der Stadt mit der Bahn nach Düsseldorf fahren wolle, künftig nicht mehr mit dem Auto zum Hauptbahnhof fahren werde, sondern zum Haltepunkt der S 28.

Freidhelm Stevens, Ratsmitglied der CDU in Mönchengladbach und Vertreter der Stadt Mönchengladbach in der Verbandsversammlung des VRR, sagte, die Mehrheitsmeinung in der Stadt sehe die Regio-Bahn nach wie vor kritisch. Für ihn persönlich stehe die Sinnhaftigkeit des Projektes außer Frage. Es würde eine Entlastung von Bus- und Individualverkehr innerhalb der Stadt bringen, sagte er und unterstützte das, was Korn gesagt hatte. Die östlichen Stadtteile Mönchengladbachs würden aufgewertet, weil sie eine eigene Bahnverbindung nach Düsseldorf bekämen. Was die Finanzierung der Bahnstrecke angehe, sei er sich mit Guido Görtz einig, dass diese Frage in den Gremien noch einmal offensiv angegangen werden müsse. Wenn eine Verlängerung der Regio-Bahn zur Folge habe, dass die Umlage für den VRR angepasst werden müsse, müsse klar sein, dass dafür auch die Zustimmung der Vertreter aus dem Ruhrgebiet erforderlich sei. Mit den Menschen, die auf Gladbacher Stadtgebiet in der Nähe der ehemaligen Bahntrasse wohnen, müsse gesprochen werden. Ihre Sorgen vor Lärm müssten ernst genommen werden, sagte Stevens weiter.

Korn sagte, die Regio-Bahn sei bereit, für Lärmschutz alles notwendige zu tun. Dazu könnte auch beitragen, dass die Bahngesellschaft nicht nur die Verlängerung nach Viersen, sondern auch das bereits bestehende Schienennetz elektrifizieren wolle. Elektrotriebwagen seien wesentlich leiser als dieselbetriebene Fahrzeuge. Um eine Vorstellung dafür zu bekommen, in welchem Zeitraum eine Verlängerung der Regio-Bahn nach Viersen umgesetzt werden könnte, rechnete Korn vor: Wenn alle erforderlichen Beschlüsse gefasst seien, gehe er - sehr optimistisch gerechnet - von einem Zeitraum von sechseinhalb Jahren aus, bis der erste Zug von Kaarst nach Viersen rollen könnte.

Bürgermeister Heyes sagte, der neue Rat werde zu entscheiden haben, ob die Stadt Willich der Regio-Bahn Gesellschaft beitreten solle, um das Mitspracherecht der Stadt zu verstärken. Als positiv wertete Heyes, dass Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude ihm gegenüber Gesprächsbereitschaft zur Regio-Bahn-Verlängerung signalisiert habe.

(RP)