Willich: Politikum Mähboot

Willich: Politikum Mähboot

Alle drei Wochen schneidet ein Mähboot im Sommer am Grenzweg tonnenweise Igelkolben in der Niers. Rhythmus und Art der Mäharbeiten sind seit Jahren Anlass für Streit zwischen Anwohnern, Politik und Niersverband.

NEERSEN Es gibt nur wenige Leute, die unter Wasser „Rasenmähen“. Heinrich Houben gehört dazu. Er steuert ein grünweißes 45-PS-Dieselboot des Niersverbands, und reguliert per Hebel Tiefe und Winkel des daran angebrachten 1,50 Meter breiten Unterwasser-Mähbalkens. Zwei Reihen gegenläufiger Klingen rasieren etwa 70 Zentimeter unter dem Boot Grünkraut vom Grund der Niers, vor allem den so genannten Igelkolben. Wo das Boot im Einsatz ist, ist der Wasserlauf bald bedeckt von Tonnen der robusten Sumpf- und Wasserpflanze. Sie werden ein Stück weiter wieder herausgefischt und entsorgt. Im Sommer wird die komplette Niers alle drei Wochen gemäht.

Pegel und Grundwasserstand

Da sich das Wachstum der Pflanzen auf Fließgeschwindigkeit und Pegel und somit direkt auf den Grundwasserstand am Grenzweg auswirkt, ist der Einsatz der Boote ein Dauer-Streitthema zwischen Anwohnern, Politikern und Niersverband. Lokalpolitiker wie die Vorsitzende des Willicher Umweltausschusses, Hubertine Engels (CDU), werfen dem Verband angesichts des Nierspegels „Untätigkeit“ vor. Auch bei SPD und FDP ist regelmäßig der Ruf nach einer höheren Mäh-Frequenz zu hören.

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Der Niersverband kontert mit dem Hinweis, dass er „aus Rücksicht auf die Anwohner und die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Niersniederung in diesem Bereich“ im Sommer bereits alle drei Wochen mähen lasse. Der Wasserstand werde kontinuierlich gemessen und ausgewertet. Wenn eine außergewöhnlich starke „Verkrautung“ zu erkennen sei, werde auch häufiger gemäht. So fallen pro Jahr sieben oder mehr Mähdurchgänge an. „Normal“ wären nach Auskunft von Bert Lanphen, Leiter der Gewässerabteilung des Niersverbands, zwei Mähaktionen.

Der Einsatz des Unterwasser-Mähers sei ein starker Eingriff in die Ökologie, das Kraut am Grund der Niers schließlich auch Rückzugs- und Brutraum vieler Tiere. „Aus Rücksicht auf die Anwohner stellt der Niersverband den ökologischen Aspekt jedoch zurück“, so Lanphen. Viele Bürger am Neersener Grenzweg sehen das angesichts feuchter Fundamente anders. Ein Versuch von Anwohnern, den Verband zu mehr Mäh-Einsätzen zu zwingen, führte bis vors Bundesverfassungsgericht und scheiterte.

Houben fährt seit 26 Jahren Mähboote. Fünf bis sechs Bahnen muss er ziehen, um die am Grenzweg schnurgerade Niers in ihrer ganzen Breite abzumähen. Immer wieder bleibt der Mähbalken unter Wasser hängen: Sandbänke und Äste behindern den Rückschnitt. Mehrfach muss er die Tiefe des Mähbalkens nachjustieren. Für den Vorarbeiter Routine. Glücklicherweise gebe es am Grenzweg kaum Probleme mit Hindernissen wie in die Niers geworfenen Fahrrädern und Einkaufswagen. Houben erinnert sich gut an die Zeit zur Jahrtausendwende, als der Igelkolben sich noch stärker in der Niers ausbreitete als heute, was zu einer noch höheren Mäh-Frequenz führte (zwölf Mal im Jahr). Diese Häufigkeit würden sich viele Anwohner auch heute noch wünschen. Frage des Tages

(RP)
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