Stadt Willich: Marcell Feldbergs Erstling

Stadt Willich: Marcell Feldbergs Erstling

Der Schiefbahner und Anrather Kirchenmusiker Marcell Feldberg, der gerne Musik und Lyrik kombiniert, hat sein erstes Poesie-Bändchen herausgegeben. Es soll seine Leser ermuntern, Bilder zu sehen.

Ohne sein kleines, rotes Notizbuch geht Marcell Feldberg nicht aus dem Haus. Und wenn der Schiefbahner und Anrather Kirchenmusiker daheim ist, liegt das Büchlein nicht weit von ihm entfernt. Dinge, die er beobachtet, Gedanken, die ihm durch den Kopf schießen, schreibt er in die kleine Kladde. Beobachtungen und Gedanken in neuen Zusammenhängen kombiniert, liefern oft die Grundlage für seine Lyrik. Jetzt hat Marcell Feldber sein erstes Buch herausgebracht.

"Sprache der Gräser Strophen-Anspielungen-Faszikel" heißt das im Stuttgarter Radius-Verlag erschienene Büchlein. Es enthält drei unterschiedliche Textzyklen, entstanden in der Zeit zwischen Herbst 2008 und Herbst 2009. Vielen liegen persönliche Begegnungen mit Autoren und Künstlern zu Grunde. Die "Strophen" weisen Bezüge zur Musik und zu den Jahreszeiten auf, in den "Anspielungen" gibt es zahlreiche zu Bach-Kantaten und Hölderlin-Zitaten. An den deutschen Dichter und Dramatiker knüpft Feldberg auch noch einmal in den "Faszikeln" an, die – entsprechend der Wortbedeutung von Fazikeln – eher an Gedankenbündel erinnern. "Es sind Prosagedanken, die aufgebrochen und in den Zustand des Entwurfs zurückgespiegelt werden", sagt Feldberg.

Wer in dem rund 100 Seiten umfassenden Buch nach gereimten Versen sucht, wird nicht fündig werden. Und wer in den vielen Bildern, die Feldbergs Poesie transportiert, zu interpretieren versucht, was der Autor sagen möchte, entspricht nicht der Intention, mit der der Schiefbahner das Buch zusammenstellte. "Ich will, dass wir wieder selber Bilder sehen", sagt der 1968 in Willich geborene Kirchenmusiker.

Was Marcell Feldberg schreibt, ist sicher nichts für den Geschmack der Massen. Soll es auch nicht. Feldberg, der Musik, Germanistik und Philosophie studiert hat und in regelmäßigem Austausch mit Künstlern wie der Wiener Lyrikerin Friederike Mayröcker und dem niederländischen Schriftsteller Cees Nooteboom steht, erklärt es in einem Bild: "Auf den Nebenwegen gibt es viel mehr zu sehen als auf den asphaltierten Hauptstraßen", sagt der Kirchenmusiker."

Feldberg kombiniert Beobachtungen und Erlebnisse, deren Zusammenhänge sich dem Leser auf den ersten Blick nicht erschließen. Bei einer Zugfahrt zum Beispiel sah er an einer Wäscheleine Wäsche hängen. Optisch war die Wäschleine auf Höhe der Oberleitung, so dass der Eindruck entstand, die Kleidung hinge auf der Oberleitung. Kurz darauf las er von einem italienischen Künstler, der Wäschestücke aus Holz in den Gassen einer Stadt aufhing. Die Idee für eine "Anspielung" war geboren. Ob der Leser die Kombination dieser Bilder nachvollziehen kann, ist für Feldberg zweitrangig. Der Leser soll seine eigenen Bilder erkennen.

(RP)