Neersen: Eröffnung der Schlossfestspiele mit Meerjungfrau Arielle

Schlossfestspiele : Arielle: Sehenswert trotz einiger Schwächen

Schlossfestspiele Neersen sind eröffnet: Die Zuschauer erlebten eine lustige, teilweise aber auch alberne Premiere von „Arielle, die kleine Meerjungfrau“.

Der Hummer ist der heimliche Star des Stücks. Hans-Jürgen Helsig spielt seine Rolle mit so viel Freude, dass ihn die großen und kleinen Besucher bei der Premiere von „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ sofort ins Herz schließen. Aber auch die anderen Schauspieler bekommen am Ende der 75-minütigen Vorstellung, mit der die Schlossfestspiele Neersen am Sonntag eröffneten, viel Beifall. Das Stück allerdings hat einige Schwächen und wandert auf einem schmalen Grat zwischen Humor und Slapstick, was nicht zur Geschichte passt. Auch der feste Vorsatz, ein Stück für Jungen und Mädchen zu inszenieren, schadet der Geschichte.

Aber zu den Darstellern: Amanda Whitford ist als Meerhexe Hydra eine Wucht. Schon ihre erste Szene ist ein starker Auftritt und nichts für schwache Nerven: Einige Kinder halten sich die Augen zu, andere klettern auf den Schoß ihrer Mutter, als Hydra die Bühne betritt. Amanda Whitford bringt eine unglaubliche Bühnenpräsenz mit, hat eine tiefe, raue Stimme und steckt in einem großartigen Kostüm. Noelle Fleckenstein als Arielle bleibt daneben fast ein bisschen blass. Auch Sven Post ist als Prinz Eric nicht in seiner Paraderolle zu sehen.

Anne Bedenbender hingegen macht ihre Sache als Oceana, Arielles Schwester, gut und brilliert als Mette, der Schwester von Prinz Eric. Die wilderen Rollen scheinen der Schauspielerin, die im Vorjahr den Mowgli im Dschungelbuch gespielt hat, zu liegen. Amani El Sadek hingegen ist als Delphin Flippi oft zu schrill. Ihre Stimme kippt leicht ins hysterische, weshalb sich viele Kinder die Ohren zuhalten, wenn Flippi spricht. Überhaupt sind einige Szenen in „Arielle“ zu laut für empfindliche Kinderohren, wie die Reaktionen im Publikum zeigen.

Kay Szachnys spielt beide Königsrollen - er ist sowohl Triton, der König der Ozeane, als auch König Carl Gustav - in seiner typischen lakonisch-witzigen Art, die gut zu den Rollen passt. Der Humor, der in vielen seiner Bemerkungen liegt, richtet sich allerdings an die erwachsenen Zuschauer, die Kinder verstehen den Witz und die Ironie oft nicht und können nicht mitlachen, was bei einem Kinderstück schade ist.

Ein guter Regieeinfall – Karrie Becker und Sven Post haben die Leitung gemeinsam übernommen – sind die Musik- und Tanzeinlagen, die häufig die Szenen auflockern und bei den Kindern sehr gut ankommen. Hier hat die Choreografin Kerstin Bruhn gute Arbeit geleistet. Den Kostümen hingegen, für die erstmals Nuschin Rabet verantwortlich ist, fehlt es teilweise an Glamour und Inspiration. Besonders Arielle haben sich viele Besucher farbenfroher und glitzernder vorgestellt. Auch Prinz Eric wirkt eher wie ein Fürst aus der Finsternis, als wie ein edler Prinz. Die Kostüme des Hummers Sebastian und der Meerhexe Hydra sind hingegen extrem gut gelungen.

Gut gelöst hat der neue Bühnenbildner Christian Baumgärtel die Herausforderung, eine Unterwasserwelt aufzubauen, die sich mit wenigen Handgriffen in eine Schiffsszenerie verwandeln lässt. Besonders die beweglichen Wellen am Bühnenrand, die den hohen Seegang suggerieren, bei dem Prinz Eric über Bord geht, sind eine gute Idee. So lernen sich auch der Prinz und die Meerjungfrau kennen: Arielle bewahrt Prinz Eric vor dem Ertrinken und verliebt sich schlagartig in ihn. Im Original von Hans Christian Andersen und auch in der Disney-Version gibt es kein Happy End für die beiden, in Neersen ist das – zum Glück – anders.

Die nächsten Aufführungen gibt es am 18., 19., 20. und 23. Juni.

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