Mit dem Kinderstück „Das Dschungelbuch“ eröffnen die Schlossfestspiele Neersen

Kultur : Ein Bär mit Höhenangst

Mit dem Kinderstück „Das Dschungelbuch“ eröffnen die Schlossfestspiele Neersen die Spielzeit am 17. Juni auf der Freilichtbühne. Die Zuschauer dürfen sich auf viele lustige und einige tragische Szenen freuen.

Ausstatterin Silke von Patay weiß bereits jetzt, welche Farbe die Festspiele 2018 haben werden: Es werden grüne Spiele. „Am Ende mische ich alle übriggebliebenen Farben zusammen und kreiere die Festspielfarbe der Saison. In diesem Jahr wird dabei garantiert grün herauskommen“, sagt die Bühnen- und Kostümbildnerin beim Pressegespräch zum „Dschungelbuch“.

Tatsächlich sei es eine große Herausforderung, die backsteinrote Schlosskulisse in einen grünen Dschungel zu verwandeln, weiß auch Festspielintendant Jan Bodinus. Aber wer die Neersener Schlossfestspiele in den vergangenen Jahren regelmäßig besucht hat, weiß, dass Silke von Patay schon ganz andere Herausforderungen angenommen und gemeistert hat. Und so wird sie auch diesmal Wege finden, das historische Schloss, das in jedem Sommer neun Wochen lang die Kulisse der Freiluftbühne bildet, zu verwandeln und in ganz anderem Licht erstrahlen zu lassen.

Soviel sei verraten: Patays Team ist derzeit dabei, etliche Lianen zu knüpfen. Außerdem wird die Bühne um ein Gerüst erweitert, das das Spiel auf mehreren Höhenebenen möglich macht. Für Sven Post, der den gemütlichen Bären Balu spielt, nicht gerade eine gute Nachricht: „Ich habe Höhenangst und ich habe eine Aversion gegen Bananen, trotzdem wird man mich da oben hängen und Bananen essen sehen“, erzählt der Schauspieler, der seit Jahren zum Neersener Ensemble gehört. „Ich bin also die Idealbesetzung für die Rolle“, setzt er ironisch hinzu.

Da Post aber, gemeinsam mit seinem Schauspielkollegen Matthias Freihof, die Regie für das Kinderstück übernommen hat, hätte er sich auch eine andere Rolle geben können. Shir Khan allerdings ist schon vergeben. Den bösen Tiger, der es auf das Menschenkind Mowgli abgesehen hat, spielt Matthias Freihof. Für den Schauspieler ist es die dritte Spielzeit in Neersen. Die Rolle von Mowgli hat Anne Bedenbender übernommen. Die nur 1,56 Meter große 31-Jährige glänzte im vorigen Jahr in der Rolle der Tilda bei „Honig im Kopf“.

Wiedererkennen wird sie aber niemand, denn mit Perücke und Kostüm lassen sich Geschlecht und Alter nicht ausmachen. „Mowgli ist eine spannende Rolle“, findet Bedenbender, „sie ist weit weg von mir. Das mag ich.“ Dass sie in der Rolle zwölf Mal pro Aufführung auf den Hintern plumpst und hin und wieder von „Balu“ über die Schulter geworfen und getragen wird, nimmt die Schauspielerin gerne in Kauf. In weiteren Rollen sind René Hofschneider als schwarzer Panther Bagheera zu sehen und R.A. Güther, der als (Elefanten-) Obster Hathi und als Affenkönig Lui dabei ist. Außerdem stehen Kerstin Bruhn und Sebastian Teichner auf der Bühne.

Leichte Kost wird „Das Dschungelbuch“ nicht. „Wir zeigen kein nettes Disney-Märchen“, sagen die Regisseure Post und Freihof. Tatsächlich ist das Original, das der britische Autor Rudyard Kipling 1894 schrieb, an vielen Stellen tragisch und brutal. „Ich denke, wir haben eine gute Balance zwischen Disney und Kipling gefunden“, sagt Freihof. In jedem Fall sei das Neersener „Dschungelbuch“ ein Stück für Kinder ab fünf Jahren, das auch Jugendlichen und Erwachsenen gefallen werde.

Auf die bekannten Musikstücke aus dem bekannten Film („Probier’s mal mit Gemütlichkeit“) müssen die Zuschauer allerdings verzichten. Disney gibt die Rechte nicht heraus. „Aber Stefan Hiller hat für uns sehr gute Stücke komponiert“, verspricht Jan Bodinus.

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