Stadt Willich: Ministerin für JVA-Neubau

Stadt Willich: Ministerin für JVA-Neubau

NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter besuchte gestern die Justizvollzugsanstalt Willich I. Dabei ging es auch um die Pläne für einen Neubau des Männergefängnisses. Die seien ausgereift, sagte die Ministerin.

Die Pläne für einen Neubau der Justizvollzugsanstalt (JVA) Willich I werden möglicherweise Mitte des Jahres konkreter. Das sei jedenfalls ihre Vorstellung, sagte Roswitha Müller-Piepenkötter. Die NRW-Justizministerin schaute sich gestern das Männergefängnis in Anrath an und holte damit ihren Anfang Februar ausgefallenen Besuch nach. "Bislang kannte ich die Anstalt nur von außen", erzählte sie.

Schwierige Bedingungen

Im Mai vergangenen Jahres war die Ministerin noch auf der Baustelle des benachbarten Frauengefängnisses gewesen. Inzwischen ist die JVA Willich II in das moderne Gebäude umgezogen. Mit dem Männergefängnis teilt sich die Anstalt seitdem die Außenpforte, Besuchsräume und den Verwaltungstrakt. "Über den Altbau des Männergefängnisses müssen wir uns Gedanken machen", sagte Müller-Piepenkötter. "Moderner Strafvollzug ist unter den dortigen Bedingungen sehr schwierig."

Bei den Überlegungen spreche sehr viel für einen Neubau. Dafür fehle zwar noch das Geld. "Die Pläne sind aber ausgereift und wir arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung", so die Ministerin. Zwei bis drei Jahre Bauzeit würde ein solches Projekt in Anspruch nehmen. Als Modell für moderne JVAs dient der Neubau in Ratingen. Dort wird demnächst der Grundstein gelegt.

Die Neubau-Pläne müssten allerdings noch mit der Kommune abgestimmt werden. Das Gefängnis sei schließlich prägend für die Stadt Willich, so die Ministerin. Deshalb werde man sich auch Gedanken über den Denkmalschutz machen. Man wolle sich bemühen, "etwas Charakteristisches" der Anstalt zu erhalten. Eine vorsorgliche Ankündigung: Für den Neubau der Frauenanstalt waren trotz zahlreicher Proteste von Willicher Bürgern die alten Bedienstetenhäuser abgerissen worden.

Marode Zweiganstalten

Der nun leerstehende Altbau des Frauengefängnisses kann dem Männergefängnis im übrigen nicht als Ausweichmöglichkeit dienen. Durch das Dach regnet es rein, zudem sind Strom- und Wasseranschlüsse bereits demontiert. Ähnlich marode seien die Zweiganstalten für Untersuchungshäftlinge in Mönchengladbach und Krefeld. Ein Neubau in Anrath würde diese rund 200 Haftplätze übernehmen.

Neben einem Rundgang durch das Männergefängnis standen für die Ministerin am Nachmittag noch Gespräche unter anderem mit den Bediensteten, dem Anstaltsbeirat und der Gefangenenvertretung auf dem Programm. Dabei wird es auch um die hohe Zahl an Überstunden gegangen sein, die die Bediensteten vor sich her schieben. Neues Personal stellte die Justizministerin aber nicht in Aussicht. "Ich bin leider nicht mit dem Geschenkkoffer gekommen."

(RP)