Operngala zum Abschluss der Schlossfestspiele Neersen

Neersen : Schwungvolle Operngala zum Abschluss der Schlossfestspiele

Jan Bodinus, Intendant der Neersener Schlossfestspiele, darf sich vergnügt die Hände reiben. In diesem Jahr waren im Schnitt zwischen 90 und 100 Prozent der Tribünenplätze besetzt. Und die beiden Abende der Opern- und Operettengala, so Bodinus, „waren schon wieder im Februar ausverkauft“.

Seit 15 Jahren enden die Festspiele mit einer Gala der Deutschen Oper am Rhein. Stefan Heidemann, Bariton am renommierten Düsseldorf-Duisburger Opernhaus, kam auch diesmal mit einem Kollegen-Team in den Ratssaal, das mit beachtlich guten Stimmen schnell die begeisterte Zustimmung der Zuhörer fand. Heidemann konzipierte auch das Programm und stellte es unter das Motto „Volare e Cantare“ (fliegen und singen“). Da, wie das Sprichwort weiß, der Gesang Flügel verleiht, stand dem versprochenen „musikalischen Höhenflug in die Welt des Belcanto“ auch nichts im Wege. Mit „Volare“ schuf das Ensemble sofort gute Laune im Publikum.

Der Oper war der erste Teil des Abends gewidmet. Heiter und locker erklangen Arien aus Rossinis „Barbier von Sevilla“, tiefer Ernst durchzog Tschaikowskis „Eugen Onegin“. Der Rosenkavalier von Richard Strauß ließ grüßen; Gounod („Faust“) und Massenet („Manon“) führten in die Welt der französischen Oper. Zum temperamentvollen Opern-Schlusspunkt fand das Ensemble mit Verdis La-Traviata-Trinklied.

Nach der Pause ging es in die Welt der Operette. So ganz eng wurde der Begriff nicht gefasst, es blieb auch noch Platz für Musical und Filmmusik. Eine witzige Moderation lieferten Elisabeth Kuhs und Geesche Bauer in den Rollen der guten Geister hinter den Kulissen. Dabei spielten sie sehr unterschiedliche Charaktere. Kuhs, die die Texte geschrieben hatte, konnte sich als permanent nörgelnde Frau Kuslowski gar nicht genug Frust und Neid von der Seele reden. Geesche Bauer, die als Sopranistin unter anderem mit Gounods Juwelenarie eine glanzvolle Partie lieferte, sah sich als Frau Bäuerle in perfektem Schwäbisch zu erheblich Höherem im Theater berufen. Da war für Heiterkeit gesorgt, kurzweilig war das abwechslungsreiche Programm ohnehin.

Nicht nur Geesche Bauer brachte mit den „Klängen der Heimat“ aus Johann Strauß’ Fledermaus ungarisches Operettenflair auf die Bühne. Lavinia Dames (Sopran) und Cornel Frey (Tenor) machten es mit Kálmáns „Csárdásfürstin“ den Schwalben nach. Laura Nykänen (Alt) und Sami Luttinen (Bass) entführten in die Welt des argentinischen Tangos, Stefan Heidemann (Bariton) mit „Anatevka“ ins ostjüdische Stetl. Mit perfektem italienischen Tenor-Schmelz begeisterte Andrés Sulbarán, auch wenn er nicht aus Italien, sondern aus Venezuela kommt.

Schwungvoll beendete das Ensemble den Abend mit Johann Strauß’ „im Feuerstrom der Reben“ – und selbstverständlich noch mit einer Zugabe („Volare“ Da capo).

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