Stadt Willich: Mit Vollgas ins neue Jahr

Stadt Willich: Mit Vollgas ins neue Jahr

2017 endete in der Willicher Kommunalpolitik mit einigen Überraschungen. Die Auswirkungen werden auch 2018 zu spüren sein. Auch sonst wird es ereignisreich im gerade angebrochenen Jahr.

Am Ende ging es bisweilen zu wie im Kindergarten. Nach einem bis wenige Wochen vor dem Jahreswechsel politisch sehr ruhigen Jahr wurde es in den letzten Wochen vor Silvester in Willich noch mal richtig spannend. Vor allem die SPD sorgte für ordentlich Wirbel in der eigentlich doch so harmonischen Vorweihnachtszeit.

Nachdem Ende Oktober SPD-Ratsmitglied und stellvertretender Bürgermeister Markus Gather erklärt hatte, Ende Januar alle Ämter aufgeben zu wollen, kam Mitte November der nächste Paukenschlag: Die drei SPD-Fraktionsmitglieder Theresa Stoll, Detlef Nicola und Martin Dorgarthen traten zunächst aus der Fraktion aus und gründeten wenig später ihre eigene: "Für Willich". In der SPD wollen sie bleiben, doch die Sozialdemokraten möchten das nicht. Die kommenden Wochen dürften also spannend bleiben.

Willichs Technische Beigeordnete Martina Stall geht 2018 in den Ruhestand. Foto: Wolfgang Kaiser

Ein Verhalten wie im Kindergarten legte die SPD-Fraktion dann in der letzten Ratssitzung des Jahres an den Tag, als der Haushalt beschlossen wurde. Die Fraktionsmitglieder stimmten gegen den gesamten Etat 2018, weil zwei ihrer Anträge abgelehnt worden waren. In diesen ging es passenderweise um das Thema Kindergärten. Dabei waren die anderen Fraktionen gar nicht grundsätzlich anderer Ansicht als die Vertreter der SPD - sie möchten nur, dass das wichtige Thema in einem längst beschlossenen Workshop im Januar gründlich analysiert wird, um Lösungen zu erarbeiten. Denn einerseits fehlt es vor allem in Schiefbahn und Alt-Willich an Kindergartenplätzen, andererseits wird es immer schwieriger, geeignetes Personal für die Kinderbetreuung zu finden.

Nachdem auf der Mitgliederversammlung der CDU Anfang November ebenfalls der Haussegen schief hing (Daniel Kamper wurde nicht zum Geschäftsführer gewählt, und Bürgermeister Josef Heyes verhinderte die Wahl von Stephan Samse zum Beisitzer), wollte die Union kurz vor Weihnachten dann doch noch ihre Harmoniefähigkeit beweisen - und das auf ungewöhnliche Weise: Sie arbeitet künftig mit den Willicher Grünen im Stadtrat eng zusammen. Die beiden Parteien und Fraktionen haben dazu eine strategische Partnerschaft besiegelt. Ein wichtiges Thema 2018 dabei: Die Wahl eines neuen Technischen Beigeordneten, denn Martina Stall geht in den Ruhestand. CDU und Grüne wollen für eine stabile Mehrheit im Rat sorgen, damit ein potenzieller Bewerber (der nicht leicht aus dem Hut zu zaubern sein dürfte) nicht allein deshalb einen Rückzieher macht, weil er befürchten muss, dass es am Ende für ihn keine Mehrheit gibt. Der Vollständigkeit halber: Ja, auch die FDP ist noch im Willicher Stadtrat vertreten.

Beim Blick auf die einzelnen Stadtteile dürfte es 2018 in Alt-Willich wohl am meisten Veränderungen geben: Die Umgestaltung des Marktplatzes steht kurz bevor, weshalb die Schützen des ASV diesmal beim Schützenfest im Juli ausweichen müssen. Wohin, ist noch offen. Im kommenden Jahr soll - wenn alles gut geht - dann alles wieder an gewohnter Stelle stattfinden. Vielleicht hat dann auch das denkmalgeschützte Hinzen-Haus bereits seinen Glas-Anbau, der nicht nur von einigen Bürgern, sondern auch vom Kirchenvorstand von St. Katharina äußerst kritisch gesehen wird. Ob und wie er ausgeführt wird, dürften die kommenden Wochen zeigen.

Mit dem Fortschreiten des Jahres 2018 immer konkreter werden vermutlich auch die Pläne für das ehemalige Katharinen-Hospital und das Brauerei-Gelände - zwei Filetstücke in Innenstadtlage. Die Nutzung des Hospitals als Flüchtlingsunterkunft läuft Ende des Jahres aus, und dann dürften sehr zügig die Bagger anrücken, um Krankenhaus und Nebengebäude dem Erdboden gleichzumachen und Platz für etwas Neues zu schaffen. Umgestaltet werden soll auch das Gelände an der Brauereistraße. Christian Paschertz, Eigentümer der Passage, hat bereits signalisiert, mitzumachen, wenn es ein stimmiges Gesamtkonzept geben wird. Der neue Eigentümer des Gebäudes, in dem der Rewe-Markt ist (und bleibt), steht Veränderungen wohl auch offen gegenüber, und die Stadtwerke, die mittendrin residieren, würden auch umziehen, wenn's der Sache dient.

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Geduldig sein müssen die Autofahrer vermutlich ab Sommer 2018. Denn dann wird der große Kreisverkehr, an dem Bahn-, St. Töniser, Korschenbroicher und Parkstraße zusammentreffen, komplett saniert. In direkter Nachbarschaft liegt die Feuerwache, und die benötigt eine zweite Zufahrt, damit die Freiwilligen Feuerwehleute im Notfall schneller zur Wache gelangen und die Einsatzfahrzeuge besser ausrücken können. Und dann ist da noch das Areal "Reinershof": Dort möchte ein Investor das Hauptgebäude renovieren, die Seitengebäude abreißen und die Fläche neu bebauen. Insgesamt sollen 25 Wohneinheiten entstehen. Auf dem benachbarten Acker ist ein Neubaugebiet mit Einfamilienhäusern, Doppelhäusern und Geschosswohnungsbau vorgesehen. Auch hier wird wohl das Jahr 2018 entscheidend sein, ob und wie es dort weitergehen wird. Ebenso beim kleinen Neubaugebiet "Villa Langels" an der Bahnstraße, das plötzlich von der Tagesordnung des Planungsausschusses im November verschwand.

Im inzwischen zweitgrößten Stadtteil Anrath (Schiefbahn wurde 2017 überholt, was die Zahl der Einwohner angeht) wird es 2018 vergleichsweise ruhig zugehen. Die Arbeiten an der Brückenstraße werden wohl endlich ein Ende finden, an der Neersener Straße gegenüber der Kirche wird ein Mehrfamilienhaus mit Sozialwohnungen und Praxisräumen fertiggestellt. Damit Anrath in Zukunft weiter wachsen kann, wird aber dringend neuer Platz für Häuslebauer gebraucht. Zwei Flächen wurden bereits ins Auge gefasst, heißt es. Welche genau das sind, wird möglicherweise 2018 diskutiert. Für Gesprächsstoff könnte weiterhin die Alleeschule sorgen: Ein Käufer ist nämlich immer noch nicht gefunden. Und: Das Haus Broich steht ebenfalls zum Verkauf.

In Schiefbahn wird im "Schiefbahner Dreieck" unterdessen weiter gebuddelt, und auch das Bebauungsplanverfahren für das neue Wohngebiet an der Fontanestraße, das sich an die neuen Flüchtlingshäuser anschließt, nimmt 2018 Gestalt an. Wichtig wird sein zu klären, wie das Gebiet verkehrstechnisch erschlossen werden soll.

Überhaupt ist das Problem "Verkehr" in Schiefbahn noch lange nicht gelöst, seitdem die große Nordumgehung vom Tisch ist und es auch um kleinere Varianten eher still geworden ist.

Immer wieder ein Quell der Freude sind die Schlossfestspiele in Neersen, die in diesem Jahr am 17. Juni mit dem Kinderstück "Das Dschungelbuch" eröffnet werden. Da es inzwischen die 35. Festspiele sind, gibt es zum kleinen Jubiläum etwas Besonderes: Intendant Jan Bodinus wagt eine Premiere. Erstmals hat das Ensemble in sein Hauptprogramm eine Operette aufgenommen. Gegeben wird "Im weißen Rössl".

Auch wenn mancher Neersener es nicht mehr glauben mag: 2018 werden wohl endlich die Arbeiten zum Bau des Altenheims am Rothweg beginnen. Die Abrissgenehmigung für das Gebäude "Die Brücke" ist jedenfalls erteilt - und dieser Kindergarten ist dann Geschichte ...

(RP)