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Stadt Willich: Picknick für die Orangerie

Stadt Willich : Picknick für die Orangerie

Rund 350 Menschen hatten sich am Donnerstagabend zum Solidaritätspicknick für die Orangerie "Da Chiara" im Schlosspark Neersen eingefunden. Sie hoffen, dass es ein Einlenken der Anwohner gibt, die sich gestört fühlen.

Salvatore Berini, der Pächter der Orangerie, hatte Tränen in den Augen. "Ich bin gerührt", sagte der 34-jährige Gastronom und Chef des Lokals "Da Chiara". Hunderte waren mit Decken und Proviantkörben zu einem "Solidaritätspicknick" gekommen, erklärten damit ihre Verbundenheit zu diesem beliebten Ausflugslokal.

Aufruf über Facebook

In den vergangenen Wochen ist es durch einige Anwohner, die sich durch das Lokal belästigt fühlen, nach Angaben des Pächters erheblich in der Bewirtschaftung beeinträchtigt worden. "Ich bin stinksauer über die immer neuen Beeinträchtigungen", meinte Koustula Piernicki sichtlich verärgert. Sie war mit ihrem etwa zehnköpfigen Freundeskreis eine der ersten Wiesengäste. Die 34-Jährige, die in Neersen aufwuchs und jetzt in Viersen wohnt, hatte per Facebook zu diesem Picknick aufgerufen.

Eben war sie angekommen, als sie von Massimo Buono (41), dem Schwager des Pächters, die neueste Einschränkung erfuhr und sich erneut aufregte: Etwa zweieinhalb Stunden vor der friedlichen Zusammenkunft hatte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung das neueste Regelwerk vorbeigebracht. Strikt untersagt wurde an dem Abend die Bewirtung des Picknickplatzes, alkoholische Getränke dürften nur in geschlossenen Flaschen ausgegeben werden, die alkoholfreien in Bechern, die Speisen auf Papptellern. Für die Entsorgung seien die Gäste draußen auf dem Rasen selbst verantwortlich.

Seit Monaten sind die Fronten verhärtet. Auch die Kreisverwaltung ist eingeschaltet worden. Es geht um offenbare Geruchs- und Lärmbelästigungen, die unter anderem dazu führten, dass zuletzt die Zahl der Außenplätze von hundert auf 40 reduziert werden mussten. Das italienische Restaurant darf nicht mehr um 9, sondern erst um 11 Uhr öffnen. Auch gab es Beschwerden über einen Küchen-Anbau. Als neuestes Handicap für den Betreiber wurde gerade erst die Versetzung einiger Außen-Tische und Bänke verlangt, da einigenBewohnern offenbar die freie Sicht in den Schlosspark genommen wurde.

Fast täglich scheint die Verbundenheit mit "Da Chiara" anzuwachsen. Zuletzt hatte sich sogar die benachbarte Straßengemeinschaft "Schollpättsche" für die Aufhebung der Beschränkungen ausgesprochen. Ebenso die Neersener CDU. Ihr Sprecher Heinz Amfaldern sagte: "Wir hoffen auf ein Entgegenkommen der Nachbarn, vielleicht kann man sich auf 60 bis 70 Außenplätze einigen." Auch Koustula Pernicki gibt nicht auf: "Wir kämpfen weiter, vielleicht machen wir ein Bürgerbegehren."

Einige Klagen und Widersprüche gegen erteilte Baugenehmigungen sind anhängig. Auch der Pächter von "Da Chiara", Salvatore Berini, hat eine Schadenersatzklage gegen die Stadt eingereicht. Die hatte nämlich als Eigentümer noch am 23. September 2011 durch die Technische Beigeordnete Martina Stall die Verlängerung des Pachtvertrages bis zum 30. September 2020 unterzeichnet und darin die ursprünglichen Öffnungszeiten von 9 bis 22 Uhr festgesetzt.

Wie aus gut unterrichteter Quelle zu erfahren waren, hat offenbar ein protestierender Nachbar von der Stadt neben seinem Haus zum Ausbau seines Gartens eine Fläche direkt hinter der Orangerie gepachtet. Und im Bebauungsplan gehört diese Fläche mit zur Ausweisung eines Kinderspielplatzes, der dort einmal entstehen könnte.

(wsc)