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Rosendrehen ist echte Handwerkskunst

Am Freitagabend startet das ASV-Schützenfest : Rosendrehen ist echte Handwerkskunst

Beim Schützenfest schmücken unzählige Papierblumen Königsburg und Wachlokale. Aber: Wie macht man die eigentlich?

Geschmückte Wachlokale, eine beeindruckende Königsburg und farbenfroh dekorierte Straßenzüge – das ASV-Schützenfest ist auch abseits der Paraden und Bälle immer eine besondere Augenfreude. Elementar wichtig sind dabei reichlich Tannengrün und eine ungezählte Menge an Papierrosen in blau/gelb/rot (ASV-Farben) oder in anderen Farben.

Es kann nicht einmal annähernd geschätzt werden, wieviele Papierblumen in den Willicher Straßen aufgehängt werden – aber interessant ist ein Blick auf die Herstellung dieses Straßenschmucks: Denn alles ist „made in Willich“, fast reine Handarbeit und in den Terminplänen so ziemlich jedes Schützenzuges steht mindestens einmal das Wort „Rosendrehen“. Die RP durfte Zaungast in einem Willicher Garten sein – um 19 Uhr an einem noch ziemlich frischen frühen Frühlingsabend irgendwo in Willich: Knapp 70 Junge und Ältere, Männlein und Weiblein versammeln sich in einem Garten und einer Garage eines ASV-Schützen und verteilen erst einmal die Aufgaben.

Das Material: ist eine nicht näher bekannte Zahl von 50 Zentimeter breiten und 2,5 Meter langen Rollen Floristen-Krepp (farbecht, sodass der spätere Rosenschmuck einen Regenguss abkann), Bindedraht, Scheren und – ja, liebe Männer, es gibt trotz Handarbeit eine Maschine und zwar eine Spezialmaschine, die sich wohl nur ein Schützenfest-Spezialist ausgedacht haben kann – dazu später mehr.

An Tisch 1 werden die Rollen Krepppapier in 10 cm breite Stücke geschnitten und dann abgewickelt. Jeder Streifen wandert zu Tisch 2 – an dem die Spezialmaschine zum Einsatz kommt: „Hier werden die Streifen mit einer Kante durchgezogen, damit sich der Rand des Papieres schön wellt. Das gibt der Rose später die nötige Fülle“, erklärt mir Hildegard Gaubitz, die das fröhliche Durcheinander organisiert.

Weil das Drehen der unzähligen Streifen per Kurbel ganz schön lange dauern würde, hat ein Experte das Ganze mit dem Antrieb einer Bohrmaschine versehen. Die brummt bis nach 21 Uhr im Garten – was keinen Nachbarn stört, denn alle sind ja in die Rosen-Produktion involviert.

Die gewellten Streifen werden von einigen Verantwortlichen wiederum in vier gleich lange Streifen geschnitten und an die Tische verteilt. Hier beginnt die echte Handarbeit: „Jeder Papierstreifen wird aufgedreht, dabei leicht zusammengerafft und dann mit Bindedraht umwickelt, damit das Ganze hält“, erklärt mir Hildegard Gaubitz – und ich darf es gleich am Tisch einiger jungen Damen versuchen: Meine Finger drehen, raffen, drehen… – und schon auf halber Strecke merke ich einen leichten Krampf in den Fingern, halte aber durch. Nach dem Aufdrehen wird der Bindedraht um das Papier gedreht, „schön stramm, damit das auch hält“, rät meine „Rosen-Chefin“. OK – geschafft, meine erste Rose hält – blöd bloß, dass Larissa neben mir und die anderen am Tisch in der gleichen Zeit zwei schaffen. Eine Zeitmessung ergibt: Pro Rose brauchen die Profis am Tisch 25 Sekunden, „die Männer brauchen fünf Minuten und ein Bier“, wird schnell mal ein Spruch losgelassen.

Nach dem Intermezzo am blauen Tisch wechsle ich zu einem anderen, an dem Farben rot und gelb dominieren. Jeder dreht fleißig – und schielt auch mal kurz auf die Hände des Nachbarn. Ich stelle fest: Der junge Mann mir gegenüber dreht sehr schmale Blüten, während meine sich gerade der Form eines umgedrehten Pilzes nähert – ich „mach‘ neu“… und es klappt besser. Ich lerne auch, dass es einen gravierenden optischen Unterschied macht, ob die Wellung der Oberkante nach innen oder außen steht und mit Fortschreiten des Abends werden – das sei zur Ehrenrettung gesagt - meine Rosen ansehnlicher und für gut befunden.

Das ist aber noch nicht alles – wir sind bislang eigentlich nur die Ameisen in einer Kette, die am Tisch der „wirklich Wichtigen“ um ASV-Schatzmeister Hermann Josef Bommes endet: Dort werden dann je eine rote, gelbe und blaue Rose zum Sträußchen zusammengedreht und vorsichtig und exakt abgezählt in große blaue Säcke gefüllt. Am Ende des Abends sind so 2700 Rosen entstanden – das reicht aber noch nicht und so ist klar: Am nächsten Feiertag wird wieder „gedreht“ – damit am Ende eine farbenprächtige Burg gebaut werden kann.