Lise-Meitner-Gymnasium Anrath: Schüler schicken Wetterballon in den Himmel

Lise-Meitner-Gymnasium : Schüler lassen Wetterballon steigen

Das Lise-Meitner-Gymnasium geht in die Luft. Gemeinsam mit Jan Gohla und Theodor Claßen starten die Schüler einen Wetterballon. Beim Tag der offenen Tür am Samstag soll er in die Stratosphäre steigen.

Seit Tagen verfolgen Jan Gohla und Theodor Claßen aufmerksam die Wetterlage. Denn sie ist der Faktor, der den beiden Lehrern des Lise-Meitner-Gymnasiums (LMG) und einer zehnköpfigen Schülergruppe noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. „Bei Regen, schlechter Sicht oder gar Nebel erhalten wir keine endgültige Starterlaubnis. Aber bis jetzt sieht es für Samstag gut aus. Sechs Stunden Sonnenschein, kein Regen und Temperaturen um die zehn Grad sind angesagt“, berichtet Gohla. Beim Tag der offenen Tür planen der Biologie- und Chemielehrer sowie der Mathe- und Physiklehrer nämlich einen ganz besonderen Start. Sie wollen mit ihren Schülern einen Wetterballon, mit diversen Messeinheiten versehen, in die Stratosphäre schicken.

Das Projekt nahm vor rund einem Jahr seinen Anfang. Gohla hatte die Idee. In dem Astrophysiker Claßen fand er einen begeisterten Kollegen. „Wir wollten das Projekt zuerst in meiner AG Fliegen ansiedeln, haben uns aber entschlossen, eine eigene AG auf die Beine zu stellen“, erzählt Claßen. Zehn Schüler von der Klasse sieben bis zur Oberstufe stiegen in die AG Wetterballon ein. Für das Projekt konnte zudem der Förderverein des LMG gewonnen werden.

Er übernahm den größten Teil der Kosten des rund 1400 Euro teuren Projektes. Unter anderem mussten der eigentliche Ballon und die Styroporbox gekauft werden. Dazu kamen diverse Materialien von der Kamera über ein Messerfassungssystem bis zu den GPS-Trackern. Die Schüler bereiteten die Box für die Geräte vor, kümmerten sich um Programmierung sowie Stromversorgung und bauten Stabilisatoren an, mit denen die Drehungen in der Luft abgemindert werden sollen.

Eine Herausforderung stellten die Behördengänge für die Flugfreigabe dar. Es galt, Genehmigungen der Bezirksregierung, der deutschen und der niederländischen Flugsicherung sowie vom Flugkontrollfreigabezentrum Mönchengladbach einzuholen. „Kurz vor dem Start brauchen wir von Mönchengladbach dann noch einmal eine endgültige Flugfreigabe. Die luftverkehrsrechtlichen Vorschriften sind schon immens“, bemerkt Gohla.

„Kleine Kiste, großer Aufwand“, fügt der stellvertretende Schulleiter Markus Klemt mit einem Lächeln an. Er selber findet das Projekt großartig. „Wir sind eine MINT-Schule, und gerade die MINT-Fächer leben von Experimenten“, sagt Klemt. Die Auswertungen des Projekts Wetterballon werden aber noch in weitere Fächer über den MINT-Bereich hineinstrahlen. Die Flugroute an sich könnte so unter anderem den Erdkundeunterricht tangieren. Im Vorfeld beschäftigte sich der Oberstufen-Physikkurs von Claßen bereits ausführlich mit den Themen rund um den Wetterballon an sich.

„Der aktuelle Wetterballon ist ein Prototyp. Wir möchten das Ganze ausbauen und die Sensorik erweitern, um auch CO2 messen zu können“, blickt Gohla in die Zukunft. Aktuell wird der Ballon Fotos liefern, wobei alle zwei Sekunden ein Bild gemacht wird. Dazu kommen die Aufzeichnungen von Messdaten wie Luftdruck, Temperatur und Windgeschwindigkeit.

Beim Start muss ein genauer Ablaufplan eingehalten werden, der minutiös durchgetaktet ist. Der Wetterballon wird sich in einer Höhe von rund 36 Kilometern aufhalten und Temperaturen von -35 Grad ausgesetzt sein. „Wir haben zwei GPS-Tracker eingebaut, die auf unterschiedlichen Netzen laufen, damit wir die Box auch wiederfinden“, informiert Claßen. Laut den derzeitigen Daten wird der Flug in Richtung Hildesheim verlaufen. Aufgrund der Größe des Ballons, der mit 1400 Liter Helium gefüllt wird, und der Schwere der Box von knapp drei Kilogramm rechnet man mit einer Flugzeit von knapp drei Stunden.

Einen Glückbringer hat die AG ebenfalls: Allbär. Es handelt sich um einen Teddybären im Raumfahreranzug. „Allerdings ist er zu schwer, er kann nicht mitfliegen. Dafür nehmen wir ihn mit, wenn wir die Box einholen werden“, sagt Gohla.