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Tönisvorst: Pfirsiche wachsen auch am Niederrhein

Tönisvorst : Pfirsiche wachsen auch am Niederrhein

Seit knapp zehn Jahren baut das Apfelparadies auf dem Obstgut Tackheide auch Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen an,

Pfirsiche vom Niederrhein? Und dann noch in der Apfelstadt Tönisvorst? Seit 2004 werden auf dem Obstgut Tackheide II Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen angebaut. Auf der Meisterschule in Mainz war Bernd Schumacher mit einem Obstbauern befreundet, der Aprikosen anbaut. Der Freund bat ihn bei einer besonders reichen Ernte, seine Aprikosen mal in den Apfelparadiesen zu verkaufen. Es kamen zwei Paletten an — die am Abend bereits verkauft waren.

Dieser Run auf regional geerntete Aprikosen war das Schlüsselerlebnis. Und die Arbeit begann. Welche Sorten passen an den Niederrhein? Schumacher nahm nicht die Sorten aus Südfrankreich, sondern solche, die auch in Österreich und Ungarn gedeihen und besser an das hiesige Klima angepasst sind. Auf dem Obstgut Tackheide zwischen St. Tönis und Vorst haben Bernd Schumacher und sein Vater Rudolf Schumacher dann 1200 Aprikosenbäume, 600 Pfirsichbäume und 400 Nektarinenbäume angepflanzt. In ganz NRW gibt es vielleicht vier Höfe, diese dieses Kernobst anbauen. Zwei Obstbauer davon sind Ex-Azubis aus Tönisvorst, die das Gelernte für ihren elterlichen Hof übernommen haben.

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In Tönisvorst gibt es noch Rudolf Steves, der ebenfalls dieses Steinobst anbaut und im St. Töniser Obsthof verkauft. Schumachers Ernte geht auch in die eigenen Hofländen, die allerdings nicht vor Ort liegen, sondern benachbart in Meerbusch-Strümp, Moers-Kapellen und Düsseldorf-Wittlaer. In guten Jahren werden mehrere Tausend Kilo geerntet, die allein über diese Hofläden vertrieben werden.

Auf den Feldern der Tackheide sind bei den Aprikosen acht verschiedene Sorten angebaut, bei den Pfirsichen sechs und bei den Nektarinen zwei. Und jedes Jahr fällt die Ernte unterschiedlich aus. Den kalten März mit starken Frostnächten steckt nicht jede Sorte gleichgut weg. Zwei Sorten haben sich als frosthart herauskristallisiert, andere haben dieses Jahr "die Segel gestrichen".

Aprikosen werden im Juli geerntet, die Ernte ist bereits ganz gelaufen. Zurzeit werden die Bäumchen zurückgeschnitten. Pfirsiche und Nektarinen sind noch am Baum. Die Hauptsorten beim Pfirsich, Red Haven und Augustsonne, werden im August/September geerntet. In diesem Jahr haben die Früchte gegenüber 2012 einen Rückstand von 14 Tagen. Trotz des schönen Sommers im Juli haben die Pfirsiche den Rückstand vom Frühjahr nicht aufgeholt. Die Nektarine Fantasia muss noch zehn Tage am Baum bleiben. Hobbygärtner rät Bernd Schumacher zum roten Weinbergpfirsich. Der passe gut in die Region und werde so gut wie nie von der Kräuselkrankheit befallen.

Auch wenn der Apfel im Vordergrund steht, gerät Bernd Schumacher bei der Aprikose ins Schwärmen: "Aprikosen frisch vom Baum gepflückt sind einfach ein Gedicht." Die beste Sorte sei Orangered mit einer roten Backe. Aprikosen- und Pfirsichbäume sind unproblematisch und können 50 Jahre Frucht tragen. Baumausfälle betragen jedes Jahr zwischen zwei und fünf Prozent.

Ganz neu auf dem Obstgut Tackheide ist eine eigene Backstube. Familie Schumacher hat einen Konditor und einen Bäckermeister eingestellt. Mit dem Obst vom Hof — im Moment sind es die Pflaumen — werden frisch am Morgen Kuchen gebacken, die es dann anschließend frisch in den Hofläden gibt. Doch bei aller Freude an diesen Innovationen bleibt das Steinobst ein Nischenprodukt. "Die Äpfel sind unser tägliches Brot", sagt Bernd Schumacher. Und die Apfelernte in diesem Jahr wird gut. Die ersten sechs Sorten der neuen Ernte sind bereits im Verkauf. Weitere Sorten werden bis Ende November folgen.

(RP)