Mit seinem „Überjazz“ eröffnete das Horst Hansen Trio zu fünft auf der Bühne den Willicher Jazzfrühling in Schloss Neersen.

Willicher Jazzfrühling : Fünf nette Überflieger aus Krefeld

Krefelder Horst Hansen Trio eröffnet Willicher Jazzfrühling

Mit seinem „Überjazz“, einem Stilmix aus Jazz und Rock, eröffnete das Horst Hansen Trio zu fünft auf der Bühne den Willicher Jazzfrühling in Schloss Neersen. Die Bandgeschichte ist reiner Spaß, ihre Musik wahrhaftig gut.

Saxophonist Lukas Weber, der auf der Bühne Manfred heißt, freute sich ehrlich, jetzt endlich einmal im Schloss Neersen spielen zu können. Mit seinen Eltern war er als Knirps aus Krefeld oft nach Neersen gekommen, um im Park zu picknicken. Als er jetzt bei seinem Auftritt zum „Willicher Jazzfrühling“ vorschlug, Krefeld und Willich zu fusionieren, erntete er nur Murren aus dem Publikum. Aber ansonsten waren die mehr als 120 Zuhörer total begeistert. Zum Schluss gab es stehend Applaus – und zwei Zugaben, davon ein herrliches „Summertime“, im Affentempo.

Die Musiker nennen das heftigen Überjazz, und damit sind wir schon mitten im Thema. Denn das Spiel mit Fakten, Klischees und Worten hatten die fünf jungen Musiker schon drauf, als die meisten das Wort Fake noch nicht buchstabieren konnten. Allein der Name „Horst Hansen Trio“ ist so eine Falle. Die jungen Musiker berufen sich auf einen Krefelder Trompeter Horst Hansen, der in den 60er-Jahren angeblich mit einem Jazz-Trio auf Tour gegangen sein soll. Tonträger lehnte er ab, weil Jazz eine flüchtige Kunst sei. Aber seine abstruse Lebensgeschichte hat es immerhin zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht.

Die fünf jungen Krefelder wollen diese „Tradition“ fortführen. Die Band begann als Schülerprojekt. Heute sind Nonsens, Spaß und gute Laune ein ernstes Anliegen: Das Quintett möchte Jazz für junge Leute machen. Zur Musik darf auch getanzt und gefeiert werden. Der unvergessene Mojo Mendiola hat das in unserer Zeitung so beschrieben: „Die Band hat sich vorgenommen, Jazz auf eine Weise zu spielen, die auch jungen Leuten barrierefrei Freude macht.“ In Neersen waren auch viele junge Leute im Publikum, aber auch die älteren Semester hatten ihren Spaß daran.

Saxophonist Lukas Weber (Manfred) und Trompeter „Enkel Otto Hansen“ als Gast posieren fürs Foto. Das soll etwas von ihren bunten Socken ablenken. Foto: Heribert Brinkmann

Das Willicher Kulturteam hat es mit seinem Jazz-Frühling geschafft, im Schloss eine Reihe zu installieren, die auch in die Region strahlt. Anziehend ist nicht nur das schöne Schloss-Ambiente, sondern in erster Linie das junge, frische Programm. Ebenso wie Kempen-Jazz im Campus ist Neersen für Jazzfreunde aus der ganzen Region ein interessantes Ziel.

Lukas Weber, Carsten Hackler, Lars Leibl, Tobias Foller und Till Menzer nennen sich auf der Bühne Eckbert, Manfred, Eberhardt, Hans-Dieter Zimmermann und Hubert. Die Namen sollen für alte Jazzer stehen, und die fünf Jungen bieten alles andere als eine langweilige Show. Bunte Socken, falsche Namen auf der Bühne – bei allem Unsinn bleibt die Musik echt und stark. Ein frischer Stil-Mix zwischen Jazz und Rock lässt allen fünf Profimusikern genügend Raum, sich zu entfalten, auch wenn Saxophonist Lukas Weber das Bühnengeschehen beherrscht. Aber wer eine der vielen CDs, die am Abend verkauft wurden, zu Hause anhört, wird merken, dass Gitarrist Tobias Foller auf der Schlossbühne fehlte. Dafür war „Enkel“ Otto Hansen samt Trompete aus Berlin eingeflogen worden.

Das ist Musik, die einem – wie man sehen kann – echt die Schuhe auszieht: Das Horst Hansen Trio aus Krefeld im Schloss Neersen zeigte auch eine Bühnenshow vom Feinsten, von ihrem „Überjazz“ ganz zu schweigen. Foto: Heribert Brinkmann

Das Spektakel und die unterhalt­same Bandgeschichte ist der ironische Hintergrund für eine ernsthafte, anspruchsvolle Musik mit schönen Melodien und funkensprühender Spielfreude in den Improvisationen. Der Spaß hört für die fünf Hansens in der Wirklichkeit auf. So widmeten sie den 5000 Toten, die in der Amtszeit von Barack Obama durch Drohnen getötet wurden, einen eigenen Song.