Kreis Viersen: Prozess gegen Autoschieber-Bande eröffnet

Kreis Viersen : Prozess gegen Autoschieber-Bande eröffnet

Luxuskarossen sind nicht nur für Autohersteller gewinnträchtig: Fast 800.000 Euro soll ein Lette eingestrichen haben, der im großen Stil gestohlene Pkw an andere Hehler weiterverkauft hat. Er steht seit gestern mit zwei Mittätern in Bielefeld vor Gericht. Es geht um 19 teure Autos: Einige davon wurden im Kreis Viersen gestohlen, darunter auch Tönisvorst.

Auf die 2. Strafkammer des Landgerichts Bielefeld kommt ein Mammutprozess zu. 21 weitere Verhandlungstage sind angesetzt, bis Ende Oktober rechnet das Gericht mit der Dauer der Beweisaufnahme. Schon die Verlesung der Anklage brauchte über eine Stunde. Kein Wunder, denn die drei Angeklagten sollen von Januar bis Dezember vergangenen Jahres vorwiegend im Ruhrgebiet und im Rhein-Main-Raum gestohlene Fahrzeuge "umfrisiert" und nach Osteuropa weiterverkauft haben - angeklagt sind insgesamt 19 Taten.

So verschwand im September in Schwalmtal ein 60.000 Euro teurer BMW, im November wurden in Nettetal ein Porsche Macan und in Tönisforst ein Range Rover, beide ebenfalls im Wert von 60.000 Euro, gestohlen. Sie wurden in einer Halle in Papenburg "bearbeitet", bekamen unter anderem mit neuen Daten versehene Steuergeräte.

Als Drahtzieher der Bande gilt ein 33-Jähriger Lette. Er hatte die Halle angemietet und ließ die von einer anderen Bande entwendeten Fahrzeuge dort anliefern. Dazu sollen ihm jeweils von den noch unbekannten Autodieben, die über einen Schlüssel zu der Halle verfügten, bestimmte Fahrzeuge zum Ankauf angeboten worden sein - diese wurden dann einfach in der Halle abgestellt.

Die beiden Mitangeklagten - ein ebenfalls 33-Jähriger aus Lettland und ein 39-jähriger Litauer - sorgten dafür, dass die Autos eine neue "Identität" bekamen. In dem hochprofessionell agierenden Trio kaufte und verkaufte der Hallen-Mieter die Autos, während der andere Lette Daten wie etwa Fahrgestellnummern identisch ausgestatteter Fahrzeuge - zum Teil sogar aus den USA - sowie russische oder schwedische Fahrzeugpapiere und -kennzeichen beschaffte und zum Beispiel die Plaketten mit den Fahrgestellnummern fälschte.

Der Litauer gilt als Elektroniker der Bande: Er soll die Steuergeräte mit den falschen Fahrgestellnummern und weiteren passenden Informationen manipuliert und Nachschlüssel angefertigt haben, so dass die Autos normaler Überprüfung standhalten konnten. Nach Abschluss der "Umarbeitungen" sollen die teuren Autos der Marken Range Rover, Porsche und BMW an weitere Hehler verkauft worden sein, die sie dann in Osteuropa weiterverschoben.

Ins Visier der Polizei war die Bande geraten, als mehrere Autos im März 2017 in Bielefeld auffielen. Der Hauptangeklagte hatte sie dort durch die deutsche TÜV-Abnahme bringen lassen. Drei der Fahrzeuge wurden sichergestellt. Im Dezember griffen die Ermittler zu: In Papenburg wurden zahlreiche Autos in unterschiedlichen "Frisier"-Stadien sichergestellt, darunter auch der Porsche aus Nettetal und der Range Rover aus Tönisvorst - der BMW aus Schwalmtal war bereits Ende November bei der "Überführung" nach Berlin im Besitz eines anderen Hehlers aufgegriffen worden.

Die drei jetzt Angeklagten wurden in Berlin und auf der Autobahn bei Hamburg verhaftet. Von mehreren der gestohlenen Pkw fehlt jede Spur. Insgesamt beläuft sich der Wert der Autos auf etwa 1,7 Millionen Euro, der von dem Letten erzielte Verkaufserlös wird auf knapp 800.000 Euro beziffert. Der Prozess wird fortgesetzt.

(upf)