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Stadt Willich: Pfarrer Georg K. schweigt zu Vorwürfen

Stadt Willich : Pfarrer Georg K. schweigt zu Vorwürfen

Gestern hat der Prozess gegen den gebürtigen Willicher begonnen. Er soll sein Patenkind und dessen Bruder sexuell missbraucht haben, als sie elf und acht Jahre alt waren. Ein mutmaßliches Opfer sagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus.

Pfarrer Georg K. blättert scheinbar konzentriert in seinen Unterlagen, als die Anklage gegen ihn verlesen wird. Kurze Blicke in den gut gefüllten Zuschauerraum verraten jedoch seine Nervosität. Es wirkt fast so, als sei sich der 56-Jährige der Schwere der Anschuldigungen gegen ihn nicht recht bewusst. In 23 Fällen soll der gebürtige Willicher über Jahre hinweg sein eigenes Patenkind, in drei weiteren den Bruder des Jungen sexuell missbraucht haben. Fassungslos hören die Prozessbeobachter den Ausführungen der Staatsanwältin zu, als der Prozess vor der 2. Großen Strafkammer des Krefelder Landgerichts eröffnet wird.

Die beiden jungen Männer, die zum Zeitpunkt der Taten, derer der Geistliche beschuldigt wird, zu Beginn elf und acht Jahre alt waren, hören ebenfalls mit versteinerten Mienen zu, schauen oft betreten auf die Tischplatte vor ihnen. Sie sitzen als Nebenkläger gegenüber dem Angeklagten, haben den Saal als Letzte betreten, um nicht von Fotografen und Kameraleuten im Bild festgehalten zu werden.

In Krefeld, Nettetal und während eines Spanienurlaubes sollen sich die Taten zwischen 2001 und 2006 abgespielt haben, unter anderem im Schlafzimmer, in der Sauna und auf der Terrasse des Pfarrhauses in Nettetal, aber auch unter der Dusche und in der Sauna einer Sporthalle. In zwei Fällen soll der Angeklagte mit seinem Patenkind vor den Übergriffen zudem Marihuana geraucht haben, in einem Fall soll der Junge alkoholisiert gewesen sein. Die schockierenden Details sollen an dieser Stelle aus Rücksicht auf die Betroffenen unerwähnt bleiben.

Da die Schilderung der Taten intimste Bereiche betreffen, wurde gestern denn auch die Öffentlichkeit von der Befragung des Patensohnes des Pfarrers ausgeschlossen. Sie wurde gestern schneller als geplant beendet, es folgt am Dienstag die Befragung des damals achtjährigen Bruders, der in drei Fällen sexuell missbraucht worden sein soll. Auch dafür liege ein Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit vor, so der Vorsitzende Richter Herbert Luczak.

Der Angeklagte wollte zu Prozessbeginn selbst keine Angaben zu den Vorwürfen machen. Allerdings hatte er im Mai 2010 eine allgemein gehaltene Selbstanzeige gestellt. Darin teilte er mit, dass die Vorwürfe "in vielen Punkten richtig" seien und er sich "im Prinzip schuldig" bekenne. Er bat um Verzeihung dafür, dass er den Opfern Schaden zugefügt habe, und er wolle dies, "so gut es geht, wiedergutmachen". Mit der Selbstanzeige wolle er weiteren Schaden für die Betroffenen vermeiden. "Die Vorwürfe liegen mehr als zehn Jahre zurück, eine solche Vielzahl von Vorwürfen kriegt er einfach nicht mehr zusammen", sagte gestern der Anwalt des Pfarrers, Dr. Wilhelm Helms aus Hannover. "Mein Mandant will sich nicht auf einen Wettstreit der Glaubwürdigkeit einlassen. Das haben die Geschädigten nicht verdient", so Helms, der Georg K. in einem Nebensatz aber auch als Geschädigten bezeichnete. Schon zu Beginn seiner Ausführungen hatte der Anwalt bitteres Gelächter im Zuschauerraum ausgelöst, als er schilderte, wie er als Anwalt aus Hannover an seinen Mandanten gekommen war: Ein anderer Mandant habe ihn auf den Fall Georg K. aufmerksam gemacht. Die Medien seien über Georg K. hergefallen, das habe er nicht verdient, habe der Mandant gesagt. Georg K. gebe sich allerdings keiner Illusion hin, was das Strafmaß betreffe, sagte der Anwalt am Rande des Prozesses. Ziel werde es sein, eine Resozialisierung und ein geordnetes Leben zu ermöglichen.

Von der Möglichkeit, seinen Lebenslauf darzustellen, machte Pfarrer Georg K. Gebrauch. Vor allem schilderte er seine Zeit in Südafrika, wohin er sich im Jahr 2007 habe versetzen lassen. Auch dort machten schnell Gerüchte die Runde, dass er sich in einem Camp von Kommunionkindern an Teilnehmern vergangen haben soll, Ermittlungen wurden eingeleitet, mehrfach sei sein Pass eingezogen worden. "Dieser unsägliche Prozess dauerte über sechs Jahre", sagte der Geistliche gestern. Mehrfach sei er von Johannesburg ins rund 1500 Kilometer entfernte Kapstadt geflogen. Einmal habe der Richter freitags jedoch "keine Zeit mehr" gehabt, sodass er unverrichteter Dinge wieder abgereist sei. "Außer Spesen nichts gewesen", fasste der Angeklagte zusammen.

Im Juni 2014 sei der Prozess dann aber eingestellt worden. Zu diesem Zeitpunkt lagen jedoch schon der Haftbefehl aus Deutschland und das Auslieferungsersuchen vor, weil die deutschen Behörden inzwischen die Ermittlungen wegen der Fälle in Nettetal aufgenommen hatten. Im Gefängnis in Pretoria sei er mit 100 Häftlingen zusammen in einem Raum untergebracht gewesen und habe sich mit Hepatitis B angesteckt, bevor er nach Deutschland geflogen wurde, wo er zunächst im Gefängniskrankenhaus in Fröndenberg behandelt wurde. Seither sitzt er in Düsseldorf in Untersuchungshaft.

(RP)