Personalakten der Bundeswehr lagern an der Krefelder Straße in Willich. Entsteht dort nach 2024 ein Neubaugebiet?

Zukunftsvision : Neubaugebiet auf Kasernengelände?

Das 80.000 Quadratmeter große Areal an der Krefelder Straße in Willich nutzt die Bundeswehr für die Lagerung von Personalakten. Ende 2024 soll der Standort aufgelöst werden. Eine Nutzung als Wohngebiet wäre denkbar.

Zum letzten Mal in den Schlagzeilen war das alte Kasernengelände an der Krefelder Straße in Willich, nachdem dort Ende 2016 bei einem Einsatztraining der Polizei ein Trainer versehentlich einen Kollegen angeschossen und schwer verletzt hatte. Hauptsächlich wird es jedoch von der Bundeswehr als Lager genutzt – Millionen von Akten, unter anderem aus den ehemaligen 52 Kreiswehrersatzämtern, werden dort verwahrt. Ein Ende dieser Nutzung ist allerdings absehbar: Auf einem Bundeswehrgelände an der Wilhelm-Raabe-Straße in Düsseldorf soll im ersten Halbjahr 2022 mit dem Bau eines neuen Archivs begonnen werden. Mit einer Fertigstellung sei im zweiten Halbjahr 2024 zu rechnen, so ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, auf Nachfrage unserer Redaktion. Wird aus dem 80.000 Quadratmeter großen Gelände dann womöglich ein neues Wohngebiet?

Spruchreif ist das noch nicht, da Verzögerungen nicht auszuschließen sind. Denn Brigadegeneral Peter Gorgels hatte noch 2015 davon gesprochen, dass der Standort möglicherweise schon 2018 geschlossen würde (damals stand zur Debatte, auf dem Gelände Flüchtlinge unterzubringen, was sich dann jedoch zerschlug). Doch Christian Pakusch, Vorsitzender des Willicher Planungsausschusses, kann der Idee, das Gelände als Neubaugebiet zu nutzen, durchaus etwas abgewinnen. Immerhin wäre dort Platz für rund 100 Baugrundstücke. „Daher ist es wichtig, frühzeitig Gespräche aufzunehmen. Das Stahlwerk Becker ist schließlich auch nicht von heute auf morgen entstanden“, sagt Pakusch.

Im Gegensatz zu dieser Liegenschaft, die als Gewerbegebiet genutzt wird, kann sich der Planungsausschuss-Vorsitzende an der Krefelder allerdings nur Wohnbebauung vorstellen. Was beide Areale eint: die Problematik von im Boden schlummernden Altlasten. Auch die setzen noch ein großes Fragezeichen hinter das Projekt, das Willichs Bauplatz-Knappheit lösen könnte.

Eine weitere Herausforderung wird die Frage der Erschließung sein: „Die Krefelder Straße ist heute schon stark befahren. Ein Neubaugebiet könnte man eher über die Kempener Straße erschließen“, sagt Pakusch. Bis es so weit ist, dürfte auch die Anschlussstelle Münchheide der Autobahn 44 längst ausgebaut sein. Pakusch betont, dass das Kasernengelände im Zusammenhang mit dem gesamten Willicher Norden betrachtet werden sollte. „Dafür müssen wir ein Gesamtkonzept entwickeln.“

Es werden auf jeden Fall noch Jahre ins Land gehen, bis an dieser Stelle Menschen wohnen werden. Mit einem Auszug der Bundeswehr ist wie gesagt vor 2024 nicht zu rechnen, danach muss das Gelände untersucht werden, der Flächennutzungsplan muss geändert und Landesentwicklungs- sowie Regionalplan berücksichtigt werden. Und: In den 2000er-Jahren wurde schon einmal darüber nachgedacht, das Gelände anderweitig zu nutzen. Damals hätten dort möglicherweise Hotels entstehen sollen, da in Krefeld-Fischeln ein großer Freizeitpark entstehen sollte. Doch auch diese Pläne haben sich zerschlagen.

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