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Musikalisches Geplätscher beim Klavierkonzert von Anna Seropian in Neersen

Klavierkonzert in Schloss Neersen : Musikalisches Geplätscher

Pianistin Anna Seropian lieferte bei ihrem Klavierabend in der Motte in Schloss Neersen eine eher ­langweilige ­Präsentation großer Werke der Klavierliteratur. Sie spielte sehr weich und eigenwillig.

Das Praeludium von Johann Sebastian Bach kennt man, doch so, wie es Anna Seropian zu Beginn ihres Klavierabends im Schloss Neersen interpretiert, ist es befremdlich. Sehr weich und eigenwillig, die klare Struktur einer Bach-Komposition kommt nicht heraus. Sie spielt das Stück in einer Bearbeitung von Alexander Siloti (1863-1945).

Dass der russische Komponist dem barocken Werk einen romantischen Charakter gegeben hat, erklärt die Pianistin in der anschließenden Moderation. Dabei stellt sie sich und ihre Vielseitigkeit vor: Sie ist Konzertpianistin, Komponistin, Sängerin, Dozentin für Klavier, Musiktheorie und Gesang sowie Malerin. Dann leitet die Georgierin über zur „Pathétique“ von Ludwig van Beethoven.

Der romantische Duktus setzt sich nun auch bei der Interpretation dieser Sonate fort. Immer weich im Anschlag, keine Akzente, geschweige denn Kontraste, auch nicht in der Wahl der Lautstärken, die kaum über ein Mezzoforte hinaus geht – so plätschert es spannungslos durch ihre „Pathétique“.

Da bekommt auch die „Grande Valse brillante“ op. 18,1 Es-Dur von Frederic Chopin keinerlei Glanz, sie plätschert wie ein Schlaflied. Selbst der Dreivierteltakt geht dabei unter.

Sergej Rachmaninow scheint ihr etwas mehr zu liegen. Im „Prelude“ op. 23,5 tauchen zum ersten Mal eindeutige Spannungsbögen auf, doch dann verliert sich ihre Interpretation auch wieder im Geplätscher. An Fingerfertigkeit fehlt es ihr nicht, doch Ausdruck und alle angemessenen Nuancen einer Interpretation sind an diesem Abend nicht zu hören, was erstaunt, da sie auch als Dozentin an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf gearbeitet hat.

Ihre langweiligen Präsentationen großer Werke der Klavierliteratur schließt Seropian ab mit der eigenen Komposition „Khorumi“, einem georgischen Tanz. Das Geplätscher am Flügel setzt sich weitgehend fort, aber es kommt immerhin mit interessanten Harmonien aus der georgischen Volksmusik Neues hinzu. Das Plätschern kann sie nun auch mit endlos scheinenden Arpeggien fortsetzen.

Als Zugabe wählt sie eine weitere Eigenkomposition, in der sie ein Gedicht über ein Schiff vertont hat. Da müssen ja Wellen plätschern.

Bei allem Bemühen um das Einhalten der Corona-Schutzverordnung sollte es nicht passieren, dass zwei wildfremde Menschen Schulter an Schulter auf zwei aneinander geschraubten Stühlen platziert werden, wo man eigentlich auch noch den Mund-Nasen-Schutz abnehmen dürfte. Zum Glück gab es noch genügend freie Plätze in der Motte.