Serie Was Macht Eigentlich . . . ?: Lukas Siebenkotten, Anwalt der Mieter

Serie Was Macht Eigentlich . . . ?: Lukas Siebenkotten, Anwalt der Mieter

Er war Beigeordneter in Willich, dann fünf Jahre lang Bürgermeister der Stadt. Lukas Siebenkotten ist jetzt Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes in Berlin. Sein Lebensmittelpunkt aber ist Anrath geblieben.

Er war Beigeordneter und hauptamtlicher Bürgermeister in Willich und führte im Kreistag die Fraktion der Sozialdemokraten, in den vergangenen Jahren aber ist es um ihn etwas still geworden, und das hat seinen Grund. Wer mit Lukas Siebenkotten sprechen möchte, kann dies an seinem Wohnort Anrath nur am Wochenende tun, denn unter der Woche ist der vielbeschäftigte Mann in Berlin als hauptamtlicher Geschäftsführer des Deutschen Mieterbundes tätig. Lediglich samstags und sonntags sieht er seine Familie. Ansonsten bewohnt er ein Appartement in Berlin-Mitte, direkt neben seiner Arbeitsstätte, der Zentrale des bundesweit agierenden Mieterbundes.

Präsident ist ehrenamtlich der hauptamtliche Bürgermeister von Erftstadt, Dr. Franz-Georg Rips, der zuvor 15 Jahre lang selbst die Geschäfte des Dachverbandes für die Mietervereine in Deutschland führte. Beide sind SPD-Mitglieder und kennen sich seit Studienzeiten. Siebenkottens Entscheidung, nach Berlin zu wechseln, traf er mit Zustimmung seiner Ehefrau, die als Lehrerin in Mönchengladbach arbeitet.

Jetzt heißt es, jede Woche in die Bundeshauptstadt zu fliegen oder mit dem ICE zu fahren. Lebensmittelpunkt bleibt für den Vater von vier Kindern aber nach wie vor Anrath. "Das erdet mich, meine Familie ist mir wichtig", betont der Manager, der in Hamm in Westfalen geboren wurde, seine Kindheit aber im Rheinland verbrachte. Sein inzwischen 84-jähriger Vater war Stadtdirektor in Ibbenbüren und Verwaltungschef des Kreises Meschede und später des Rheinisch-Bergischen Kreis, übrigens für die CDU. Da verwundert es nicht, dass auch Sohn Lukas Siebenkotten sich für eine kommunale Laufbahn entschied, in dem Fall für die SPD.

Er studierte in Köln Jura und wurde drei Jahre lang Persönlicher Referent des Oberkreisdirektors in Recklinghausen.1990 wurde er dann als 32-Jähriger bereits Beigeordneter in Willich, blieb es bis 1995 und war danach bis 1999 Bürgermeister dieser Stadt. "Mein absoluter Lieblingsjob bisher", sagt er selbst.

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"Wir vertreten die Mieter von Görlitz bis Aachen und von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen", sagt Lukas Siebenkotten, der von Hause aus Jurist ist. Seine Aufgabe als Geschäftsführer besteht in der internen Organisation im Moment darin, für die Mitgliedsverwaltung eine neue Computer-Software für die Mietervereine entwickeln zu lassen.

Ansonsten hält er Kontakt zu Ministerien und Fraktionen in Berlin und in den Ländern. Da gibt es gerade wieder viel zu tun, denn die amtierende Bundesregierung hat ein Mietrechtsänderungsgesetz auf den Weg gebracht, mit dem unter anderem auch die energetische Gebäudesanierung geregelt und etwas gegen das Mietnomadentum getan werden soll. Siebenkottens Aufgabe: Die Belange der Mieter angemessen zu vertreten, zumal momentan in den Großstädten die Mieten explodieren und bezahlbarer Wohnraum knapper wird. Lobbyarbeit nennt man das gemeinhin.

Er vertritt die Interessen der Mieter auch international in der IUT, der "International Union of Tennants", der Internationalen Union der Mieter. Deren Frühjahrstagung findet traditionell in Brüssel, statt, die Herbsttagung wandert durch die Länder.

Viel Freizeit bleibt bei den vielen Aufgaben nicht mehr übrig. "Bewegung kommt derzeit bei mir zu kurz, ich würde gerne mehr schwimmen", sagt er selbstkritisch. Früher hatte er auch viele Ehrenämter inne, für die seit Jahren auch keine Zeit mehr bleibt. Gerne hat er im Männerchor Orpheus in Anrath gesungen, vorzugsweise Lieder der "Comedian Harmonists". Auch das geht zu seinem Bedauern nicht mehr.

(jka)
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