Stadt Willich: Leibesfülle macht Rettung schwierig

Stadt Willich : Leibesfülle macht Rettung schwierig

Die Rettungsdienste sind immer häufiger mit schwergewichtigen Menschen konfrontiert, deren Bergung sich äußerst schwierig gestaltet. Erst vor wenigen Tagen war dies in Vorst der Fall, vor wenigen Wochen in Willich.

Vor wenigen Tagen in Vorst oder vor einigen Wochen auf dem Willicher Marktplatz: Mit großem Aufwand, mit Kran oder Drehleiter, versuchen Sanitäter und Feuerwehrmänner, schwerkranke Menschen aus den Obergeschossen zu retten oder zu bergen. Darunter sind auch oft schwergewichtige Patienten, mit 150 Kilogramm und viel mehr, die die Helfer im Notfall oder beim normalen Krankentransport vor große Probleme stellen.

Auf dem Willicher Marktplatz musste zum Beispiel vor einiger Zeit eine Patientin, die über einem Café wohnte, heruntergeholt werden. In dem alten und historischen Gebäude war der Treppenflur für eine Rettung allerdings zu schmal. Es gelang nach vielen Mühen dennoch: Am Rettungskorb der Drehleiter wurde eine Spezialtrage installiert, mit der dann die kranke Person aus dem Fenster zu Boden und dann behutsam in den schon länger wartenden Rettungswagen gebracht wurde.

"Es ist nicht nur die Leibesfülle, die uns Probleme bereitet, sondern oft auch zu enge Türen oder Flure in den Obergeschossen, dann auch noch ohne einen Aufzug", sagt Willichs Wehrleiter Thomas Metzer. Er kann nur an die Angehörigen oder an die Alleinstehenden selbst appellieren, sich schon beim Einzug in eine neue Wohnung entsprechende Gedanken zu machen. Metzer: "Man sollte schon daran denken, wenn es einem gut geht, und nicht erst, wenn man in den Obergeschossen wohnt, krank wird und Hilfe benötigt." Metzer kann sich an einen Fall erinnern, als vor vielen Jahren eine beleibte Person in Schiefbahn im siebten Stock wohnte und mehrmals im Jahr unter großen Strapazen aus dem Fenster der Wohnung geholt und zum Krankenhaus gefahren werden musste.

Auch die Tönisvorster Feuerwehr hat entsprechende Einsätze schon hinter sich. Zuletzt in Vorst, wo unter anderem ein Kranwagen der Düsseldorfer Berufsfeuerwehr zum Einsatz kam. "Unter anderem in der Landeshauptstadt, so wurde es mir gesagt, ist es in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg bei den Rettungen schwer übergewichtiger Menschen gekommen. Bei uns ist dies noch überschaubar", sagt Wehrführer Rolf Peschken (52), der selbst seit 31 Jahren aktiver Feuerwehrmann ist.

Auch dort können mittels einer besonderen Vorrichtung an der Drehleiter Menschen bis zu einem Gewicht von maximal 200 Kilogramm aus ihren Wohnungen geholt werden. Was darüber hinaus gehe, würden die benachbarten Berufswehren mit Kränen, Schwerlast-Rettungswagen oder speziellen Fahrzeugen erledigen. "Natürlich würde es uns, dem Rettungsdienst, aber auch dem Patienten oder Hilfesuchenden selbst die ärztliche Weiterversorgung erleichtern, wenn er im Erdgeschoss wohnen würde", so Peschken weiter.

Sein Stellvertreter Hans-Gerd Wolters erinnert sich an einen Einsatz vor etwa zweieinhalb Jahren in St. Tönis, als die kranke Person nur mit einer Schleifkorb-Trage (der Patient wird in eine Art Wanne gelegt und rutscht dann vorsichtig und von den Feuerwehrmännern gesteuert die Treppen herunter) aus dem dritten Obergeschoss geholt werden konnte. Wolters geht ebenfalls davon aus, dass künftig die Rettung Schwergewichtiger zunehmen wird: "Denn die Menschen werden immer kräftiger und wohlgenährter."

"Wir achten bei den Neuanschaffungen der Rettungswagen schon seit Längerem auf höhere Standards", sagt Sascha Döhmen. Der 34-Jährige, aktiver Feuerwehrmann bei der freiwilligen Feuerwehr in Mönchengladbach, ist bei der Willicher Stadtverwaltung auch für die Beschaffungen der Rettungswagen zuständig. "In den nächsten Wochen geht die Ausschreibung eines neuen Rettungswagens raus, danach sollte die Spezialtrage Menschen bis maximal 200 Kilogramm Körpergewicht transportieren können." An der Trage würden dann im Bedarfsfall seitlich zusätzliche Elemente installiert.

(wsc)
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