Lepraarzt Rémy Rousselot berichtete auf Einladung der Aktion Mission und Leprahilfe Schiefbahn

Schiefbahn : Rémy Rousselot: Ein Leben für die Leprakranken

Rémy Rousselot, Arzt im Leprakrankenhaus im indischen Bhubaneswar, wird seit Jahrzehnten von der Aktion Mission und Leprahilfe unterstützt. Jetzt sprach er im „Leuchtturm“ über seine Arbeit – und über den Zyklon, der am 3. Mai neun Stunden lang in der Stadt gewütet hat.

Er wird jetzt 65 Jahre alt, aber ans Aufhören denkt Rousselot noch lange nicht. Mit 24 Jahren hat er begonnen, für die Leprakranken da zu sein  – eine Entscheidung, die er nie bereut hat: „Wenn ich nochmal 24 wäre, würde ich mich wieder so entscheiden.“ Der Zyklon der Kategorie 4 hat das solide gebaute Lepra-Krankenhaus nicht zerstören können, aber Schaden angerichtet. 1,2 Millionen Menschen seien evakuiert worden, es gab 60 Tote zu beklagen. „Vor 20 Jahren, als es schon mal einen Zyklon dieser Stärke gegeben hat und  noch keine Frühwarnsysteme zur Verfügung standen, waren 25.000 Menschen umgekommen“, erklärte der Arzt. Er kam in Begleitung seines Helfers Kamadeb Rana und Hans Köpke, Pfarrer im Ruhestand aus Kaiserswerth.

Sein Lichtbildervortrag begann mit einer bemerkenswerten, rund 80 Jahre alten Aufnahme: Mahatma Gandhi hat keine Angst, auf einen Leprakranken zuzugehen, berührt dessen Füße. Typisch ist das auch heute noch nicht: Leprakranke werden in der Regel separiert, fangen praktisch ein neues Leben an, suchen sich einen neuen, ebenfalls infizierten Partner. Im Leprakrankenhaus arbeiten vor allem  Männer, die selber unter der Krankheit litten und die keine Berührungsängste haben. „Die Freundlichkeit, mit denen man den Kranken hier in dem 50-Betten-Krankenhaus begegnet, ist für die Kranken etwas völlig Ungewohntes“, sagte der Arzt aus Leidenschaft. 639 Operationen habe es im vergangenen Jahr vorgenommen. Auf einem Foto war ein Mann zu sehen, dem Rousselot gerade ein Bein amputiert hatte: „Solche Operationen kamen im letzten Jahr nur sieben Mal vor“, erklärte der Chirurg. Was er unbedingt zu vermeiden versucht, ist, einem Kranken beide Beine zu amputieren. Das ist gelebte Inklusion in der Millionenstadt Bhbaneswar  am Golf von Bengalen, wo es Tiger und Elefanten gibt: „Wir geben den Patienten das Gefühl, dass sie ganz normale Menschen sind.“ 40 Betten stehen den männlichen Patienten zur Verfügung, während es nur zehn Plätze für Frauen gibt. „Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, aber die Frauen bleiben in der Regel zu Hause und infizieren sich deshalb deutlich seltener als Männer“, sagte Rémy Rousselot. Womit er schon ein wenig überraschte: „In Indien gibt es gute Krankenhäuser – viele Engländer, die ein neues Hüftgelenk brauchen, lassen das in Indien machen. Aber für einen mittellosen Leprakranken würde man kaum etwas tun.“ Was Rousselot im Krankenhaus immer wieder beeindrucke, ist die Lebensfreude der an Lepra Erkrankten.

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