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Willich: Pflege zu Hause - nur im Minutentakt

Willich : Pflege zu Hause - nur im Minutentakt

Mehr Geld für die ambulante Pflege, das fordern Sozialverbände. Um sich ein Bild von der Arbeit zu machen, begleitete Bundestagsabgeordneter Uwe Schummer eine Krankenschwester der Caritas-Pflegestation Tönisvorst bei ihrer Tour.

Kaum hat Jutta Hemmerich die Caritas-Pflegestation am Nordring 3 in St. Tönis verlassen, läuft die Uhr. "Wollten wir kostendeckend arbeiten, müssten wir sechs Behandlungspflegen in einer Stunde schaffen", erzählt die Krankenschwester und stellvertretende Einrichtungsleiterin der Pflegestation Uwe Schummer auf dem Weg zum Einsatzwagen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist an diesem Morgen ihre Begleitung, denn Schummer möchte sich vor Ort ein Bild darüber machen, wie die Situation in der ambulanten Pflege aussieht. Hintergrund sind die Forderungen der Verbände an die Krankenkassen, mehr Zeit und Geld für die Pflege zu bekommen.

Der zuckerkranke Jakob Peltzer ist der erste Patient an diesem Morgen. Ehefrau Helga Peltzer öffnet die Tür, während ihr Mann im Wohnzimmer neben dem Sauerstoffgerät sitzt. Die erste Frage von Hemmerich nach der herzlichen Begrüßung lautet daher auch, was die Luft mache. Während des Wortwechsels bleibt die Krankenschwester nicht untätig. Sie zieht Einmalhandschuhe an, hantiert mit dem Blutzuckermessgerät, trägt die Werte in die Dokumentationsmappe ein und spritzt die benötigten Einheiten. Jeder Handgriff sitzt.

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Danach steht der Verbandswechsel an. Hemmerich ist entsetzt über die nicht heilende Wunde in der Leiste. "Da muss unbedingt noch einmal ein Arzt drauf schauen", empfiehlt sie dem Ehepaar, indes sie präzise mit Desinfektionslösung und steriler Pinzette arbeitet. "Und daran denken, wir brauchen neue Desinfektionslösung", fügt sie mit einem Blick auf die Flasche an.

Für das Anziehen der Kompressionsstrümpfe wechselt Hemmerich die Einmalhandschuhe gegen genoppte Haushalthandschuhe. Damit könne man die Strümpfe einfacher anziehen, erklärt sie Schummer, der die konzentrierte Arbeit, kombiniert mit dem Gespräch zwischen Fachfrau und den Senioren verfolgt. "Multitasking. Fürs Hinsetzen und mal fünf Minuten erzählen bleibt keine Zeit", sagt Jutta Hemmerich.

Zum Schluss kommt nochmals die Dokumentationsmappe an die Reihe, ein letztes Winken, und Hemmerich sitzt schon wieder im Auto. 25 Minuten hat die Pflege gedauert, dafür gibt es 12,26 Euro. Blutzuckermessen ist ein festes Modul, Verbandswechsel ebenfalls und Kompressionsstrümpfe anziehen auch. "Der Verbandswechsel an einem offenen Bein oder wie hier mit einer tiefen Wunde dauert länger, als wenn es zum Beispiel ein Wechsel an einem eingewachsenen Zehennagel ist. Das wird aber bei der Bezahlung nicht berücksichtigt", erklärt Hemmerich dem Bundestagsabgeordneten während es zum nächsten Patienten geht.

Bei Karl-Heinz Bongartz ist es die Vorbereitung der Medikamentengabe für die ganze Woche sowie das Blutzuckermessen und Insulin spritzen. Beim Verlassen des zweiten Patienten nähert sich die erste Arbeitsstunde langsam aber sicher dem Ende zu. Soll kostendeckend gearbeitet werden müssten in den verbleibenden 20 Minuten noch vier Patienten versorgt werden.

Ein Ding der Unmöglichkeit, wie Schummer bei der weiteren Fahrt feststellen kann. "Die Kritik der Verbände bestätigt sich. Neben einer bessere Bezahlung muss an den Modulen für die Zeiteneinteilung gearbeitet werden", stellt Schummer fest. Aufgaben, die mit nach Berlin nimmt. FRAGE DES TAGES

(tref)