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Neue Ausstellung im Schloss Neersen

Schloss Neersen : Museum für die Tse-Tse-Fliege

Schloss Neersen als Bühne für skulpturale Theaterarchitektur: Der Künstler Wasa Marjanov beschließt mit seinen Arbeiten die diesjährige Ausstellungsreihe „Volumina“.

Es macht Spaß, sich Schritt für Schritt die vielfältigen Räume in der Ausstellung des Wasa Marjanovs zu erwandern. Der Künstler beschließt unter dem Titel „Skulpturale Theaterarchitektur“ die von Kuratorin Jutta Saum konzipierte Ausstellungsreihe „Volumina“. Marjanovs drei große Themen heißen Skulptur, Theater und Architektur. Für die Präsentation ist die Motte über schwarze Vorhänge in verschiedene Räume unterteilt, die zur Bühne für das Werk werden. Sie verhindern den unverstellten Überblick und verleihen dem Ganzen einen Hauch von Theater- und Opernatmosphäre, wie sie dem Festspielort durchaus zukommt.

Da schien es sich von selbst zu ergeben, dass Opernsängerin Radmila Boochs und Anna Seropian, ihre Begleitung am Flügel, mit Arien aus berühmten Opern das visuelle Ereignis eröffneten. In der Einführung betonte Heribert Brinkmann, dass Wasa Marjanovs Theaterhäuser keine Abbilder realer Häuser sind, sondern mit Versatzstücken der Wirklichkeit spielen, „um sie ins Surreale zu drehen oder eine verblüffende Pointe zu setzen“. Beispielhaft verwies der Kunsthistoriker auf Wasa Marjanovs „Theaterbühne zur Tanzaufführung der Eintagsfliegen“, ein Objekt, das mehr ist als eine witzige Verballhornung und auf den schnell vergessenen Effekt zielt. „Hier ist keine Arbeit ohne Titel. Die Titel sind Teil des Werks, um den Betrachter in eine Richtung zu lenken“, sagt der Bildhauer. Er betont, dass bei ihm alles auch mit Utopien zu tun hat.

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Der Künstler baut Figurinen, Bühnen und Architekturmodelle ohne Anspruch auf Verwirklichung und verarbeitet Fundstücke ohne jede Materialästhetik. Die handwerkliche Perfektion in fein geschichteten Farbflächen ist ihm ein Anliegen.

Im hinteren Teil der Motte ist der Besucher konfrontiert mit dem ungewöhnlichen Paar „Tischbeinige Jungfrau“ und „Schrank von einem Mann“.

Es ergeben sich Brücken zur Kunst von Max Ernst und Oskar Schlemmer. Aufbau und Kombination von Fundstücken assoziieren ein aufgeladenes Symbolspiel und laden ein in eine phantastische Zeit- und Ding­reise. „Bühne mit bewegter Vergangenheit“ ist ein Objekt betitelt mit der Anmutung einer Guckkastenbühne, die sich nach hinten auftut. Ein rotes Konstrukt wird zum feurig und dynamisch anmutenden Inventar und Aktionsraum für eine Figurine. Immer wieder umspielt der Künstler Kuben und Räume, führt Stufen ins Nichts und inszeniert in Verbund von Werk und Titel spöttisch kritische Untertöne.

Da gibt es das „Museum für die Tse-Tse-Fliege“, ein Konstrukt im morbiden Grau in Grau, dessen Titel auf die von der Fliege übertragene Schlafkrankheit anspielt. Beim Eingang stehen aufgereiht in der Siebenzahl „Porträts“, bei denen Marjanov Person und Werk künstlerischer Vorgänger symbolisch assoziativ in geometrische Formen überträgt. Etliche Besucher ließen sich ein auf dieses Ratespiel, bei dem der Vorname der gewürdigten Künstler hilfreiches Detail ist.

In der Idee verwandt ist die Reihe der sieben Statthalter von großen Theater- und Opernrollen. Auch hier charakterisiert Wasa Marjanov über Kuben, Geraden und dynamische Körper.