Monika Wagner (Eva-Lorenz-Umweltstation) erklärt im Neersener Bürgergarten, wann welches Gemüse wächst

Neersen : Wann wächst eigentlich welches Gemüse?

Der Frage „Wo wächst unser Essen?“ geht Monika Wagner von der Eva-Lorenz-Umweltstation nach. Im Neersener Bürgergarten können Kinder und Erwachsene erleben, was wann, wo und wie wächst.

Erdbeeren im Dezember, Himbeeren im Januar, Tomaten im Februar, Kirschen im März – im Lebensmitteleinzelhandel gibt es keine Saison mehr. Zu jeder Jahreszeit ist nahezu die ganze Palette an Obst und Gemüse verfügbar. Das hat mittlerweile dazu geführt, dass viele Verbraucher nicht mehr wissen, wann und wo etwas eigentlich wächst und zu welchem Zeitpunkt es geerntet wird. Durch Anbau in Treibhäusern mit künstlichen Wetterbedingungen und die Tatsache, dass Obst und Gemüse aus der ganzen Welt in die heimischen Geschäfte transportiert werden, ist ein Bezug für Regionalität und Saisonware verloren gegangen. Was zu welchem Zeitpunkt in der Heimat wächst und damit regional und saisonal auf den Markt kommt und wie Lagermöglichkeiten von heimischen Produkten aussehen, ist vielen unklar. Und genau daran möchte Monika Wagner von der Eva-Lorenz-Umweltstation (ELU) in Neersen arbeiten.

„Wir möchten zeigen, was wo, wie und wann in unseren heimischen Gefilden wächst, wie es gelagert und damit der Angebotsrahmen verlängert wird, und was hingegen aus anderen Ländern zu uns kommt und welche Wege dahinterstehen“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. Eigens dazu wurde das Angebot „Alles Banane – oder wo wächst unser Essen?“ konzipiert. War es bislang ein eher theoretisches Angebot für Vorschulkinder in Kitas und für Grundschüler, so ist jetzt auch Praxis angesagt.

Mit dem gerade angelaufenen Gartenjahr bezieht Wagner den Neersener Bürgergarten in das Angebot ein. Sie geht also nicht nur in die Kitas und Grundschulen, wo mit einem Globus rund um die Welt gereist wird, sondern die Kinder können ein Stück vom Gartenjahr im Bürgergarten direkt erleben. „Wir bereiten den Garten gerade vor und haben die ersten Radieschen, Möhren, Zwiebeln, Zuckererbsen, Pastinaken und den ersten Spinat gesät und den Knoblauch gesteckt“, berichtet Wagner. Es sollen Kohlrabi und Kohlsorten folgen. Des Weiteren ist die Anlage eines Erdbeer- und eines Ackerbeetes geplant. In dem Ackerbeet sollen neben Getreidesorten wie Hafer, Gerste und Weizen auch die früher typisch an diesen Feldern anzutreffenden Blumen wie Kamille, Klatschmohn und Kornblumen zu erleben sein.

Tomaten, Kürbis und Zucchini zieht die Diplom-Sozialarbeiterin derzeit vor, wobei sie altes Saatgut nutzt. Die alte Sorte namens „Kleine Murmel“ – es handelt sich um eine Wildtomate – ist so unempfindlich gegen Braunfäule. „Wenn die Pflanzen groß genug sind und die Temperaturen steigen, pflanzen wir sie aus“, sagt Wagner. Im Bürgergarten stehen zudem diverse Beerensträucher und Obstbäume.

Kitas und Grundschulen, die das Angebot „Alles Banane“ buchen, können erleben, was alles an heimischem Gemüse und Obst im Bürgergarten wächst, wie es gepflegt, geerntet und gelagert wird. Dass Obst und Gemüse gesund sind, wissen die meisten Kinder, aber wo es herkommt und was typisch für eine bestimmte Jahreszeit ist, ist dagegen zumeist unbekannt. Zudem wird darüber gesprochen, wo und wie Bananen, Ananas und andere exotische Früchte wachsen und was fairer Handel bedeutet. Die Teilnehmer lernen aber auch anhand des ausgebrachten Saums für Insekten, wie wichtig diese für die Natur sind.

Ab Mitte Mai geht es im Bürgergarten los. Aber nicht nur die Kinder erhalten die Möglichkeit, vieles über frische Lebensmittel und deren Erntezeit zu lernen. Der Bürgergarten steht allen Bürgern offen. „Wir freuen uns über jeden Erwachsenen, der Spaß daran hat, hier mitzuarbeiten“, betont Wagner. Sie hat unter anderem einen Saisonkalender bestellt, der zeigt, zu welchem Zeitpunkt nicht nur gesät und gepflanzt, sondern auch geerntet wird. Wagner hofft, dass sie mit dem Angebot für die Kinder sowie mit der an die Erwachsenen gerichteten Einladung zur Mitarbeit im Bürgergarten Menschen anspricht, sich mit der Natur und der Umwelt auseinanderzusetzen. Bürger sollen wieder lernen, wann welches heimische Obst und Gemüse Saison hat und entsprechend einkaufen. Denn das sei ein Stück aktiver Umweltschutz.

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