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Mit „Café del Mundo“ beginnt der Willicher Kultursommer

Konzert im Schloss Neersen : Mit „Café del Mundo“ beginnt der Willicher Kultursommer

Die beiden Flamencogitarristen Jan Pascal und Alexander Kilian traten im Schloss Neersen auf. Es war ihr erstes Konzert nach der Corona-Pause. Das Publikum und die Musiker waren begeistert.

Die gut 70 Gäste der Auftaktveranstaltung des Kultursommers Willich am Freitagabend konnten am Ende gar nicht genug von der Musik des „Café del Mundo“ bekommen. Nach der „offiziellen“ Zugabe kehrten die beiden Gitarristen, angefeuert vom begeisterten Applaus des Publikums, noch zweimal auf die Bühne zurück, um aus ihrem reichhaltigen und abwechslungsreichen Repertoire zu spielen.

Das lag nicht nur daran, dass es endlich wieder möglich ist, Live-Auftritten von nach Live-Auftritten ausgehungerten Musikern beizuwohnen. Zwar sah der Saal im Schloss Neersen wie ein Schweizer Käse aus, da die Abstände zwischen den Stuhlgruppen strikt eingehalten wurden, aber all das war bei den ersten Klängen ihrer Coverversion des U2-Stücks „With or without you“ vergessen. Für die Musiker gab es keine Frage: nicht ohne, sondern mit „We can’t live without you“, dem Publikum, bekräftigten sie. „Das ist einer unserer ersten Auftritte“, berichtete Alexander Kilian.

Es sind außergewöhnliche Flamencogitarristen, die als das Duo „Café del Mundo“ auftreten: Jan Pascal, 45, und Alexander Kilian, 33. Die beiden Musiker kennen sich seit einem Workshop vor 13 Jahren – Pascal war der Leiter des Workshops. Von einem der Teilnehmer wurde er musikalisch glatt übertroffen, wie er schmunzelnd erzählt. Dieser Teilnehmer war Kilian. Die beiden taten sich bald darauf zusammen. Seitdem komponieren sie Alben und treten gemeinsam auf – vor der Corona-Pandemie waren es etwa 120 Konzert pro Jahr.

Sie sind ein in jedem Sinne eingespieltes Team. Mehr noch: sie scheinen einander via Blickkontakt und dem Schlagen ihrer Saiten im gemeinsamen, fast schon dialogischen Spiel zu befeuern, anzuspornen und zu Höchstleistung zu jagen. Allein körperlich müssen diese 80 Minuten ununterbrochenen Spiels in einem zum Teil atemberaubenden Tempo eine echte Herausforderung für die Musiker sein. Die Pascal und Kilian lachend, gut gelaunt und schwitzend (was Pascal betrifft) meistern.

Kilian habe die Geschwindigkeit seiner Sechzehntelnoten während des Lockdowns noch gesteigert, bemerkt Pascal zwischendurch. Er dagegen übernehme den Part des Schwitzens. Beide spielen ihre Stücke mit dem ganzen Körper, wippen, nicken, schlagen mit den Füßen den Takt. Das Publikum wird während des Ausflugs in die musikalische Welt von Bach bis Flamenco ent- und verführt und aufs Beste unterhalten.

„Café del Mundo“ können scheinbar einfach alles spielen: andalusische, Pop- und klassische Musik wie die Air-Suite von Bach, die in der Version des Café del Mundo einfach zum Hinschmelzen klingt. Sie bringen den „Zauber einer arabischen Nacht“ in einer Eigenkomposition zum Klingen. Die Flamencogitarre unterstreicht die Dynamik der Stücke mit ihrem schärferen Klang, der die hohen Töne sehr gut zur Geltung bringt. Neben dem reinen Gitarrenspiel setzen Pascal und Kilian Percussionelemente ein, indem sie gegen die Gitarrenwand schlagen.