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Stadt Willich: Narren ohne Prinzenpaar?

Stadt Willich : Narren ohne Prinzenpaar?

Kräftig hat der Festausschuss Willicher Karneval die Werbetrommel gerührt. Doch bisher vergeblich.Wenn am 11.11. der närrische Ausnahmezustand beginnt, wird wohl kein Prinzenpaar an der Spitze stehen.

Mit festlichen Gewändern als Prinz und Prinzessin in eine verwunschene Zeit eintauchen, in der die Sorgen des Alltags verblassen. Vom Volk auf Händen getragen und verwöhnt werden, sich mit Applaus begrüßen lassen und in die Gesichter glücklicher Menschen blicken: Die märchenhafte Vorstellung von einem Prinzenpaar klingt für viele Willicher scheinbar nicht magisch und anziehend genug. Bisher hat der Festausschuss Willicher Karneval 1970 noch kein Prinzenpaar, das am folgenden Mittwoch die närrische Führung übernimmt. Vorsitzender Hans Frieder Nöhles: "Es wird ganz schön knapp."

Scheu vor dem Mikrofon

Eine Session ohne Majestäten zu feiern, ist für den Willicher Festausschuss nicht ganz ungewohnt. In den vergangenen 39 Jahren blieben die Willicher Narren sechsmal ohne gekrönte Häupter: 1992, 1995, 1998, 2000, 2005 und 2006. "Es ist ein Trend der Zeit, dass Menschen sich lieber unterhalten lassen als zu unterhalten."

Für das kurzweilige Leben als Prinzenpaar müssen die Tollitäten in der Regel tief in die Tasche greifen. Mehrere Tausend Euro kann die Rechnung hoch sein. Doch den finanziellen Aspekt schließt Nöhles als Hinderungsgrund aus: "Es hängt doch ganz von Prinz und Prinzessin ab. Kostüme etwa muss man nicht kaufen, sondern kann sie auch mieten." Rund 500 bis 700 Euro, schätzt er grob, könnte die Miete für ein Kostüm pro Session kosten. Für die repräsentativen Auftritte oder die Vorbereitung des Prinzenwagens müsse man zudem nur wenige Urlaubstage nehmen oder "einfach mal von der Arbeit eine Stunde eher gehen". Doch von einem Ausschlussgrund hat er schon gehört: So würden viele Menschen gerne als Paar Prinz und Prinzessin spielen. "Wenn der eine Partner aber nicht will, will der andere oft auch nicht."

Rainer Füsgen hat das Leben als Prinz hinter sich: In der vergangenen Session regierte er mit Ehefrau Petra: "Viele Menschen wissen gar nicht, wie viel Menschlichkeit und Herzlichkeit ihnen entgeht." Der 45-Jährige ist bereits seit gut 30 Jahren im Karneval aktiv und gehört der KG Torfmöps an.

Die Zeit als Prinz will Füsgen nicht missen: "Es fühlt sich an wie im Urlaub: Alle tragen die rosarote Brille und sind glücklich. Man steht die ganze Zeit im Mittelpunkt und darf sich wichtig fühlen." Doch als Prinz trage man auch Verantwortung: "Es wird erwartet, dass man keine Scheu hat, das Mikro in die Hand zu nehmen und eine Rede zu halten. Das musste ich auch erst einmal lernen und proben. Das ist eher das Problem: Dass die Menschen nicht wissen, was es heißt, ein Prinz zu sein."

Die Kosten lässt auch er nicht als Grund durchgehen: "Ich habe Dreiviertel meiner Kosten zurückbekommen, etwa durch Anzeigen. Man muss aber aktiv werden." Auch die Kamelle wurde bezuschusst: Masterfoods habe zwei Paletten gesponsert. Doch vielleicht liege es auch an der Jahreszeit: "Der Sommerbrauchtum genießt mehr Akzeptanz und Beliebtheit als der im Winter." Wer es kurzfristig als Prinz oder Prinzessin versuchen will, kann sich bei Nöhles melden. "Doch mit Ornaten und Orden wird es knapp." Frage des Tages

(RP)