Stadt Willich: Meisen oder Spatzen beim Brüten beobachten

Stadt Willich: Meisen oder Spatzen beim Brüten beobachten

Die Astrid Lindgren Schule ist Projektpartner der Hochschule Niederrhein und verfügt über ein Modell mit Kamera.

Von außen sieht er eigentlich aus wie ein ganz normaler Nistkasten, und doch ist das Modell mit dem roten Dach, das an der Turnhallenmauer der Astrid Lindgren Grundschule hängt, etwas ganz Besonderes. Ein Indiz dafür ist das Kabel, welches aus dem Kasten herausragt und zukünftig für die Stromzufuhr sorgen wird. "Es muss nur noch an den Akku angeschlossen werden. Dann kann, wenn der Nistkasten angenommen wird, in der Schule das gesamte Brutgeschehen über das Internet verfolgt werden", sagt Professor Claus Brell.

Der Wirtschaftsinformatiker und Statistiker der Hochschule Niederrhein hat das Projekt Brutbeobachtung in Nistkästen ins Leben gerufen, wobei die Anfänge ins Jahr 2003 zurückführen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Brell, dem die Natur- und Tierwelt sehr am Herzen liegt, nämlich einen Prototypen gebaut, der im heimischen Garten hing. Um seinen Studenten komplexe Zusammenhänge zu verdeutlichen und Technik ein Stück "anfassbarer" zu machen, nutzt er seit Jahren praxisorientierte Aufgaben. Ihm kam die Idee, aus der Brutbeobachtung in Nistkästen ein solches Projekt zu machen und auf diesem Weg Natur und Technik zu verbinden. "Die Studenten im vierten und fünften Semester haben viel Theorie gelernt. Bei solchen Projekten kann das Wissen praxisnah umgesetzt werden. Programmieren für ein lebensnahes Praxisbeispiel", erklärt Brell. Er konnte für das Projekt die Heinz-Sielmann-Stiftung gewinnen, die größtenteils die Materialkosten für die Entwicklung übernahmen. Die Software für die internetgestützte Beobachtung entwickelten die Wirtschaftsinformatik- Studenten in mehreren Semesterarbeiten. In Sachen Bau der Holz-Nistkästen gewann Brell einen weiteren Partner dazu, nämlich die Justizvollzugsangstalt (JVA) in Anrath. Durch einen Laufkollegen wurde Brell auf die in der JVA befindliche Werkstatt aufmerksam gemacht, die unter anderem Holzarbeiten durchführt. Der dortige Werkdienstleiter zeigte sich begeistert, als die Anfrage kam. Seit September 2017 ist die JVA so mit im Boot. Dort entstanden die Nistkästen, die im Anschluss durch die Studenten mit der modernen Technik zur Brutbeobachtung ausgerüstet wurden.

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Vier Modelle sind nun fertig, wobei eins an die Astrid Lindgren Schule wanderte. "Durch meine eigenen Kinder habe ich insgesamt acht Jahre Astrid Lindgren Schule erlebt. Ich fühle mich noch heute sehr mit der Grundschule verbunden. Dazu kommt, Christa Röhrscheid, eine der dortigen Lehreinnen, ist unsere Nachbarin", sagt Brell. Röhrscheid war es auch, die den Stein ins Sachen Nistkasten an der Schule ins Rollen brachte. "Ich hatte eines der Modelle beim Professor gesehen, war begeistert und habe nachgefragt, ob nicht die Möglichkeit bestünde, ein solches in unserem Schulgarten aufzuhängen", erzählt Röhrscheid, die den Schulgarten federführend leitet. Brell sagte sofort zu und so konnte der Nistkasten vor kurzem aufgehangen werden. Es muss nur noch der Stromversorgung erfolgen, damit die Beobachtungen starten können. Allerdings tut sich bis jetzt noch nichts im Kasten, der mit seinem verkleinerten Einflugloch für Blaumeisen ausgelegt ist. Es scheint, als gäbe es in diesem Bereich keine Blaumeisen. Da die Meisen, wie die anderen Kästen der Hochschule zeigen, bereits Eier bebrüten bzw. schon Jungvögel haben, will die Schule jetzt die Einfluglochverkleinerung entfernen, damit Spatzen den Kasten noch in diesem Jahr nutzen können. "Es ist ein tolles Projekt und wir freuen uns darauf, wenn die Grundschüler die Nistvorgänge im hauseigenen Kasten live miterleben können", sagt Schulleiterin Cerstin Pelz. Die Brutbeobachtungen in den Nistkästen der Hochschule Niederrhein stehen im Internet allen Bürgern offen: www.cbrell.de/naturwatchcam/.

(tref)
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