Gemeinde Grefrath: Quartett für einen west-östlichen Dialog

Gemeinde Grefrath: Quartett für einen west-östlichen Dialog

Das "Kioomars Musayyebi Quartett" gab in der Grefrather Buchhandlung ein außergewöhnliches Konzert. Die Besucher erlebten live Weltmusik von herausragender Qualität.

Die treue Fangemeinde von Karl Groß, die so gerne zu seinen Veranstaltungen in der Reihe "Kultur am Montag" pilgert, hatte das Santurspiel von Kioomars Musayyebi bereits vor Monaten in der Grefrather Buchhandlung kennen gelernt, als der in Teheran geborene Musiker als Ersatzmann in der mongolisch-iranischen Gruppe Sedaaa sein persisches Hackbrett vorstellte. Jetzt war er mit seinem eigenen, im Jahre 2015 gegründeten "Kioomars Musayyebi Quartett" zu Gast. Orientalisch-europäische Jazzimpressionen hört man so auch nicht alle Tage, Karl Groß mit seinem großen Herzen für die Weltmusik macht es möglich.

Exotische Klänge waren in diesem außergewöhnlichen Konzert zu hören: die Kompositionen von Kioomars Musayyebi wurden arrangiert vom deutschen Gitarristen Christian Hammer, der gemeinsam mit Nils Imhorst am Kontrabass und Erfan Pejhanfar (Tombak und Perkussion) das Quartett ergänzt. Die Tombak ist eine traditionelle persische Kelchtrommel, die bei uns nicht so bekannt ist. Pejhanvar aus Amsterdam spielt sie brillant: Er streichelt, klopft und trommelt meisterhaft und begleitet äußerst feinfühlig. Das Quartett bestach insgesamt mit einem ganz und gar außergewöhnlichen Sound im Zusammenspiel der Kulturen, die sich hier in besonderer Weise zusammenfügen. Es ist eine gefühlvolle eingängige Weltmusik, die da erklingt und der sich der Zuhörer gerne überlässt.

Kioomars Musayyebi erlernte seine Kunst des Hackbrett-Spiel bei dem iranischen Santurmeister Faramarz Payevar, spielte in diversen iranischen Musikgruppen und trat unter anderem einige Jahre lang auf dem traditionellen Fadjr Festival in Teheran auf. Auch international hatte er diverse Konzertauftritte. Er komponierte Filmmusik und hatte seine eigene Musikschule, ehe er seit 2011 in Deutschland, auftritt, gemeinsam mit Musikern aus verschiedensten Erdteilen. Seit fünf Jahren spielt er auch in der Weltmusik-Big Band, dem "Transorient Orchestra" aus dem Ruhrgebiet.

Kiomaars Musayyebi spielt auf der Spezialanfertigung einer Santur. Diese hat eine Trapezform, der Resonanzkasten ist mit 72 Metallsaiten bespannt, die Santur umfasst drei Oktaven, Einzeltöne können für den jeweiligen Modus umgestimmt werden. Das Santurspiel wird in der iranischen klassischen Musik eingesetzt, wird mit dünnen Holzschlägeln interpretiert und hat eine lange Tradition. Begleitet wurde im Grefrather Konzert der iranische Musiker Kioomars Musayyebi von Christian Hammer, dem Könner aus Gelsenkirchen an der Gitarre, der unter anderem mit Matthias Bergmann und Matthias Nadolny zusammen spielte und seine Ausbildung mit der Jazzgitarre in Amsterdam an der renommierten Hochschule der Künste absolvierte. Auch die Komposition "Fragment" aus seiner Feder wurde an diesem Abend interpretiert. Nils Imhorst studierte Kontrabass an der Folkwang Hochschule in Essen und tourte unter vielen anderen Projekten mit einem Tango- und Klezmer-Programm durch Europa und ist auch als Dozent tätig. Der in Teheran geborene Erfan Pejhanvar holte bereits in jungen Jahren Preise mit seinem gekonnten Spiel auf der Tombak.

Kioomars versteht es, sehr prägnant und akzentuiert die Santur ins Spiel zu bringen. Seine Kompositionen wie "Sehnsucht", "Nachtfalter" oder die Zugabe "Emotion" sind auch für europäische Ohren bestens zu genießen und verbinden mit ihrer Rhythmik und dem feinen Gefühl für Zwischentöne auf gekonnte Art europäischen und orientalischen Musikgenuss.

Das Publikum inmitten der Bücher überließ sich ganz den fremdartigen Klängen, die so ins Ohr gehen und genoss die Qualität von Musikern aus unterschiedlichen Kulturen, die in diesem Quartett auf so berührende Weise zusammen finden, ein musikalischer Hoch-Genuss.

(RP)