Stadt Willich: Pfarrer K.: Anwalt will ein Jahr weniger Haft

Stadt Willich : Pfarrer K.: Anwalt will ein Jahr weniger Haft

Eine um ein Jahr geringere Haftstrafe, als sie das Krefelder Landgericht verhängt hat, hält Dr. Wilhelm Helms, der Verteidiger von Pfarrer Georg K., für angemessen. Deswegen hat er gegen das Urteil beim Bundesgerichtshof Revision eingelegt.

Das sagte er gestern im Gespräch mit der RP. Die Zweite Große Strafkammer des Krefelder Landgerichts hatte den aus Willich stammenden Geistlichen am 6. Februar wegen teilweise schweren sexuellen Missbrauchs von zwei Kindern in insgesamt 25 Fällen zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Helms meint, dass das Gericht bei der Strafzumessung die "Beeinträchtigungen" durch die Auslieferungshaft des Geistlichen in Südafrika und die Untersuchungshaft seines Mandanten nicht ausreichend berücksichtigt habe. Pfarrer K. lebte nach den Taten, die er zwischen 2001 und 2006 als Pfarrer in Lobberich begangen hatte, bis Juli 2014 in Südafrika. Auch dort wurden ihm Übergriffe auf Kinder vorgeworfen, die Anklage wurde jedoch fallen gelassen, da inzwischen ein internationaler Haftbefehl und ein Auslieferungsantrag wegen der Taten in Deutschland vorlagen.

Helms schätzt die Chancen, dass der Bundesgerichtshof die Strafzumessung des Landgerichts als zu hoch ansieht, jedoch als gering ein: "Strafmaßrevisionen sind zu 95 Prozent aussichtslos." Binnen einer Woche nach der Urteilsverkündung musste die Revision eingelegt werden, obwohl noch keine schriftliche Urteilsbegründung vorliege und ihm auch noch kein Sitzungsprotokoll vorliege. "Wenn ich beides schwarz auf weiß habe, werde ich mich mit meinem Mandanten beraten, ob wir bei der Revision bleiben", so Helms.

Unterdessen hat sich Johannes Heibel von der "Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen" mit einer Pressemitteilung zum Urteil gegen Pfarrer K. und die Revision zu Wort gemeldet: "Worunter seine Opfer gelitten haben, das scheint wohl noch immer kein Thema für Pfarrer K. zu sein." Dabei weist Heibel auch auf die "noch immer ungeklärten Fälle in Südafrika" hin. In Anbetracht der neuen Situation fordert Heibel die Staatsanwaltschaft Krefeld nochmals auf, "endlich umfangreicher zu ermitteln und die Fälle aus Südafrika zur Anklage zu bringen. Bis heute warten die betroffenen Familien auf eine Anerkennung ihres Leids." Heibel appelliert aber auch an die Deutsche Bischofskonferenz und das Bistum Aachen, sich zu kümmern und das Leid der betroffenen Familie aus Südafrika anzuerkennen. Kontakte und Zusagen habe es zwar schon gegeben, konkrete Antworten seien aber noch nicht erfolgt. "Wie lange will die Kirche sich noch zurückhalten?", fragt er.

(RP)