Stadt Willich: Mundartnachmittag kam bei Besuchern sehr gut an

Stadt Willich : Mundartnachmittag kam bei Besuchern sehr gut an

"Wat jöv et Nöies em Dorp?", fragten sich die Gäste einer besonderen Kaffeetafel, erzählten dann auch das eine oder andere Episödchen. Etwas war an der reichhaltig gedeckten Kaffeetafel anders als sonst.

Es wurde diesmal ausnahmslos plattdeutsch gesprochen. Die von Ernst Kuhlen angeführten Heimat- und Geschichtsfreunde hatten erstmals zu ihrem neuen, geselligen Mundart-Nachmittag eingeladen. "Wir haben so mit etwa 20 Leuten gerechnet", sagte Kuhlen. Es kamen mehr als 60 Personen.

Unter ihnen war auch die agile Luise Orth, die am 3. September 90 Jahre alt wird "Sobald plattdeutsch gesprochen wird, fühle ich mich auch heimisch und zuhause", sagte sie. Das war nicht immer so. Edith Jansen (85) erinnerte sich: "Früher war die Mundart ziemlich verpönt, zumal die Kinder ja hochdeutsch lernen mussten." Auch sie musste sich wie viele andere auch umstellen: "Mit dem Tag, als meine Kinder in die Schule kamen, habe ich mit ihnen nur hochdeutsch geredet." Ins tiefste Platt verfiel sie dann nur noch, als die Schwiegermutter zu Besuch kam.

Die Damen waren beim "Schibbahner Vertell" klar in der Überzahl. Aber auch einige Männer saßen an den kleinen Kaffeerunden, wie Heinz Mausberg (91) oder die 87-jährigen Rudi Tillmanns und Josef Pauen, die früher schon in der Schiefbahner Volksschule zusammen gesessen haben. Es wurd getratscht und geschwätzt. Sogar einige Willicher "trauten" sich. "Kannst du denn überhaupt platt?", fragte schmunzelnd Ernst Kuhlen den Willicher Gerd Wynands. Er konnte. Ernst Kuhlen selbst war ebenfalls ein Verfechter der niederrheinischen Sprache geworden. Als Kind war er in Schiefbahn zugezogen und hatte noch die Worte seiner aus Schleswig-Holstein stammenden Mutter im Kopf: " Sonne Ursel, so reden wir hier aber nicht..."

Zwischen Vorträgen von Hans Engels, Paul Breitmar und Käthe Bogie wurde plattdeutsch gesungen und geredet. Hans Engels hatte ein Quiz mitgebracht, bei dem es darum geht, plattdeutsche Worte richtig zuzuordnen. Ein Beispiel: "Ist Baselümmke ein blusenartiger Kittel, ein ungezogenes Kind oder eine Gartenblume?" Kittel war richtig. "Jötschklomp","Hüüldopp" oder "Appelskitsch" waren andere Begriffe.

"Das macht ihr doch noch einmal?", fragen zum Abschluss gleich mehrere Besucher. Sie konnten sich sicher sein: Der nächste Termine ist am 10. Oktober ab 16 Uhr.

(wsc)