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Stadt Willich: Notdienstpraxis ist ohne Alternative

Stadt Willich : Notdienstpraxis ist ohne Alternative

Die Entscheidung, für den gesamten Kreis Viersen ab 1. April eine einzige Notdienstpraxis vorzusehen, stößt bei Patienten im Ostkreis auf Unverständnis. Für die niedergelassenen Ärzte gab es keine Alternative.

"Das bisherige System hat gut funktioniert, der Arbeitsaufwand war okay, und ich konnte in meiner eigenen Praxis mit meinen Mitarbeitern arbeiten. Künftig sind wir während des Notdienstes Angestellte der Notdienstpraxis und bekommen 40 Euro pro Stunde. Das ist zwar mehr als bisher, ich habe aber trotzdem dagegen gestimmt. Denn künftig müssen die Patienten aus dem Ostkreis nach Dülken. Und Hausbesuche müssen wir Ärzte im Notdienst künftig im gesamten Kreisgebiet machen." So kommentiert Dr. Henning Huth, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin in Anrath, die neue Organisation des Notdienstes der niedergelassenen Ärzte im Kreis Viersen. Wie berichtet, müssen ab dem 1. April alle Patienten im Kreis Viersen im Notdienst außerhalb der Sprechzeiten die Hilfe der Notdienstpraxis in Viersen-Dülken in Anspruch nehmen. Im Regelfall müssen die Patienten dorthin fahren oder von Angehörigen dorthin gebracht werden.

Was für die Patienten im Viersener Westkreis bereits seit Jahren funktioniert, soll nun auf den gesamten Kreis ausgedehnt werden. Und das auf Druck der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo). Deren Vertreterversammlung hatte beschlossen, die Notdienstbezirke zu ändern Vorgabe: Für etwa 350 000 Einwohner soll's nur noch eine Notdiensteinrichtung geben. Auf Kreisebene mussten die niedergelassenen Ärzte handeln. "Bevor uns etwas übergestülpt worden wäre, haben wir versucht, eine sinnvolle Lösung zu finden, auch wenn die meisten Ärzte damit nicht wirklich glücklich sind", sagt Dr. Harald Hüsgen, Facharzt für Allgemeinmedizin in Willich und Obmann des bisherigen Notdienstbezirks Willich, Schiefbahn, Anrath, Neersen und Vorst.

Die Gesundheitsnetz Viersen (GNV) AG betreibt die Notdienstpraxis in Dülken seit mehr als zehn Jahren für die Stadt Viersen und den Westkreis. Eine zweite Anlaufstelle für Notfallpatienten betreibt die GNV noch im Krankenhaus Lobberich. Sie wird nun geschlossen, die Kräfte werden am Standort Dülken, der an das St.-Cornelius-Hospital des Allgemeinen Krankenhauses Viersen angedockt ist, gebündelt.

Auch für den Allgemeinmediziner Dr. Bruno Winkels aus Oedt ist klar: Für die Patienten bedeutet dies eine Verschlechterung: "Neben längeren Wegen müssen längere Wartezeiten in Kauf genommen werden", sagt er. Die Grefrather können bisher nach Lobberich oder Dülken fahren.

Auch die Kempener Patienten müssen sich umstellen und im Notfall Dülken ansteuern. Dass sie das tun werden, ist eher unwahrscheinlich. RP-Leser Harald Bittner trifft es auf den Punkt: Im Kempener und anderen Krankenhäusern gibt es Ambulanzen. Die sind zwar meistens ebenfalls voll, aber die werden künftig eben noch häufiger genutzt. Das Heilig-Geist-Hospital in Kempen strukturiert seine Notfallambulanz personell und organisatorisch gerade um. Da wird auch noch mehr Platz sein für zusätzliche Notfallpatienten. Für Krankenhäuser sind ambulante Notfallpatienten übrigens kein schlechtes Geschäft, ihre Behandlungen kann außerhalb der Budgets für stationäre Unterbringung und Behandlung mit den Krankenkassen abgerechnet werden.

Übrigens gab es vor mehr als zehn Jahren bereits Überlegungen, auch im Ostkreis eine Notdienstpraxis wie in Dülken - angedockt an ein Krankenhaus - einzurichten. Die niedergelassenen Ärzte waren damals vehement dagegen, die hiesigen Krankenhäuser zeigten wenig Interesse an einer solchen Lösung.

Vielleicht hat die neue Lösung mit nur einer Notdienstpraxis aber doch auch eine gute Seite: "Wir haben riesige Nachwuchsprobleme auf dem Land, weil sich hier kaum noch Ärzte niederlassen wollen. Denn in ländlichen Gebieten müssen sie mehr Notdienste machen. Durch die neue Regelung wurde jetzt eine einheitliche Regelung gefunden. Das ist ein Baustein, um dem Stadt-Land-Gefälle in der Hausarztversorgung entgegenzuwirken", findet der Willicher Arzt Dr. Harald Hüsgen.

(RP)