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Lesung auf Einladung der Stadtbücherei: Lustiger Mädelsabend mit Männern

Lesung auf Einladung der Stadtbücherei : Lustiger Mädelsabend mit Männern

Die WDR-Moderatorin Anne Gesthuysen las in der Motte von Schloss Neersen aus ihrem neuen Buch „Mädelsabend“. Die Veranstaltung war restlos ausverkauft. Die etwa 500 Besucher erlebten einen kurzweiligen Abend.

Anne Gesthuysen schreibt gerne über starke Frauen. Als Vorbilder dienen ihr die Frauen aus ihrer eigener oder der angeheirateten Familie. So war das im Debütroman „Wir sind doch Schwestern“ 2012 und so ist es auch bei „Mädelsabend“. Dass Männer da keinen leichten Stand haben, war vorauszusehen. Und so kann die Journalistin es sich nicht verkneifen, die Männer in der Motte von Schloss Neersen, wo die 49-Jährige ihr neuestes Buch auf Einladung der Willicher Stadtbücherei vorstellt, besonders zu begrüßen.

„Ich habe noch nie so viele Männer bei einem Mädelsabend gesehen“, sagt Gesthuysen. Gewöhnlich gehe sie bei ihren Lesungen durch die Reihen und begrüße die paar Männer mit Handschlag, aber heute seien es zu viele. Sicherheitshalber habe sie darum gebeten, das Licht im Saal nicht zu sehr zu dimmen, damit die Männer nicht einschlafen. „Ich hab da meine Erfahrungen“, sagt die Journalistin, die seit vielen Jahren beim WDR-Fernsehen tätig ist. Als sie ihrem Mann (Fernsehmoderator Frank Plasberg, Anm. der Redaktion) Auszüge aus ihrem ersten Buch vorgelesen habe, sei der sofort eingeschlafen.

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Glücklicherweise ließ die Frau, die in der Gemeinde Alpen am Niederrhein, aufwuchs, sich von dieser Reaktion nicht abschrecken und schrieb weiter. „Wir sind doch Schwestern“ wurde extrem erfolgreich, ist mittlerweile verfilmt und ermutigte Anne Gesthuysen, sich ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. Das zweite Buch, „Sei mir ein Vater“ von 2015, fand nicht so viel Beachtung, aber „Mädelsabend“ ist wieder ein Volltreffer. Bei der Lesung, die die gutaufgelegte Autorin immer wieder mit Geschichten aus der Welt hinter den Kulissen bereichert, wird jedenfalls viel gelacht. Es gibt aber auch ernste und bedrohliche Momente im Buch, wie immer, wenn es um Nazi-Deutschland geht und die Protagonisten, die dem Leser schon ans Herz gewachsen sind, sich gegen die Bewegung stellen.

Im Mittelpunkt von „Mädelsabend“ stehen die Seniorin Ruth (Gesthuysens Schwiegermutter diente nach Aussage der Autorin als Vorbild für die Romanfigur) und deren Enkelin Sara. Ruth und Walter leben seit Kurzem im betreuten Wohnen. Während Ruth dort aufblüht, die Gesellschaft und die Angebote nutzt, will Walter, der patriarchalische Strukturen gewohnt ist, am liebsten wieder zurück ins eigene Haus, denn die vielen lebenslustigen Witwen um ihm herum sind ihm nicht geheuer. Steht die Ehe nach sechzig Jahren vor dem Aus?

Und dann ist da noch Sara, Mutter eines kleinen Sohnes, die ein Forschungsstipendium in Cambridge erhält und von ihrem Mann vor eine Entscheidung gestellt wird, die das Leben einiger Menschen verändert. Gegenwart und Vergangenheit werden im Roman geschickt verwebt, vom Zweiten Weltkrieg an erzählt der Roman zwei Frauenleben bis in die Jetztzeit. Dabei kommen der manchmal makabre Humor der Niederrheiner und die oft verschlossene Art der Männer dieser Region nicht zu kurz.

Gesthuysen selber sagt, sie sei verblüfft gewesen, als sie bei den Recherchen festgestellt habe, wie wenig Rechte die Frauen in den 50er und 60er Jahren noch hatten. „In den Städten war das vielleicht anders, aber bis die Emanzipation in den Dörfern angekommen ist, hat es noch lange gedauert“, sagt die Autorin. Und so geht es im Buch auch darum, welche Bedeutung Freiheit und Selbstverwirklichung haben und wie sie eine Ehe beeinflussen. Und letztlich wird klar, dass jeder – damals wie heute – das Glück für sich finden muss, unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen.