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Stadt Willich: Malen hilft auch gegen das Heimweh

Stadt Willich : Malen hilft auch gegen das Heimweh

Es steigert Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein und bringt Gefühle zum Ausdruck: Malen. Im Altenheim St. Josef in Anrath trifft sich regelmäßig eine Malgruppe von Senioren. Ab Freitag zeigt sie ihre Arbeiten in einer Ausstellung.

Käthe Randaxhe lebt seit einem halben Jahr im Anrather Seniorenheim St. Josef. "Anfangs hatte ich viel Heimweh, habe oft gegrübelt und um die Gedanken aus dem Kopf zu bekommen, ist für mich das Stricken und das Malen genau das Richtige", sagt die 82-Jährige, die lange in Gierath bei Jüchen wohnte, ehe sie ins Anrather Seniorenheim kam. Käthe Randaxhe, die gerade mit Acryl-Farben eine Magnolien-Blüte malt ("hoffentlich fängt auch bald draußen das Blühen an"), gehört einer Malgruppe an, die im Altenheim jeden Donnerstag ab 9.30 Uhr zwei Stunden zum Pinsel greift. Seit Januar 2009 gibt es diese Gruppe, in der größtenteils Frauen aktiv sind.

Schul-Praktikantin Jacqueline Eggers hält der 82-jährigen Edith Gansweid die Farbpalette hin. "Edith ist die eigentliche Initiatorin der Gruppe", erzählt Ida Schubert, eine diplomierte Kunst-Therapeutin und -Pädagogin. Sie leitet den Kreativ-Kursus. Und Edith Gansweid, die aus Alt-Willich stammt, gehört zu den Eifrigsten, hat unter anderem auch einen stets treuen Begleiter der Hobby-Malerinnen auf die Leinwand gebracht: die acht Jahre alte Münsterländer Hündin "Lissy", die immer neugierig mittendrin ist. Die Willicherin weiß, ihre Freizeit auszufüllen, nimmt unter anderem regelmäßig am Gedächtnistraining teil oder drischt jeden Dienstag mit zwei Männern einen zünftigen Skat.

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"Ich habe anfangs gar nicht gewusst, dass ich überhaupt malen kann", sagt die 92-jährige Anna Sittertz, die gerade auf ihrem Bild das Wasser und die Umrisse einer Seerose zeichnet. Ein Kompliment kommt von Petra Freisinger, Leiterin des Sozialdienstes: "Ich finde es sehr mutig, dass die Damen etwas Neues angefangen und anfangs ihre Scheu überwunden haben."

Petra Freisinger und Ida Schubert haben an den alten Damen in der Malgruppe beobachtet: Durch das Malen werden Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein gesteigert, werden Gefühle und Sehnsüchte zum Ausdruck gebracht. Das trifft ferner auf andere Kreativ-Gruppen zu. So zum Beispiel auf den Bastelkursus, der sich den Jahreszeiten entsprechend mit bestimmten Themen beschäftigt. So wurden zum Beispiel in der Karnevalszeit Orden hergestellt, Osternester dekoriert oder Frühlings-Sträuße zusammengestellt. Derzeit werden Stofftaschen bestückt.

Anna Sittertz ist keineswegs die Älteste der Malgruppe: "Ich werde am 24. April 94 Jahre alt", erzählt Leni Lichtenberg, die ihren eigenen Stil hat. Mit Vorliebe malt sie "Männekes", also Personengruppen, die sich treffen. So wie es die Gruppe seit langer Zeit macht. Und begeistert ist nach wie vor Marianne Riedel (83): "Diese Stunden gehören für mich zu den schönsten der Woche". Auch sie, die zuvor in Wekeln eine kleine Wohnung hatte, hat schon etliche kleine Kunstwerke gemalt.

Die schönsten Bilder der Gruppe werden in einer Ausstellung zu sehen sein, die mit einer Vernissage am 19. April, 14.30 Uhr, beginnt.

(wsc)