Stadt Willich: Mit dem Blühtütchen für Nachhaltigkeit sorgen

Stadt Willich: Mit dem Blühtütchen für Nachhaltigkeit sorgen

Natur schaffen, dafür setzen sich die Kolpingsfamilie Willich, die Nabu und die Stadt ein. Gemeinsam haben sie das Projekt "Diesseits von Eden - für lebendige Gärten in unserer Stadt" ins Leben gerufen.

Auf dem Tisch in der Küche der Familie Schmidt stapeln sich Hunderte von weißen Samentütchen, die auf der Vorderseite eine fliegende Hummel, eine Blume und den Aufdruck "Diesseits von Eden - Für lebendige Gärten in unserer Stadt" zeigen. Dazu kommen ebenso viele Aufkleber mit den Logos der Stadt Willich, der Kolpingsfamilie Willich und dem Nabu Willich. Eine Digitalwaage steht neben mehreren Gefäßen, die bis zum Rand mit einem Gemisch von Blumensamen und Sand gefüllt sind.

Und in genau diese greifen Werner Schmidt, Dietmar Prielipp und Jack Sandrock mit kleinen durchsichtigen Kaffeelöffeln hinein. "Die Löffel fassen genau vier Gramm. Ich habe die Löffel eigens entsprechend der vorgegebenen Grammzahl gekauft, damit wir nicht jedes Mal wiegen müssen. Dann würden wir ja nie fertig werden", sagt Schmidt mit Blick auf den 15 Kilogramm schweren Sack, der auf dem Boden steht und Blumensamen enthält. Diese Menge gilt es, vermischt mit einer entsprechenden Maßeinheit Sand, in die Tütchen zu füllen.

Monika Sandrock und Brigitte Büschges sind indes mit dem Verschließen der Tüten mittels der sonnengelben Aufkleber samt Logos beschäftigt. Rund 4000 Tüten gilt es zu füllen. Die sollen jetzt unter die Willicher Bürger gebracht werden. In einer gemeinsamen Aktion mit dem Titel "Diesseits von Eden - für lebendige Gärten in unserer Stadt" wollen die Kolpingsfamilie Willich, die Nabu Ortsgruppe und die Stadt Willich die Bürger für die Problematik des Insektensterbens sensibilisieren und mit dem Tütchen Blühmischung anregen, ein kleines Stück Natur im Garten, auf der Terrasse, dem Balkon oder dem Blumenkasten vor dem Fenster zu schaffen. Passend dazu haben die Organisatoren einen Flyer entwickelt, der zeigt, wie einfach es ist, Insekten, Schmetterlingen und Vögeln ein Stück Lebensraum zu bieten.

Die Idee zu dem Ganzen hatte Prielipp von der Kolpingsfamilie Willich. "Eigentlich war es die Frustration über die Schottergärten, die mehr und mehr entstehen und Insekten und Co keinerlei Lebensraum geben. Vielen Menschen ist, denk ich, gar nicht bewusst, was sie da machen. Wir wollen aufklären und zeigen, es geht auch anders und das ohne viel Pflegeaufwand", sagt Prielipp. Kolping holte den Nabu Willich mit ins Boot. Gemeinsam klopfte man bei der Stadt Willich an, die sich bereiterklärte, das Projekt ein stückweit finanziell zu unterstützen. Schließlich müssen der Druck der Flyer, das Verteilen und die Saat finanziert werden, wobei durch das eigenhändige Befüllen der Tütchen Geld eingespart werden kann.

"Zum einem werden wir die Tütchen mit der Blühmischung an den neun Willicher Grundschulen verteilen. Die Schulen sind entsprechend vorbereitet und nehmen das Thema im Unterricht auf. Jeder der knapp 2000 Grundschüler erhält ein Tütchen samt dem dazugehörigen Flyer. Die anderen Tüten werden in Willicher Geschäften ausgelegt. Welche es sind, ist durch die im Schaufenster ausgehängten Flyer zu sehen", informiert Prielipp. Dort können Bürger das kostenfreie Angebot mitnehmen.

In Sachen insektenfreundlicher Gärten gehen die Kolpingsfamilie Willich und der Nabu Willich noch einen Schritt weiter. Für Mitte Mai laden sie alle 45 in Willich ansässigen Gärtner und Landschaftsarchitekten zu einem Informationsabend mit dem Stichwort "Lebendige Gärten" in die Eve-Lorenz-Umweltstation ein.

(tref)